Interview mit Ulrich Noethen
Ulrich Noethen Ulrich Noethen ist der Hauptdarsteller in dem Film Das Sams

Frage: Wie sind Sie denn zum Sams gekommen?

Ulrich Noethen: Produzent Ulrich Limmer sprach mich während anderer Dreharbeiten an und verkündete mir, ich sei ja im Kern ein wahrer Komödiant. Und wohl deshalb bat er mich, in Das Sams mitzuspielen. Außerdem waren meine Frau und meine Tochter sofort Feuer und Flamme für diesen Film. Schließlich spielt ja nicht jeder Vater die Hauptrolle in der Verfilmung eines der Lieblingskinderbücher seiner Tochter.

Frage: Schlug denn die "Liebe auf den ersten Blick" zwischen Christine Urspruch und Ihnen genauso schnell ein, wie zwischen dem Sams und Bruno Taschenbier?

Ulrich Noethen: (lacht) Nicht direkt, ich lernte nämlich das Sams vor Christine kennen. Bei unserer ersten Begegnung steckte sie bereits in der Sams-Maske und es war deshalb eine etwas absonderliche Begegnung. Wir sollten sofort einige Szenen spielen, was ich eigentlich nicht besonders mag, wenn ich meine Figur noch nicht so gut kenne. Ich merkte dabei aber sehr schnell, dass Christine Urspruch, die ja bereits am Münchner Residenztheater gespielt hatte, eine gehörige Portion Erfahrung mitbrachte.

Frage: Bruno Taschenbier leidet ja unübersehbar am Leben. Woran krankt er denn Ihrer Auffassung nach am meisten?

Ulrich Noethen: Daran, dass er umgeben ist von Leuten, die ihn beschränken. Frau Rotkohl ist für ihn die Übermutter und Herr Oberstein so etwas wie ein Übervater. Taschenbier musss sich erst emanzipieren und das tut er über die Liebe zu Frau März. Die wahrhaft heiße Liebesgeschichte aber verbindet ja Frau Rotkohl und Herrn Mon. Wie da die Erotik in Essen umgesetzt wird mit all den prallen Würstchen auf dem riesigen Tisch, da könnte Herr Taschenbier ja fast neidisch werden.

Frage: Den meisten Eindruck bei weiblichen Zuschauern dürfte wohl Ihre unfreiwillige Tanznummer im Nobellokal schinden. Da wird ja sogar Michael Flatley neidisch, der "Lord Of The Dance".

Ulrich Noethen: Und ich habe sehr hart arbeiten müssen, mich über Monate mit einem Tanzlehrer gequält. Ich gehöre nämlich zu jener Generation von Männern, die sich in der 9. Klasse den obligatorischen Tanzkurs gespart haben, weil der ja "uncool" gewesen wäre. Allerdings habe ich mir jetzt fest vorgenommen, demnächst einen Tango-Kurs zu belegen. Ich finde diesen Tanz ausnehmend erotisch.

Frage: Welche Charakterzüge sind ihnen denn am sympathischsten an Bruno Taschenbier und welche am Sams?

Ulrich Noethen: Taschenbier ist höflich, friedlich und nimmt sich selbst nicht so ernst. Allerdings ist letzteres nicht unbedingt nur positiv. Das Sams dagegen ist die Personifizierung all jener Charakterzüge, die im Vorgang des Erwachsenwerdens domestiziert werden. Das Sams ist der kindliche Teil des Bruno Taschenbier. Und ich habe als Schauspieler in meinem Beruf die große Chance, ab und zu das Sams in mir herauslassen zu dürfen.

Dirk Jasper FilmLexikon
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