Interview mit Tim Bergmann
Tim Bergmann Tim Bergmann spielt den Daniel Hoffmann in dem Film Mondscheintarif

Frage: Als Sie das Drehbuch zu Mondscheintarif in Händen hielten, konnten Sie da bereits ahnen, welches filmische Potential darin schlummerte?

Tim Bergmann: Auf jeden Fall. Sonst wäre ich gar nicht zum Casting gegangen oder hätte mich auch nicht länger damit beschäftigt. Trotzdem war ich letztlich vom Ergebnis positiv überrascht. Denn aus einem guten Drehbuch einen noch besseren Film zu machen, ist eine hohe Kunst. Und in diesem Fall hat Ralf Huettner wirklich hervorragende Arbeit geleistet.

Frage: Beim Casting haben Regisseur und Produzenten sehr schnell gespürt, dass die "Chemie" zwischen Gruschenka Stevens und Ihnen gestimmt hat. Erging es Ihnen ähnlich?

Tim Bergmann: Ich selbst habe mit Gruschenka nie so darüber gesprochen. Aber ich glaube schon, dass es so war. Zumindest von meiner Seite kann ich sagen, dass ich es so empfunden habe. So etwas liegt ganz einfach in der Luft - so eine bestimmte Energie, die einem das Gefühl gibt, dass man darauf aufbauen kann. Gerade bei einem Liebesfilm ist es sehr wichtig, dass so eine "Chemie" vorhanden ist.

Frage: Dr. Daniel Hoffmann, Ihr Part in Mondscheintarif, reagiert mehr als dass er agiert. Eine besondere schauspielerische Herausforderung?

Tim Bergmann: Natürlich. Das Schwierige und zugleich Charmante an der Geschichte ist doch, dass sich Cora und Daniel zwar von Anfang an interessant finden, das Zusammenkommen sich aber als sehr kompliziert erweist. Im Übrigen agiere ich als Schauspieler bereits beim Reagieren. Anders ausgedrückt: Wenn mir ein Ball zugespielt wird, muss ich mich darum kümmern, dass ich ihn gut zurückspiele. Und im Zurückspielen kann ich dann genauso entscheidend "das Spiel" beeinflussen. Als Mitspieler bin ich ja keine Wand, von der der Ball einfach nur abprallt.

Frage: Und wie wirkt sich dies im speziellen Fall von Mondscheintarif aus?

Tim Bergmann: Das "Match" zwischen Cora und Daniel gestaltet sich vor allem durch Coras Spielweise nicht gerade einfach. Aber auch Daniels Charakter bzw. Biografie ist kompliziert genug. Sein Großvater war Arzt, sein Vater war Arzt, ihm aber fällt es schwer, mit der gleichen Überzeugung in ihre Fußstapfen zu treten. Er befindet sich in einem Schwebezustand, auf der Suche nach der großen Liebe - und glaubt, sie dann sehr ernsthaft in Cora Hübsch gefunden zu haben. Dabei ist die Phase des Zusammenkommens nicht nur deshalb schwierig, weil Cora so kompliziert ist, sondern weil auch Daniel nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Er hat sich in Cora verliebt, weiß jedoch noch nicht, was er von dieser bezaubernd-seltsamen Frau halten soll.

Frage: Ist Mondscheintarif ein Frauenfilm?

Tim Bergmann: Ralf Huettner hat sicherlich nicht die Schere im Kopf gehabt und zu sich gesagt "Ich mache einen Film fürs Frauenpublikum". Natürlich stammt der Roman von einer Frau und auch die Hauptfigur ist weiblich. Aber, was heißt das schon? Man muss sich einfach wie bei jedem anderen Film darauf einlassen. Letztlich haben Männern, glaube ich, in diesem Film mindestens ebenso viel zu schmunzeln wie Frauen.

Frage: Mondscheintarif erzählt von einer Frau, die zu Hause vor dem Telefon sitzt und auf einen Anruf wartet. Eigentlich der ideale Stoff für einen Kurzfilm.

Tim Bergmann: Ja klar, die Geschichte ist schnell erzählt, der Film ist wie eine schöne Seifenblase, die aber auch ganz schnell zerplatzen kann. Die hohe Kunst bestand darin, sie möglichst lange am Leben zu erhalten. Und genau das ist Ralf Huettner und seinem Kameramann Tommy Wildner hervorragend gelungen. Sie haben es geschafft, dass die technischen Kabinettstückchen die Geschichte weder erdrücken noch überlagern. Sie haben für uns Schauspieler letztlich ein Gefäß kreiert, das wir mit Leben füllen konnten.

Dirk Jasper FilmLexikon
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