Interview mit Tom Gerhardt

"Wir wollten einfach eine Sommer-Charme-Attacke hinlegen!"

Tom Gerhardt ist Drehbuchautor und Hauptdarsteller in der deutschen Filmkomödie Siegfried, in der die "wahre" Geschichte des legendären deutschen Recken erzählt wird!

Frage: Tom Gerhardt als Siegfried, der germanische Recke? Wie kam's zu der Idee?

Tom Gerhardt: Das steckt faustdick in meinen Genen: Der Name "Gerhardt" ist urgermanisch und bedeutet soviel wie "Harter Speer" (Ger = Speer, hardt = hart). Die Ahnen meines Vaters stammen aus der Gegend um Worms, dem Kult-Ort der Nibelungensage. Und damit nicht genug: Der Mädchenname meiner Mutter ist "Rennenberg" - er führt zu dem Ort Rennenberg am Rhein - dort werden unsere Vorfahren, lästerliche Raubritter, noch heute in städtischen Archiven als "Die wilden Horden derer von Rennenberg" geführt. Sie waren wohl eine echte Landplage. Untaten mit Speeren liegen mir also im Blut.

Frage: Aber in Ihrer Film-Version ist Siegfried doch ein äußerst liebenswerter Geselle ...

Tom Gerhardt: Stimmt. Aber er ist so unglaublich positiv, dass er genau deswegen wieder zur Plage wird. Ein Hüne mit magischen Kräften - aber mit dem Tatendrang und Verstand eines siebenjährigen Jungen. Er ist einfach nicht zu bremsen, wenn er bei Laune ist. Zum Leidwesen nicht nur seiner Feinde. Die Freunde sind fast noch schlimmer dran - denn sie werden von ihm herzlich umarmt. Das kann zu Kollateralschäden führen. Und das Schlimmste: Egal, was er anrichtet, man kann ihm noch nicht mal böse sein - Siggi ist die Unschuld pur.

Frage: Und was macht plötzlich ein rosarotes Hausschwein in der guten, alten Nibelungensaga?

Tom Gerhardt: Siegfried braucht Schwein. Denn die niederträchtigen Fallen, die ihm unentwegt gestellt werden, kann er nicht erkennen, so überaus gutmütig, wie er ist. Also steht das Nibelungen-Schwein ihm treu zur Seite.

Frage: Das hört sich aber nicht nach einer werkgetreuen Inszenierung an ...

Tom Gerhardt: Doch, doch. Die Heldentaten des Schweins wurden nur gemein vertuscht und verschwiegen. Ist doch völlig klar: Wer wollte schon wahrhaben, dass der Underdog des Tierreichs dem größten Helden unserer Geschichte den Weg wies?

Frage: Zitat: "Du Frittenkopp, ich schneid dich in Scheiben!" Die alten Ritter sprachen rheinisch?

Tom Gerhardt: Auf jeden Fall bei uns. Außerdem - die Nibelungensage spielt doch am Rhein ...

Frage: Siegfried ist also unfassbar nett. Ist das nicht eine ganz neue Rolle für Tom Gerhardt, der so gern das Ekelpaket "Hausmeister Krause" spielt?

Tom Gerhardt: Allerdings. Und eine sehr charmante Rolle. Man mag Siggi einfach. Auch wenn er so extrem freundlich ist, dass es wieder weh tut.

Frage: Was wohl auch für seine große Liebe Kriemhild gilt, der er ganz und gar verfallen ist ... Sie scheint ihn ja nicht so sehr zu mögen wie in der richtigen Legende ...

Tom Gerhardt: Allerdings nicht. Aber wer so voll von Liebe ist wie Siggi, der hat keinen Platz mehr für Gegenliebe.

Frage: Was werden die Historiker wohl sagen zu dieser Neu-Interpretation der be-rühmten Sage?

Tom Gerhardt: "Danke. Endlich haben wir begriffen."

Frage: Was ist das Motto des Films?

Tom Gerhardt: Nur wenn du endlich gut drauf bist, kannst du das unendlich Böse besiegen!

Frage: Also in unseren pessimistischen Zeiten kann man so richtig Kraft schöpfen in dem Film?

Tom Gerhardt: Unbedingt. In diesem Film, in dem es um die ganz große Liebe und die ganz große Freundschaft geht, kann man vor allem lernen, dass man auf keinen Fall aufgeben darf, wenn man nicht geliebt wird. Es ist nur eine Frage der Zeit: Irgendwann gibt jeder auf. Und wenn er dich noch so scheußlich findet ...

Frage: Siegfried - ein mittelalterlicher Stalker?

Tom Gerhardt: Wenn man so will ... in heutigen Tagen wäre von einem Gericht verfügt worden, dass er sich der Burg nicht näher als 50 Meter nähern darf.

Frage: Und wer ist so das Zielpublikum des Films?

Tom Gerhardt: Die Guten und Gerechten. - Nein, ernsthaft: Wir haben hier einen Film, den eigentlich jeder sehen kann: Kinder, Teens und Erwachsene. Wir haben auf brutale Härtegags verzichtet, haben diesmal eher auf Charme gesetzt. Und trotzdem genug Gags gefunden. Wir wollten einfach eine Sommer-Charme-Attacke hinlegen ... mit einem riesengroßen Happy End.

Tom Gerhardt als 'Siegfried'
Filmplakat

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Constantin © 1994 - 2010 Dirk Jasper