Interview mit Uschi Glas

"Ralf Bauer? Ein sehr leckerer Mann!"

Uschi Glas spielt die Hauptrolle in der deutschen -Fernsehserie Sylvia - Eine Klasse für sich, jeweils Donnerstags um 20.15 Uhr auf Sat.1.

Frage: Wie in der 1. Staffel haben Sie mit den Dreharbeiten zwei Klassen - diesmal eine zwölfte und eine sechste - intensiv durchs Schuljahr begleitet. Kam Ihnen da nie der Gedanke: "Mensch, Lehrerin hätte ich auch werden können?"

Uschi Glas: Ehrlich gesagt, nein. Ich habe zwar selbst Kinder in diesem Alter und pflege einen guten Draht zu Jugendlichen. Aber so gern ich sie habe, so stressig finde ich es heute, einer Meute von 25 und mehr Schülern vorzustehen, sie zur Ordnung zu rufen und ihnen etwas beizubringen. Für den Beruf des Lehrers braucht man viel Begabung und enorm viel Kraft.

Frage: Schauplatz der 2. Staffel war wieder das Oskar-von-Miller-Gymnasium in München. Wie hat das "echte" Lehrer-Kollegium auf Sie reagiert? Werden Sie dort anerkannt?

Uschi Glas: Ja, ich bin denen inzwischen schon sehr vertraut, angefangen vom Direktor bis hin zu den Lehrern. Im dortigen Kollegium gibt es witzigerweise auch einen Herrn Glas. Der begrüßte mich immer besonders freundlich mit 'Hallo, Kollegin!' - wobei ich anfangs dachte, er macht sich einen Spaß daraus. Er hat später mit mir ein Interview für die Schüler-Zeitung gemacht: 'Herr Glas interviewt Frau Glas'. Zum letzten Drehtag in der Schule kam der Direktor mit einem Strauß Blumen und flehte mich an, doch noch eine 3. Staffel zu machen.

Frage: Welches sind die gravierendsten Unterschiede zu Ihrer eigenen Schulzeit?

Uschi Glas: Bei uns hatten die Lehrer mehr Autorität, die durften einfach mehr. Schlagen war nicht ausdrücklich erlaubt, aber in der Volksschule war eine 'Tatze' schon üblich. Lehrer und Eltern hatten damals ein stillschweigendes Abkommen, dass der Lehrer schon irgendwie Recht hat mit seinen Methoden. Heute stellen sich die Eltern schützender vor die Kinder und schieben oft dem Lehrer die Schuld zu - nach dem Motto: 'Schau, wie du zurecht kommst, schließlich bist du der Pädagoge.' Das ist die allgemeine Klage, die ich bei den Lehrern heraushöre.

Frage: Wie geht Sylvia mit ihren Schülern um?

Uschi Glas: Ich habe mich mehr und mehr an einen Lehrer angelehnt, den meine Tochter Julia in der Schule hat. Er hat Autorität, bringt den Kindern etwas bei, ist, wenn es sein musss, streng. Die Kinder wissen: 'Austricksen kannst du den nicht.' Aber er hat auch ein großes Herz für Kinder. Wenn er merkt, da stimmt was nicht, dann geht er dem Problem nach. Wenn ein Schüler in seinen Leistungen abfällt oder ständig müde ist, mischt sich auch Sylvia - Eine Klasse für sich über das normale Maß hinaus ein. Das mag auch mit ihrem nicht besonders ausgeprägtem Privatleben und ihrer nicht so glücklichen Hand mit ihren Partnern zusammenhängen. Aber in der neuen Staffel gibt's da ja wieder einen kleinen Hoffnungs-Schimmer am Horizont...

Frage: Uschi Glas ist als absoluter Familien-Mensch bekannt. Da ist es bemerkenswert, dass Sie sowohl mit Anna Maria als auch mit Sylvia - Eine Klasse für sich Frauen spielen, die sich erstmal allein durchs Leben schlagen - zumal Sie an den Drehbüchern zu Sylvia - Eine Klasse für sich eifrig mitgeschrieben haben.

Uschi Glas: Das ist ja gerade der Witz. Wenn ich höre: 'Die spielt sich immer nur selbst.' Völliger Blödsinn! Ich habe viel Lob als Bankerin bekommen, obwohl ich mich in geschäftlichen Dingen als nicht besonders clever bezeichnen würde. Genauso bei Anna Maria: Ich tauge nicht zum Chef, könnte niemals so viele männliche Mitarbeiter dirigieren, so viel delegieren. Ich mache am liebsten alles selbst.

