Interview mit Tom Berenger
Tom Berenger

Frage: An welcher Stelle im Leben steht der von Ihnen verkörperte Tom Greener, wenn wir ihm das erste Mal begegnen?

Tom Berenger: Tom Greener war ein ganz anständiger Schauspieler. Aber seinen letzten Film hat er vor sieben Jahren gedreht. Seitdem ist ihm alles mögliche außer Kontrolle geraten. Er war zwischenzeitlich an der Ostküste, von wo er herkam, und jetzt ist er wieder in Los Angeles. In einem Alter, wo es nicht unbedingt leicht ist, noch mal von vorn anzufangen. Er lebt in einem abgewrackten Hotel und läuft da einem Kollegen von damals über den Weg. Das ist Kage Mulligan alias Burt Reynolds. Beide sind am Nullpunkt ihrer Karriere und ihres Lebens.

Tom hat ein ziemliches Alkoholproblem. Der einzige Trumpf, den er noch im Ärmel hat, ist dieses alte unrealisierte Drehbuch, das er immer mit sich rumschleppt, und da er gerade einen Agenten getroffen hat, der versprochen hat, sich um das Buch zu kümmern, ist er halbwegs guter Dinge. Leider wird dieser Agent aber überfahren, bevor es zu einem erneuten Treffen kommt. Bei der Beerdingung treffen wir schließlich Floyd Benson alias Rod Steiger, der zwar einen Oscar zu Hause hat, aber auch von der Industrie 'ausgemustert' wurde. Über einigen Drinks stellen wir fest, dass wir alle in der gleichen beschissenen Situation sind. Eine Leiche, die wir zufällig am Hollywood Sign finden, wird dann alles ändern, aber ganz anders ändern, als wir uns das vorgestellt haben.

Frage: Der Himmel von Hollywood beinhaltet einen europäisch geprägten Blick auf 'Tinseltown'. Können Sie sich dem anschließen?

Tom Berenger: Es gibt eine schöne Stelle in Leon de Winters Romanvorlage, wo es heißt: "Kollektiver Wahnsinn ist in dieser Stadt allzeit manifest, aber es gibt Phasen, in denen dieser Wahnsinn etwas Destruktives annimmt." Das ist treffend beobachtet und beschrieben. Da spielt es gar keine Rolle, ob das von einem Europäer stammt oder von einem Amerikaner. Aber ich schätze es sehr, dass es bei diesem Projekt nicht um laute schenkelklopfende Lustigkeit geht, auch nicht um eine Hollywood-Travestie. Der schwarze, spitze und manchmal bittere Humor ist sehr sophisticated, und außerdem ist zu spüren, dass da noch eine Welt außerhalb Hollywoods und ihren Karrieren existiert.

Dirk Jasper FilmLexikon
© 1994 - 2010 Dirk Jasper