Interview mit Uwe Ochsenknecht

"Der Mensch ist das misslungenste Experiment der Evolution."

Uwe Ochsenknecht spielt eine der Hauptrollen in der Kino-Tragikomödie Die Bluthochzeit.

Frage: Sie spielen Franz Berger, Restaurantbesitzer und Spitzenkoch - was kann man noch über ihn sagen?

Uwe Ochsenknecht: Er hat sehr viele Sorgen im Moment, seine Frau hat ihn verlassen, was er nicht verkraftet hat, und er hat einen Kredit aufgenommen, um diesen Landgasthof aufzubauen. Seine jungen Mitarbeiter reden sehr freundlich von ihm, sie sagen, es ist zwar unser Chef, aber auch ein Freund.

Und dann kommt dieser Walzer dazwischen, dem die halbe Eifel gehört, und ärgert sich, weil er mein Grundstück nicht bekommt von mir. So ein Mann kann dafür sorgen, dass der Laden nicht läuft. Berger befindet sich also in einer Zwickmühle, aber er hat auch seinen Stolz und sagt, ich lasse mich nicht tyrannisieren.

Frage: Empfinden Sie Sympathie für die Figur, können Sie nachvollziehen, was er tut?

Uwe Ochsenknecht: Walzer ist der Aggressor, aber Berger ist auch nicht ohne, denn er nimmt zwei Geiseln. Für die Rolle muss ich das tun, aber privat finde ich das bescheuert. So entstehen letztendlich Kriege.

Frage: Grundlage für die Geschichte ist ein Comic, der weit blutrünstiger ist als das Drehbuch zum Film. Wie hat Ihnen der Comic gefallen?

Uwe Ochsenknecht: Was im Comic passiert, war für den Regisseur und mich ein bisschen zu primitiv, ein bisschen zu splattermäßig. Ich bin sehr froh darüber, dass das im Film nicht der Fall ist.

Frage: Wie kann man das Genre beschreiben - ist es ein Drama oder eine schwarze Komödie?

Uwe Ochsenknecht: Es hat von allem etwas, es hat lustige Momente, es hat Thriller-Elemente, es ist sehr emotional, weil tragisch. Ich finde die Mischung sehr gut.

Frage: Der Film ist eine internationale Produktion, es gibt belgische Schauspieler, und der Regisseur ist Belgier. Bei den Dreharbeiten wird teilweise Englisch, teilweise Deutsch, teilweise Flämisch gesprochen. Wie ist das für Sie?

Uwe Ochsenknecht: Seit meiner Kindheit kann ich ganz gut Englisch, und ich kann auch fließend Holländisch, weil ich da eine Zeit lang gelebt habe. Mit Französisch könnte ich im Notfall sogar auch noch ein bisschen angeben. Mit dem Deutsch hapert es noch ein wenig, aber ich habe da Hoffnung. Das alles ist für mich nicht so ungewohnt.

Frage: Der Film thematisiert unter anderem die Abgründe menschlichen Verhaltens. Wie sehen Sie das menschliche Miteinander, wie wichtig ist Ihnen Toleranz?

Uwe Ochsenknecht: Von der Spezies Mensch halte ich nicht allzu viel, ich finde sie ziemlich unterentwickelt. Ich mag den Spruch ganz gern, dass der Mensch das misslungenste Experiment der Evolution ist. Alle anderen Lebewesen funktionieren ihrer Art entsprechend, nur der Mensch hat zuviel Hirn abbekommen und richtet damit nur Unheil an.

Wir haben gelernt, Atome zu spalten und bauen damit eine Bombe, dabei könnte man produktivere Sachen damit machen, und in vielen anderen Bereichen ist es dasselbe in Grün. In uns allen schlummern noch mehr oder weniger animalische Urinstinkte. Das kann man im Alltag sehr gut beobachten. Manchmal höre ich im Flugzeug oder im Bus Kommentare über andere Menschen, die abfällig und von Hass erfüllt sind, wegen Kleinigkeiten.

Und man entdeckt, dass man sich anstecken lässt, wenn man nicht bewusst darüber nachdenkt, wie man sich verhält. Das ist alles sehr traurig. Ein Chinese hat einmal gesagt: Das Leben ist einfach, nur der Mensch macht es kompliziert.

Frage: Also steckt in dem Film mehr Wahrheit, als man auf den ersten Blick meinen könnte, oder?

Uwe Ochsenknecht: Wenn jemand wegen fünf Euro umgebracht wird oder jemand zusammengeschlagen wird, weil auf seinem T-Shirt etwas Falsches steht, dann ist das im Grunde genommen genau das Gleiche. In größeren Dimensionen gedacht, werden Kriege immer aus reinen Gründen der Macht geführt. Das ist alles das gleiche Prinzip wie hier im Film.

Uwe Ochsenknecht
Filmplakat

Dirk Jasper FilmLexikon

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