Interview mit Ulrich Meyer
Ulrich Meyer Interview mit Ulrich Meyer zum Jubiläum von 'Akte' (di, 22.15 Uhr) und 'Fahndungsakte' (mo, 22.15 Uhr)

Frage: 250 mal 'Akte' (am 09.05.2000) und 100 mal 'Fahndungsakte' (am 15.05.2000) - mit beiden Formaten haben Sie als Produzent und Moderator Langstrecken-Läufer auf die Bahn geschickt. Gibt es ein Rezept für diesen Erfolg?

Ulrich Meyer: Beide Sendungen sind aktuell, beide Sendungen gehen den Dingen auf den Grund. Und jede Ausgabe ist wie ein abwechslungsreiches Menü mit mehreren Gängen: informativ, aufklärend, spannend und unterhaltend!

Frage: 'Akte' und 'Fahndungsakte' - das eine ein investigatives Reporter-Magazin, das andere ein Kriminal-Magazin. Gibt es Überschneidungen?

Ulrich Meyer: Immer wieder, inhaltlich und auch optisch. Der wichtigste Unterschied ist: 'Akte' ist redaktionell völlig unabhängig, die Reporter setzen die Themen selbst. Während 'Fahndungsakte' in enger Kooperation mit den Behörden - nicht selten sogar nach den besonderen Wünschen der Polizei - produziert wird.

Frage: 250mal 'Akte' in jetzt gut fünf Jahren, ein Stück Fernseh-Geschichte. Was zeichnet das Magazin aus?

Ulrich Meyer: Die Nähe zum Alltag der Zuschauer, die Zuverlässigkeit in der Recherche, die Verständlichkeit in der Darstellung, die Auswahl der Themen - wir langen überall hin.

Frage: Mit 'Fahndungsakte' haben Sie als erster im deutschen Privat-TV eine Fahndungs-Sendung etabliert - gegen viel Kritik. Wie gehen Sie damit um?

Ulrich Meyer: Gelassen. Kritiker gehören zum Fernsehen wie Cheerleader zum American Football. Sie können so laut sein wie sie wollen, irgendwann schaust du nicht mehr hin.

Frage: Worin unterscheidet sich dieses Format von anderen Fahndungs-Sendungen?

Ulrich Meyer: 'Fahndungsakte' ist aufwendiger gemacht, mit einer Bildsprache wie im Kino, schneller geschnitten, präziser in den fahndungsrelevanten Details. Formal unterscheidet sich jeder Film vom nächsten, aber wir verlieren nie die emotionale Dimension aus den Augen, denn wir schildern Menschen und ihre schlimmsten Augenblicke.

Frage: Welche Themen liegen Ihnen bei 'Akte' und 'Fahndungsakte' besonders am Herzen?

Ulrich Meyer: Themen, die unsere Zuschauer der Redaktion vorschlagen. Wenn du spürst, wir sind ihre letzte Hoffnung, dann ist das die wichtigste Verpflichtung!

Frage: Gibt es Tabu-Themen?

Ulrich Meyer: Nein, so einfach mache ich es mir nicht. Es ist immer wieder im Einzelfall schmerzlich zu entscheiden. Und lieber suche ich mühsam nach der berühmten zweiten Quelle, die für die nochmalige Bestätigung eines Berichts sorgt, als gleich, rechtschaffen entrüstet, die Hände in den Schoß zu legen.

Frage: Im Gegensatz zu 'Akte' moderieren Sie 'Fahndungsakte' nicht selbst - warum?

Ulrich Meyer: Ein Mann, ein Format - und Michel Weber hat alle Hände voll zu tun, wenn er Deutschlands gefährlichste Verbrecher jagt.

Frage: Seit 1992 ('Einspruch', SAT.1) sind Sie als Produzent in Berlin tätig. Was reizt Sie an dieser Stadt, und können Sie sich vorstellen, Ihre Firma zu verlagern?

Ulrich Meyer: Wohin? Köln kenne ich in- und auswendig, und in Berlin ist sowieso das meiste los - für Journalisten ideal!

Frage: Produzent und Moderator, bleibt Ihnen da überhaupt noch Zeit fürs Privatleben?

Ulrich Meyer: Wenn ich es recht bedenke, wenig. Aber freitags nehmen meine Frau und ich uns unseren freien Abend...

Frage: Haben Sie schon Pläne für neue Projekte?

Ulrich Meyer: Klar, jede Menge Arbeit in der Werkstatt. Aber die ist gleichzeitig unser Hochsicherheitstrakt!

Dirk Jasper FilmLexikon
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