Interview mit Tim Roth
Tim Roth Tim Roth ist Hauptdarsteller in dem Film Gridlock'd - Voll drauf!

Frage: In "Gridlock'd" geht es um Schwierigkeiten mit der Bürokratie? Haben Sie da auch schlechte Erfahrungen gemacht?

Tim Roth: Andauernd! Allein das Theater bei der Einreise in die USA. Wenn du in der falschen Schlange stehst, kannst du dich gleich noch mal hinten anstellen. Oder wenn jemand einen Drogenentzug machen will, braucht er einfach Hilfe. Aber in den USA ist man es nicht gewohnt, dir etwas umsonst zu geben. Also machen sie es dir so schwer wie möglich, Hilfe zu bekommen. In der Hoffnung, dass du von selbst wieder gehst.

Frage: War es schwierig für Sie, einen Junkie darzustellen?

Tim Roth: Nein, warum? Ich muss ja nicht selbst drogenabhängig sein, um einen Süchtigen spielen zu können. Der Regisseur Vondie Curtis Hall war früher ein Junkie. Er hat das Drehbuch aus eigener Erfahrung geschrieben. Er konnte mir sagen , wie ich meine Rolle spielen sollte.

Frage: Haben Sie eine bestimmte Methode, sich auf Ihre Rollen vorzubereiten?

Tim Roth: Ich mache mir vorher keinen Plan. An jeden Film, den ich gemacht habe, bin ich anders herangegangen. Meistens gehe ich nach meinem Instinkt. Ich spiele einfach und warte, was der Regisseur dazu sagt. Und wenn es auf die eine Art nicht läuft, macht man's noch mal.

Frage: In "Gridlock'd" spielt die Musik eine sehr wichtige Rolle. Welche Musik hören Sie?

Tim Roth: Alles mögliche. Ich mag klassische Musik genauso wie Songs von Nirvana.

Frage: Viele Musiker und Schauspieler sind heroinabhängig. Ist Heroin eine Prominentendroge?

Tim Roth: Das kommt einem nur so vor, weil es gleich in der Zeitung steht, wenn ein Prominenter mit Drogen erwischt wird. Die anderen, die normalen Junkies, interessieren ja keinen. Heroin ist auch nicht nur im Moment besonders modern. Das war es schon immer. Und es sieht so aus, als sei die Regierung auch nicht wirklich daran interessiert, das zu ändern.

Frage: Wie war die Arbeit mit Tupac Shakur?

Tim Roth: Tupac hat vor "Gridlock'd" ja schon in einigen Filmen gespielt. Er war also kein Anfänger mehr. Er war nur aufgeregt, weil er keine Gangster-Rolle spielte, sondern einen verletzlichen, sensiblen Burschen. Und ich finde, er hat es sehr gut gemacht.

Frage: Ein zentrales Thema in "Gridlock'd" ist Freundschaft. Hatten Sie in ihrem Leben jemals einen so engen Freund wie in dem Film?

Tim Roth: Ich habe viele gute Freunde. Aber ich hatte mit einem Mann noch nie eine so nahe Beziehung wie mein Charakter in dem Film. Der Mensch, der mir am nächsten ist, ist meine Frau.

Frage: War Tupac Ihr Freund?

Tim Roth: Man muss jemanden schon sehr genau und sehr lange kennen, um ihn wirklich "Freund" nennen zu können. Mit Tupac habe ich mich sehr schnell sehr gut verstanden. Und er war jemand, mit dem ich gern noch einmal zusammengearbeitet hätte.

Dirk Jasper FilmLexikon
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