Interview mit Thomas Heinze
"Robert van Ackeren ist ein Vollidiot!"
Thomas Heinze. Foto: Sat.1 Thomas Heinze ist einer der populärsten deutschen Schauspieler. Dunkle Locken, Körpergröße 188 Zentimeter - und ein Blick, dem Frauen nur schwer widerstehen können. Und trotzdem spielte er im Frühjahr 1998 in "Charley's Tante" für Sat.1 eine Frau!

Geboren wurde Thomas Heinze am 30. März 1964 in Berlin. Bis in die 70er Jahre lebte er mit seinem us-amerikanischen Vater, einem Soldaten, seiner deutsch-holländischen Mutter und drei Brüdern in New York und Fulda. Nach ersten Theatererfahrungen an der Schule war klar, was er werden wollte. Schauspielstudium 1983 bis 1986 in München an der Falckenberg-Schule. TV-Debüt 1986 als Eishockey-Spieler in Dieter Wedels Film Kampf der Tiger. Unter dessen Regie auch in Wilder Westen inklusive (1987) dabei. Seine Kinoerfolge: Allein unter FrauenFrauen sind was Wunderbares, Das Superweib. Thomas Heinze ist engagiertes Greenpeace-Mitglied.
Frage: Hatten Sie Spaß an der Verkleidung für Ihre Rolle in "Charley's Tante"?

Thomas Heinze: Ja, absolut. Aber seitdem nicht mehr.

Frage: Haben Sie sich als Frau gefallen?

Thomas Heinze: Nein. Ich wäre auf mich nicht scharf, wenn ich mir so begegnen würde. Diese männlichen Züge, das eckige Kinn, der Adamsapfel - so sehen doch keine Frauen aus.

Frage: Ihre TV-Vorgänger waren 1956 Heinz Rühmann und 1963 Peter Alexander.

Thomas Heinze: Ich hab' beide Filme vor Ewigkeiten gesehen. Ich muss so 9 oder 10 Jahre jung gewesen sein. Auf jeden Fall kann ich mich daran erinnern, dass es ein herrlicher Klamauk gewesen ist und ich köstlich gelacht habe. Generell halte ich heute von Heinz Rühmann schauspielerisch mehr als von Peter Alexander.

Frage: Haben Sie jemals überlegt, wie es wäre, als Frau geboren worden zu sein?

Thomas Heinze: Natürlich, wie jeder Mensch. Ab der Pubertät spielen doch alle Menschen mit diesem Gedanken. Aber es geht letztendlich über meine Vorstellungskraft, mich voll und ganz in den Körper einer Frau hineinzudenken. Ich bin absolut damit zufrieden, Mann zu sein. Ich bin halt gerne Mann - und will's auch bleiben.

Frage: Gibt es irgendetwas, um das Sie Frauen beneiden?

Thomas Heinze: Ja, Kinder zu bekommen. Das ist ein wunderbares Phänomen der Natur. Es muss ein großartiges Gefühl sein, schwanger zu sein und ein Baby auf die Welt zu bringen - trotz der Schmerzen einer Geburt. Dieses Wissen, dass im eigenen Körper neues Leben heranwächst.

Frage: Was macht für Sie eine gute Komödie aus?

Thomas Heinze: Gute Pointen, gutes Timing - und gute Schauspieler. Ich finde nicht, dass es viele gute Komödien in Deutschland gibt. Ich liebe Sein oder Nichtsein von Ernst Lubitsch und Ticket für zwei mit Steve Martin und John Candy. Als Kind konnte ich mich schlapp lachen über Jerry Lewis und Louis de Funés.

Frage: Wie wichtig ist Lachen?

Thomas Heinze: Ich lache oft und gerne, habe eine witzige Familie und sehr witzige Freunde. Lachen ist existentiell. Es befreit.

Frage: Sie sind in den USA aufgewachsen - haben Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt, nach Hollywood zu gehen?

Thomas Heinze: Natürlich. Irgendwann würde ich gerne einmal in die USA zurückkehren, nicht nach Los Angeles, sondern an die Ostküste. Beruflich ist das aber so eine Sache. Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: Man geht nicht nach Hollywood, sondern wird geholt. Und das ist bislang noch nicht geschehen. Ich habe mit dem US-Schauspieler Lloyd Bridges den Film Mr. Bluesman gedreht. Er sagte zu mir: 'Thomas, ich verstehe das nicht. Du bist aus den USA, warum kommst du nicht einfach dahin, wo wirklich Filme gedreht werden?' Ich möchte nicht bei Null wieder anfangen. Mir würde es schwer fallen, Klinken putzen zu gehen. Das liegt mir nicht. Es wäre etwas anderes, wenn wie bei Til Schweiger konkrete Angebote vorliegen würden.

