Interview mit Uwe Bohm
Uwe Bohm Interview mit Uwe Bohm, 36, ist Hauptdarsteller in der Serie "Die Drei", donnerstags, 19.15 Uhr, sowie den TV-Filmen "36 Stunden Angst" (27.10.1998, 20.15 Uhr) und "Ich liebe eine Hure" (im November), alle in SAT.1

Uwe Bohm - die Stationen seiner Karriere lesen sich ein bißchen wie ein Reiseführer durch die deutschsprachige Theaterlandschaft: Deutsches Schauspielhaus Hamburg (1982 bis 1987), Burgtheater Wien (1987 bis 1993), Berliner Ensembe (1993 bis 1995). Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Peymann und Zadek. Dazu kommen Kino-Filme wie "Nordsee ist Mordsee" (1975) oder "Yasemin" (1988), Arbeiten für das Fernsehen in Produktionen wie "Der Fahnder" (Dominik Graf, 1983), die SAT.1-Serie "Die Drei" (1995/96) oder jetzt seine neuesten Filme "36 Stunden Angst" und "Ich liebe eine Hure".

Frage: Sie spielen in dem SAT.1-Thriller "36 Stunden Angst" den korrupten Hauptkommissar Rüdiger Martens.

Uwe Bohm: Stimmt und stimmt nicht. Der Mann ist zwar korrupt, aber ihn darauf zu reduzieren, wäre falsch. Für mich ist Rüdiger Martens zuerst einmal ein Mensch mit guten und schlechten Seiten. Durch seine Position als Kommissar ist er während des gesamten Films ein Sympathieträger. Gleichzeitig aber werden die Zuschauer mit jeder Minute stärker gezwungen, an diesem Kriminalhauptkommissar die dunklen Seiten zu entdecken. Ein Prozeß, der ständig Spannung in den Köpfen der Zuschauer auslöst.

Frage: Aber es wird doch schon nach wenigen Minuten klar, dass mit diesem Hauptkommissar Martens etwas nicht stimmen kann.

Uwe Bohm: Klar. Aber die Frage ist doch: Was stimmt nicht an diesem Mann, der kraftvoll und durchaus kompetent ist. Die Person Martens zeigt Brüche, Widersprüche. Nur so wird eine Figur interessant. Nach diesem Prinzip haben Regisseur Jörg Grünler und Ulrich Mühe z. B. auch die Figur des Entführers Rudolph sehr spannend gestaltet. Ein Mann, der einen Jungen in seine Gewalt bringt, um die Herausgabe von 600.000 Mark zu erpressen. Der zugleich aber auch ein Mann ist, der mit diesem Jungen eine wunder-bare intensive Beziehung aufbaut.

Frage: Wie bereiten Sie sich auf eine solche Rolle vor?

Uwe Bohm: Ich suche Herausforderungen. Nach dem Lesen des Drehbuches versuche ich sofort herauszubekommen, wie die Figur, die ich spielen soll, sprechen und handeln würde. So bekommt sie für mich Facetten, einen Charakter. Im nächsten Schritt muss ich mir über die weiteren Figuren des Films klar werden. Kurz vor Drehbeginn treffen sich die Schauspieler mit dem Regisseur. Hier bringt jeder seine Ideen und Phantasien ein. Das Ergebnis ist dann für mich ein Spannungsbogen in meiner Figur, den ich im Laufe der Dreharbeiten zu erfüllen versuche.

Frage: Das klingt mehr nach Arbeit auf einer Bühne, als nach TV-Alltag.

Uwe Bohm: Ich kann gar nicht sagen, dass für mich Theater erste Wahl und Fernsehen die zweite Wahl ist. Regisseure wie Jörg Grünler, mit dem ich schon bei '36 Stunden Angst' zusammengearbeitet habe, oder Ernst Josef Lauscher, mit dem ich zur Zeit für SAT.1 den Film 'Ich liebe eine Hure' in Berlin drehe, haben große Qualität. Sie arbeiten präzise, verstehen es, Gefühle aus den Schauspielern hervorzuholen - hervorragende Regisseure.

Frage: Sie erwähnen den Film "Ich liebe eine Hure". Der Titel klingt nach einem Film aus dem Milieu.

Uwe Bohm: Ist es aber nicht. Im Zentrum der Geschichte steht die Liebe zwischen dem geschiedenen Bankangestellten Martin Korthe und der jungen, schönen Edelnutte Lissy (Alexandra Kamp). Sie geht in der Kleinstadt, in der Martin lebt, der Prostitution nach. Martin hat sich nach seiner Scheidung auf den Weg gemacht, sie anders kennenzulernen. Lissy ist die Frau, die er will. Wird er sie bekommen, obwohl sie sich immer wieder in die Rolle der professionellen Prostituierten versetzt? Und falls ja, kann ein solches Paar in einer Kleinstadt, in der viele Männer Lissy aus dem Bordell kennen, leben? Eine spannende Geschichte.

Frage: Uwe Bohm als korrupter Hauptkommissar, Uwe Bohm als geschiedener Mann, der eine Hure liebt - in welchen Rollen werden wir Sie weiter sehen?

Uwe Bohm: In vielen, hoffe ich, wenn die Angebote kommen. Denn ich spiele einfach gern. Was das Theater betrifft: Am 12. Dezember 1998 werde ich neben Susanne Lothar und Ulrich Mühe in einer Inszenierung von Peter Zadek Premiere an den Kammerspielen in Hamburg haben. Das Stück heißt 'Cleansed - Gesäubert' und ist von Sarah Kane. Eine Arbeit, auf die ich mich sehr freue.

Frage: Eine Rückkehr zum Theater?

Uwe Bohm: Ja und nein. Ich komme vom Kinofilm und habe mich nach 13 Theater-Jahren entschieden, auch für das Fernsehen zu arbeiten. Was mir großen Spaß bringt."

Dirk Jasper FilmLexikon
© 1998 Sat.1 © 1994 - 2010 Dirk Jasper