Interview mit Uwe Ochsenknecht

"Bei Helmut Dietl wird nicht lange erarbeitet. Er weiß genau was er will."

Uwe Ochsenknecht ist Hauptdarsteller in dem Helmut Dietl-Film Vom Suchen und Finden der Liebe.

Frage: Wie haben Sie sich Ihre Figur erarbeitet?

Uwe Ochsenknecht: Bei Helmut Dietl wird nicht lange erarbeitet. Er weiß genau was er will. Und zwar so klar und deutlich, dass man "nur" noch spielen muss. Natürlich hat es mich am Anfang etwas geärgert, dass zum großen Teil Helmut Dietl einfach die besseren Ideen hatte, bestimmte Situationen auf bestimmte Art und Weise zu spielen. Man hat ja einen gewissen Anspruch an sich selbst.

Aber die Vision Helmut Dietls darzustellen, empfinde ich als Bereicherung, indem er Türen der Art der Darstellung öffnet, die mir sonst verschlossen geblieben wären. Eine weitere Farbe, die man in die weitere Arbeit an Rollen einfließen lassen kann. Ich arbeite gern mit Regisseuren, die genau wissen, was sie wollen.

Frage: Sie haben als einziger im Team bereits mit Helmut Dietl gedreht, "Schtonk!", vor über zehn Jahren.

Uwe Ochsenknecht: Ich hab ihm während der Dreharbeiten auch öfter "vorgeworfen", dass er mich 12 Jahre lang nicht besetzt hat. Mittlerweile hat er wohl eingesehen, dass das ein Fehler war ... Er hat einen guten Humor, den ich sehr mag, und wir kommen beide vom Theater, das verbindet.

Frage: Was war Ihr Ansporn, die Rolle anzunehmen?

Uwe Ochsenknecht: Die Konstellation mit den anderen Schauspielern war interessant, aber vor allem die Geschichte: richtig fettes, deutsches und dann auch noch Helmut Dietl-Kino! Eine Liebestragödie auf sehr emotionale und poetische Art erzählt, mit wunderschönen Bildern.

Frage: Wovon handelt der Film, aus Ihrer Sicht?

Uwe Ochsenknecht: Es ist ein Film über eine Liebe, die größer ist als der Tod. Ein bisschen Märchen ist dabei und es ist tragisch und komisch wie die Liebe selbst. Helmut Dietl hat sich auf seine Art in Filmen immer mit der Liebe beschäftigt. Und jetzt ist die Zeit reif für ein großes Liebesdrama aus deutschen Landen, schön fett auf der Leinwand, mit Herzschmerz, Drama, Musik. Also das ganze Paket.

Frage: Es geht auch um Männerfreundschaft ...

Uwe Ochsenknecht: Theo versucht, seinem Freund Mimi mit Rat und Tat unter die Arme zu greifen, das gehört zu einer Männerfreundschaft. Er ist ehrlich, er gebraucht so deutliche Worte wie: ?Du hast doch immer unter ihrer intellektuellen Insuffizienz gelitten'. Selten nur sagen sich Männer wirklich mal die Wahrheit, dazu sind sie viel zu sehr in irgendwelche Ehrenkodizes verstrickt.

Aber: Es ist leichter, dem anderen schlaue Tipps zu geben, statt sie bei sich selbst anzuwenden. Die Ratschläge, die Theo seinem Freund gibt, sollte er für sein eigenes Leben beherzigen.

Frage: Warum klappt die Erotik mit der Schäferin, nicht mit der eigenen Frau?

Uwe Ochsenknecht: Wir haben doch alle Sehnsüchte oder Träume von romantischen Flirts, die mit dem eigenen Partner nicht immer gerade dann gelingen, wenn man's braucht. Die Schäferhütte, nur von Tieren und Natur umgeben, man muss keine Termine zum Vögeln machen - das scheint verlockend und offenbart, dass mehr im Argen liegt, als Theo selbst wahrhaben will. Das zeigt die Not, in der er sich befindet. Ich könnte keine neue Liebe anfangen, ohne eine alte richtig abgeschlossen zu haben, geschweige denn zu flüchten.

Frage: Die ménage à trois erscheint als ideale Lösung aus dem erotischen Konflikt ...

Uwe Ochsenknecht: Aber sie klappt am Ende ja doch nicht. Das haben wir ja schon aus der Hippiezeit, den so genannten "Wilden 60ern" gelernt, dass das nicht funktioniert. Es gibt z. B. die Eifersucht. Dann müssen alle Diskussionen doppelt geführt werden usw. Das alles ist sehr kompliziert.

Frage: Wie war das Zusammenspiel mit Ihrer Partnerin Anke Engelke?

Uwe Ochsenknecht: Sehr, sehr gut. Anke Engelke zeigt hier, dass sie Rollen darstellen kann, die nichts mit "Comedy" zu tun haben. Natürlich hat sie eine komische Ader und wir liegen da so ziemlich auf der selben Wellenlänge. Wir mussten uns oft zurückhalten, um beim Drehen von unseren Lachtrips wieder runter zu kommen.

Außerdem ist es von Vorteil, wenn man mit einer Partnerin so intime Szenen zu spielen hat, dass man es nicht mit so einer untalentierten, abgefuckten Zicke, von denen es in dem Job nicht wenige gibt, zu tun hat.

Frage: Sie stehen ja für die komische Seite, das komische Paar. Wie wichtig ist Witz?

Uwe Ochsenknecht: Humor hilft in den meisten Lebenslagen. So tragisch etwas auf der einen Seite ist, so komisch ist es oft auf der anderen Seite. Humor ist übrigens ebenfalls die Basis der griechischen Tragödie.

Uwe Ochsenknecht

Dirk Jasper FilmLexikon

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