Frage: Sie haben Robert van Ackerens Film Die wahre Geschichte von Männern und Frauen, in dem Sie selbst mitgespielt haben, als miesesten Film bezeichnet, der je gedreht wurde.

Thomas Heinze: Dazu stehe ich nach wie vor. Die Dreharbeiten waren mit Abstand das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Man könnte es bestenfalls als nicht gelungenes Experiment bezeichnen. Robert van Ackeren ist ein Vollidiot. Gott sei Dank hat er seitdem keinen Film mehr gedreht. Das ist fast das Beste, was Deutschland passieren kann.

Frage: Wie gehen Sie damit um, auf der Straße erkannt zu werden?

Thomas Heinze: Ich mag dieses Gefühl sehr gerne. Es ist doch wunderbar, populär zu sein. Alle Schauspieler werden doch insgeheim deswegen Schauspieler, weil sie erkannt werden wollen. Alles andere wäre Lüge. Ich kann nicht verstehen, wenn jemand das Gegenteil behauptet. Jeder freut sich doch darüber, denn es dokumentiert die Aufmerksamkeit des Publikums.

Frage: Sie werden gerne als Frauenschwarm oder Macho bezeichnet.

Thomas Heinze: Das ist das klassische Schubladen-Denken. Ein ganz subjektives Empfinden derjenigen, die einen wahrnehmen. Es reduziert mich auf einen Bruchteil dessen, was ich bin. Mir ist es wurscht, was andere über mich sagen oder denken. Ich möchte interessante Rollen spielen.

Frage:: Beschreiben Sie sich selbst!

Thomas Heinze: Kann ich nicht. Dieser Beruf birgt sowieso die Gefahr, dass man sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Wenn Sie wissen wollen, was ich für ein Typ bin, fragen Sie meine Freundin, meine Mutter oder meine Brüder. Ich kann es einfach nicht.

Frage: Sie gelten als Serien-Feind.

Thomas Heinze: Im Moment muss ich nur für mich selbst sorgen. Das heißt: Wenn die Kasse leer wäre, würde ich vielleicht eine Serie machen, aber nur, wenn das Konzept gut ist. Hätte ich Frau und Familie, würde ich sagen: 'Okay, her damit!'. In Deutschland sind 90 Prozent der Serien purer Blödsinn. Gucken Sie sich doch einmal Gegen den Wind oder Medicopter an. Schwachsinn ohne Qualität, innerhalb kürzester Zeit 'runtergenudelt. In so was kann auch ich nicht gut sein. Eine hervorragende Serie ist Für alle Fälle Fitz.

Frage: Wie ist es, mit Ihrer Freundin Nina Kronjäger zusammen zu spielen?

Thomas Heinze: Große Klasse. Wir haben drei Filme zusammen gedreht (Schlank bis in den Tod, Geisterstunde, Das kleine Fernsehspiel) und in Frankfurt am Theater am Turm auf der Bühne gestanden. 24 Stunden am Tag mit Nina Kronjäger zusammen zu sein, macht wahnsinnigen Spaß. Sie ist auch eine Schauspielerin, die ich sehr schätze. Und davon gibt es nicht besonders viele in Deutschland.

Frage: Haben Sie ein Rezept für eine glückliche Beziehung?

Thomas Heinze: Es gibt da einen Satz von meinem Großvater: 'In einer guten Ehe muss man immer sagen: Ja, mein Schatz, du hast ja recht ...'

Frage: Sie wollten doch immer heiraten, aber immer wieder wurde der Termin verschoben - ist das Vorhaben geplatzt?

Thomas Heinze: Im letzten Jahr wollten wir es tatsächlich tun, aber mein Vater ist gestorben. Da hat sich unsere Hochzeit erst mal erledigt. Es gibt noch keinen neuen Termin.

Frage: Wollen Sie Kinder haben?

Thomas Heinze: Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen. Eine große Familie ist einfach prima. Aber da muss ich Nina erst mal fragen.

Frage: Welches sind Ihre neuen Projekte?

Thomas Heinze: Anfang April kommt Frau Rettich, die Czerny und ich mit Iris Berben und Martina Gedeck ins Kino, mit Roland Suso Richter habe ich Sara America gedreht. Mit meinem Freund Matthias Glasner und Jürgen Vogel planen wir ein Projekt in Miami. Jetzt hab' ich erst mal Pause - was genau kommt, weiß ich noch nicht.


Das Interview wurde im Februar 1998 geführt.
Dirk Jasper FilmLexikon
© 1994 - 2010 Dirk Jasper