Interview mit Uschi Glas

"Schauspielerin ist ein sehr schöner, gleichzeitig sehr harter Beruf."

Uschi Glas ist die Hauptdarstellerin der drei TV-Film "Mein Papa ist kein Mörder", "Rache des Herzens" und "60 Minuten Todesangst", die alle bei Sat.1 gesendet werden.

Frage: Betreten Sie mit der Rolle der Staatsanwältin Johanna Hohenberg in den drei Krimis Neuland?

Uschi Glas: Ich habe noch nie eine Staatsanwältin gespielt - das ist das Schöne an unserem Job: Man kann in so viele verschiedene Berufe 'schlüpfen'. Ich habe mich sehr intensiv mit dieser Rolle auseinandergesetzt und bin glücklicherweise auf ein Buch gestoßen, das 'Tagebuch einer Staatsanwältin' heißt. Die Autorin hat in einer sehr humorigen Art beschrieben, was sich da so tut.

Frage: Wie würden Sie Johanna Hohenberg beschreiben?

Uschi Glas: Ein erfolgreicher Staatsanwalt muss tough sein. Ob er im Leben zurechtkommt, ist eine andere Frage, und das ist etwas, was dieser Frau nicht so gut gelingt. Sie musste in ihrem Leben einen großen Schicksalsschlag hinnehmen, den sie geheimhält und verdrängt und über den sie mit niemandem sprechen mag.

Gerade das finde ich spannend, dass du nicht nur den Gerichtssaal und den Fall hast, sondern auch ein Schicksal, das dem Charakter mehr Tiefe gibt. Ihre Stimmungsschwankungen nimmt sie in den Gerichtssaal mit, sie verhält sich eben anders, wenn sie kurz vorher Zoff mit ihrem Bruder hatte. Solche Geschichten brauche ich, damit ich weiß, wie ich so eine Rolle spielen muss.

Frage: Tragen Sie Ihre beruflichen Probleme mit nach Hause?

Uschi Glas: Ich habe da schon seit vielen Jahren einen Trick entwickelt: Ich fahre immer selbst allein zum Set und wieder nach Hause. Auf dem Weg schlüpfe ich dann schon in die Rolle, und nach dem Dreh schminke ich mich ab, ziehe mich um und steige auf dem Nachhauseweg schon langsam aus der Rolle aus. Ich will meine Familie in keiner Weise, weder durch Launen oder Verhalten wie 'Hach, die Mutter muss noch denken', belasten. Ich bin die normale berufstätige Mutter, die abends von der Arbeit nach Hause kommt.

Viele Leute können sich nicht vorstellen, dass man bei dem Beruf nicht irgendwie abgehoben ist. Die denken, wenn ich nach Hause komme, muss ich sofort in die Hollywoodschaukel, ein Glas Champagner schlürfen und Migräne haben. Aber ich lehne jedes Gespinne ab, für mich persönlich sowieso. Schauspielerin ist ein sehr schöner, gleichzeitig sehr harter Beruf, aber eben auch ein Beruf wie fast jeder andere.

Frage: Kommentieren Ihre Kinder Ihre Rollen?

Uschi Glas: Ich hab' immer versucht, es so zu halten, dass meine Kinder nichts von meinen Filmen sehen. Ich finde das einfach blöd, mich abends zu Hause selbst im Fernsehen anzuschauen. Wenn die Kinder noch klein sind, ist das sehr abstrakt für sie und sehr schwierig einzuordnen. Wenn sie größer sind und das sehen wollen, ist es mir eigentlich egal, aber sie haben gar nicht so große Lust dazu.

Ich glaube, das ist ihnen auch nicht so angenehm, die eigene Mutter auf der Mattscheibe zu sehen. Vor kurzem haben sie allerdings einen Uralt-Film von mir gesehen, und den fanden sie dann total abgefahren, das war halt so ein 70er-Jahre-Film. Auch die Schüler hier haben mich darauf angesprochen: 'Mann, das war ja so ein geiler Film!'. Das geht dann, aber bei aktuellen Sachen muss das wirklich nicht sein.

Frage: Sie haben als Filmschauspielerin begonnen, hatten auch eine kurze Karriere als Sängerin, sind dann zum Theater und schließlich zum Fernsehen gekommen. Können Sie sich vorstellen, wieder Theater zu spielen oder einen Film zu machen?

Uschi Glas: Ich würde sofort einen Film drehen, wenn ein wirklich gutes Angebot käme. Ich habe sehr gerne Kinofilme gemacht, aber seit den 70er Jahren ging das ja nicht mehr, weil der deutsche Film darniederlag. Ich kann mir auch vorstellen, wieder Theater zu spielen, aber nur, wenn ich dafür nicht monatelang von zu Hause fort sein müßte. Zuletzt habe ich 1990 auf der Bühne gestanden, aber da war meine Tochter Julia noch so klein, und es hat mir jeden Abend weh getan, wenn ich um 18.30 Uhr aus dem Haus musste.

Frage: Gibt es unter den Rollen, die Sie in der Vergangenheit gespielt haben, eine Lieblingsrolle?

Uschi Glas: Nein, eigentlich bin ich meistens von der Rolle, die ich gerade spiele, begeistert. Aber die 'Anna Maria' habe ich besonders gern gespielt. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich den Entwurf dafür geliefert habe.

Frage: Gibt es eine Traumrolle, die Sie schon immer spielen wollten?

Uschi Glas: Die gibt's in gewisser Weise schon. Eine meiner Traumrollen war die Eliza Doolittle in 'Pygmalion'. Eines Tages traf ich auf der Straße den Intendanten eines Münchner Theaters, und er fragte mich: 'Willst du nicht für uns die Eliza spielen?' Das war einer dieser merkwürdigen Zufälle, die in meinem Leben immer wieder vorkommen.

Ich wußte aber, dass ich den Berliner Dialekt nicht glaubwürdig bringen kann, denn ich bin schließlich Bayerin. Dann haben wir uns aber das Buch im englischen Original angesehen und festgestellt, dass sich das Cockney-Englisch wunderbar ins Bayerische übertragen läßt, und so habe ich dann meine Traumrolle der Eliza mit bayerischem Dialekt gespielt.

Und dann gibt es noch ein Stück, das in Berlin lief: 'Languste', ein Ein-Personen-Stück. Da geht es um eine alte Dame, die ein großes Essen für ihre Freunde plant - und dann kommt keiner. Das Stück hat mich unheimlich bewegt. Das würde ich später gern einmal spielen.

Frage: Familie und Karriere: Haben Sie schon mal gedacht: "Ich schaffe das alles nicht mehr"?

Uschi Glas: Nein, noch nie. Ohne mich jetzt besonders loben zu wollen: Es gibt etwas, das ich richtig gut kann, und das ist organisieren. Wenn ich etwas mache, dann mache ich das hundertprozentig, egal, ob ich ein Hemd bügele oder vor der Kamera stehe.

Uschi Glas. Foto: Sat.1

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