Interview mit Tim Roth
Tim Roth

Frage: Warum wollten Sie in diesem Film mitspielen?

Tim Roth: Es ging mir um die Arbeit mit Werner. Ich habe mir seine Filme früher immer und immer wieder in den Kunstkinos in Großbritannien angesehen.

Frage: Herzog ist ein Original. Wie würden Sie Ihr Arbeitsverhältnis mit ihm beschreiben?

Tim Roth: Ich hatte erwartet, dass er sehr kompliziert sein würde. Tatsächlich war er, was die Regieanweisungen anbetraf, sehr direkt und zielstrebig. Alles war ganz klar. Die Basis dafür legten wir, als ich ihn in Paris traf. Als wir mit dem Dreh begannen, wusste er ganz genau, was er wollte. Meine Aufgabe war es, den Regisseur zu unterstützen. Und das habe ich sehr bereitwillig getan.

Frage: Hatten Sie Bedenken, mit dem Mann zu arbeiten, von dem die Legende geht, er hätte Klaus Kinski einst mit einer Pistole bedroht?

Tim Roth: Ich glaube nicht an diese Mythen. Das interessiert mich nicht. Nichts davon traf zu. Ich wollte schlicht und einfach mit einem Filmemacher arbeiten, der als einer der ganz Großen gilt.

Frage: Sind Sie ein Fan von Herzogs Spielfilmen? Welche gefallen Ihnen am besten?

Tim Roth: Ich mag "Jeder für sich und Gott geegn Alle", Aguirre, der Zorn Gottes, Fitzcarraldo, "Woyzeck", Nosferatu, "Stroszek". Ich mag sie alle. Mich fasziniert, war er macht. Seine Dokumentarfilme schätze ich ebenfalls sehr.

Frage: Haben Sie sich Filme von Herzog vor dem Dreh von Unbesiegbar angesehen?

Tim Roth: Ich kenne Herzogs Filme, seit ich 14 oder 15 Jahre alt war. Ich war ein riesiger Fan. Ich halte ihn für einen der großen Filmemacher. Ich arbeite oft mit Regiedebütanten, aber hier wusste ich, was auf mich zukam. Es macht mir nichts aus, Anhaltspunkte zu haben, bevor ich mit einem Regisseur arbeite. Herzog hat viele, viele Filmemacher und Schauspieler beeinflusst. Wenn man ein Filmemacher werden will, dann muss man Werners Filme kennen. Da führt kein Weg dran vorbei.

Frage: Wie würden Sie Hanussen beschreiben? Was für eine Art von Mensch ist er? Was motiviert ihn?

Tim Roth: Er ist ein Gaukler, ein Betrüger. Er ist ein Showman. Was ihn antreibt, ist, würde ich sagen, Angst. Angst davor, ertappt, entlarvt zu werden. Wer ein Showman ist, hat automatisch ein ausgeprägtes Ego. Aber bei ihm kommt die Angst vor Entlarvung als Motivation noch dazu. Es ist einfacher für ihn, der Schurke, der Perverse zu sein. Alles ist erlaubt, wenn es darum geht, seine wahre private Vergangenheit zu verbergen, die ihn das Leben kosten würde.

Frage: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Tim Roth: Fast überhaupt nicht. Ich habe lediglich mit Werner diskutiert. Dann hat Werner mir beigebracht, wie man Menschen hypnotisiert. Mittlerweile beherrsche ich das ziemlich gut. Aber damit sollte man keinen Unfug anstellen. Die Frau, die ich im Film hypnotisiere, stand beim Dreh tatsächlich unter Hypnose.

Frage: Was wussten Sie vor dem Dreh über die Weimarer Republik? Ist das ein historischer Zeitabschnitt, der Sie anspricht?

Tim Roth: Ich wusste sehr viel, weil mein Vater im Ersten Weltkrieg gekämpft hat (EHRLICH?????????????????????????). Ich weiß, welche Auswirkungen dieser Krieg auf Deutschland hatte. Dank der Lektüre von Büchern bin ich sehr gut über die Hintergründe informiert. Auch als Filmemacher interessiert mich diese Ära. Ich kann mir gut vorstellen, über diesen Geschichtsabschnitt selbst einmal einen Film zu drehen.

Frage: Können Sie den Dreh zu Unbesiegbar beschreiben?

Tim Roth: Wir waren ununterbrochen von Zauberern und Hypnotiseuren umgeben. Mein Teil des Films wurde komplett an einem Schauplatz abgedreht, so dass ich gar nicht beim Dreh in Köln dabei war. Der Film war sehr aufwändig, und es wurde viel gereist, aber all das betraf mich nicht. Ich stand nur in einem einzigen Gebäude vor der Kamera. Ich glaube, die anderen Teile wären auch sehr spannend gewesen, aber meine Figur kommt nicht in ihnen vor. Es war ein bisschen, als hätte ich an einem kleinen Kurzfilm im Film gearbeitet.

Frage: Durften Sie ein Requisit nach dem Dreh behalten?

Tim Roth: Werner schenkte mir den Füller, mit dem ich die Menschen hypnotisiere. Das gefiel mir.

Frage: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Darstellern empfunden, die als Zishe und Martha zu sehen sind?

Tim Roth: Es war sehr interessant, weil sie eigentlich gar keine Schauspieler sind. Jouko Ahola ist buchstäblich der stärkste Mann der Welt, die Arbeit mit ihm hat mir sehr gut gefallen. Und Anna Gourari ist eine Konzertpianistin. Beide waren niemals zuvor vor einer Kamera gestanden. Sie waren besorgt, aber hatten auch nichts zu verlieren. Manchmal sind Laien besser als ausgebildete Schauspieler. Meine Erfahrungen mit ihnen zählen zu den besten, die ich jemals bei einem Film gemacht habe. Und Jouko hat unglaublich viel gegessen. Sie sind sehr gute Menschen - und unglaublich mutig.

Dirk Jasper FilmLexikon
© 1994 - 2010 Dirk Jasper