Frage: Auch in der 2. Staffel gehen Sie zum Teil schwierige Themen an, zum Beispiel den Selbstmord eines Jungen. Wie bringt man diese Themen mit der Familien-Tauglichkeit der Serie zur Primetime in Einklang?

Uschi Glas: Es geht uns nicht um schnelle Sensation, sondern um Nachdenklichkeit und Sensibilität. Wir wollen diese Geschichten ernsthaft aufarbeiten und nicht so schrubbelig dahinerzählen. Gerade am Beispiel dieses Mannes wird deutlich, wie junge Erwachsene in diesem Alter sind: übermütig, emotional und noch nicht so erwachsen, wie viele denken.

Frage: Gegenüber von Sylvias Wohnung befindet sich ein Internet-Café, das als durchgängiges Thema auftaucht. Wie steht es mit Ihren eigenen Internet-Künsten?

Uschi Glas: In dieser Beziehung bin ich schon supercool! Zur Zeit entwerfe ich meine eigene Homepage. Ich will, dass sie witzig und frech aussieht. Dort soll man nicht nur autobiographische Dinge anklicken können, sondern auch kleine Ausschnitte meiner Serien.

Frage: Zu dem Ensemble-Mitglied der 2. Staffel, das neben Ihnen wahrscheinlich am meisten Aufmerksamkeit hervorrufen wird: Ralf Bauer. Seine Rolle war, so hörte man, anfangs gar nicht so groß vorgesehen.

Uschi Glas: Die Rolle wurde größer, als er fest zugesagt hatte - was mich persönlich sehr freute. Ich habe zum ersten Mal mit ihm zusammengespielt und bin total begeistert. Er ist ein supertoller Kollege, am Set wahnsinnig angenehm. Er ist überhaupt sehr präsent und gut aufgelegt. Ein Späßchen ist da immer drin. Abgesehen davon ist er ein sehr leckerer Mann, er sieht klasse aus, hat ein tolle Figur, hat schöne Augen. Kein Wunder, dass er so viele weibliche Fans hat.

Frage: Eine ganz entscheidende Rolle spielt auch Ihr Mann: Er ist Produzent der Serie. Geht es wirklich, das Thema Beruf zu Hause total auszuklammern?

Uschi Glas: Das funktioniert deshalb, weil wir am Set relativ wenig miteinander zu tun haben. Wäre er Regisseur, sähe ich die Sache schon dramatischer. Aber so: Er ist der Geschäftsmann, ich komme aus der künstlerischen Ecke. Da passiert wenig.

Frage: Regie zu der Serie um eine starke Frau führt eine ebenfalls durchsetzungsstarke Frau - Heidi Kranz. Wie beschreiben Sie Ihr besonderes Verständnis untereinander?

Uschi Glas: Heidi kenne ich schon aus früherer Zeit. Sie ist täglich perfekt vorbereitet. Am Set gibt es da wenig DisKusssionen, weil sie mit klaren Vorstellungen zum Drehort kommt. Dadurch sind wir in der Arbeit unglaublich effektiv. Das mag ich, das Drehen macht unglaublichen Spaß. Keinen Spaß macht es mir, wenn verschiedene ungelernte Kräfte da sind - egal in welcher Abteilung: Schauspieler, die ihren Text nicht können, Requisiteure, die ihre Materialien nicht da haben - das gibt Ärger. Aber ein Kompliment an meinen Mann: Der holt sich immer die Besten!

Frage: Welche Zukunftsprojekte realisieren Sie in Sat.1?

Uschi Glas: Es gibt eine lockere Abmachung über vier 90-minütige Movies zu unterschiedlichen Themen. Mehr möchte ich nicht verraten.

Frage: Wäre eine Teilnahme an einer Promiausgabe von "Big Brother" etwas für Sie?

Uschi Glas: Sie meinen, ich im Container? Nie in meinem Leben! Privatleben musss ja irgendwo anfangen. Das Phänomen an sich musss man anerkennen. Aber ich denke schon schwer darüber nach, was alles 'in' sein kann.

Frage: Etwas Seriöses: Wie wäre es mit Uschi Glas als Sozialpolitikerin?

Uschi Glas: Manchmal, wenn ich mich über die Politik ärgere, denke ich: 'Ich mach' das jetzt!' Zu mir hat Franz-Josef Strauß früher schon gesagt: 'Uschi, du mussst unbedingt mal in die Politik gehen.' Das hallt heute noch in meinen Ohren. Aber mal ehrlich: Ein bisschen Politiker geht nicht. Da musss man schon 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche arbeiten. Die Zeit hätte ich nicht. Aber ich werde mich weiterhin immer wieder von außen einmischen - garantiert.

Uschi Glas. Foto: Sat.1

Dirk Jasper FilmLexikon

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