Interview mit Ursula Buschhorn
Ein rundum wunderbarer Dreh
Ursula Buschhorn Ursula Buschhorn über den ZDF-Film Wilder Kaiser

Frage: Wilder Kaiser klingt ziemlich aufregend.

Ursula Buschhorn: Aufregend vor allem für ein junges Paar, das die Rübezahl-Alm in Ellmau bewirtschaftet und durch die viele, harte Arbeit zu wenig Zeit füreinander hat. Im modernen Tourismus zu arbeiten, von früh bis spät freundlich zu bleiben, bedeutet zusätzlichen Stress. Dieses Paar steht für viele junge Leute, die - egal ob im Medien-Business oder in wildromantischer Umgebung - viel arbeiten müssen, keine Zeit füreinander haben und damit auch handfeste Beziehungsprobleme bekommen.

Frage: Bekommt man bei solchen Dreharbeiten auch einiges von den Anforderungen des modernen Tourismus mit?

Ursula Buschhorn: Etwas schon. Man hört von Imagepflege, dass jedes Dorf sein Gefüge hat, wohin die Gemeinde will, und was der Bürgermeister sagt, was alles auch Thema in Wilder Kaiser ist, aber für mehr sind die Dreharbeiten einfach zu kurz. Viel gehört habe ich auch durch den echten Rübezahl-Almwirt, bei dem wir hauptsächlich gedreht haben und dessen Leben hier zum Teil in das Drehbuch mit eingeflossen ist.

Frage: Die Rübezahl-Alm und ihr Wirt sind bekannt für besonders gute, selbst gebrannte Schnäpse. Wie haben Sie das überlebt?

Ursula Buschhorn: Nicht unbeschadet, da an diesem netten Menschen einfach kein Vorbeikommen ist. Egal, ob man will oder nicht. Anfangs machen diese Schnäpse ja auch einen sehr milden Eindruck. Mehr als nur einmal habe ich mir am nächsten Tag geschworen, nie mehr den Rübezahlschnaps anzurühren. Aber mehr als eine Woche später saß ich schon wieder da ...

Frage: Wie war die Arbeit mitten in diesen wildromantischen Bergen?

Ursula Buschhorn: Es war rundum ein wunderbarer Dreh. Das lag zum einen an der traumhaften Landschaft; aber vor allem auch an Michael Roll, den ich für einen sehr, sehr guten Kollegen und Schauspieler halte. Und an unserem Regisseur Marco Serafini, ein stets gut gelaunter Mensch, dem es gelingt, im ganzen Team gute Stimmung zu verbreiten.

Frage: Jeder glaubt, Sie sind ein "Nordlicht", das sich nun in die Alpen verirrt hat ...

Ursula Buschhorn: Ich bin kein Nordlicht, ich bin Münchnerin - jedenfalls bin ich dort aufgewachsen und versteh' entsprechend gut bayerisch. Allerdings, wenn die eingefleischten Ellmauer anfangen, untereinander tirolerisch zu reden, dann habe ich doch ziemlich große Probleme. Außerdem habe ich eine starke Beziehung zu den Bergen. Mit meinen Eltern war ich sehr oft Berg steigen, und die Gegend um Ellmau und den Wilden Kaiser gehört praktisch zu meiner Kindheit.

Frage: Die Hüttenwirtin Eva, die Sie spielen, macht ja auch eine Entwicklung durch. Jahrelang zieht sie alles mit durch ...

Ursula Buschhorn: Weil sie ihren Johann liebt. Als sie an seiner Liebe zweifelt, stellt sie die Frage, was das eigentlich für ein Leben ist, das sie zehn Jahre lang geführt hat. Ohne Zeit füreinander, ohne Aussicht auf Urlaub. Sie nimmt eine Auszeit und kehrt, um einiges selbstbewusster, zurück. Und entscheidet, dass der Job, den eigentlich ihr Johann - zusätzlich zur Bergrettung, zur Alm und sonst noch so einigem - auch noch übernehmen sollte, auch etwas für sie wäre: Fremdenverkehrs-Chefin.

Frage: Es gab ja nach Ihrer ersten Serienrolle in "Alle meine Töchter" viele interessante Projekte. Was machen die neuen Pläne?

Ursula Buschhorn: Im Moment habe ich mir den Totalkontrast erlaubt: Vom Wilden Kaiser zur "Küstenwache" an die Ostsee. Dort spiele ich eine Kommissarin und kann mich am Colt probieren. Wichtig für mich ist, dass ich verschiedene Sachen spielen und mich an unterschiedlichen Charakteren erproben kann. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich mich in Serien nicht so lange binden will. Dazu kommt, dass ich noch keine familiären Verpflichtungen habe, ziemlich unabhängig von Zwängen bin.

Dirk Jasper FilmLexikon
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