Interview mit Veronica Ferres
Veronica Ferres Veronica Ferres spielt die Hauptrolle in Das Superweib

Frage: Was war das für ein Gefühl, die Hauptrolle bekommen zu haben?

Veronica Ferres: Als ich nach den Probeaufnahmen erfahren habe, dass ich die Rolle kriege, da brach erst einmal alles auf mich herein. Auf der einen Seite habe ich mich immer danach gesehnt, eine Titelrolle und solche Verwandlungen zu spielen und nach dem Schwierigkeitsgrad, den so eine Rolle hat. Auf der anderen Seite kamen dann auch die Ängste. Ich habe wieder angefangen zu reiten und bin täglich zwei Stunden ins Fitneß-Studio gegangen. Ich habe einfach dafür gesorgt, dass ich eine große Kondition bekam. dass es mir gut ging, dass ich mich voll einlassen konnte und genug Freiraum hatte.

Frage: Was ist das Besondere an dieser Rolle?

Veronica Ferres: So tolle, vielschichtige Frauenrollen gibt es sehr selten. Die Franziska, das ist ja nicht nur eine Rolle, sondern viele Rollen. Es gibt Rückblicke aus verschiedenen Perspektiven. Da hat man als Schauspielerin eine unglaubliche Freiheit. Das hat wahnsinnig Spaß gemacht. Ich hätte ewig weiterdrehen können, so sehr hat mich diese Arbeit erfüllt.

Frage: Wie würden Sie Franziska beschreiben?

Veronica Ferres: Das Interessante an Franziska ist: sie wird nicht hart. Obwohl sie mit einem Mann verheiratet ist, der sie eigentlich zynisch machen müßte. Das ist auch eine Botschaft im Leben. Sie hat eine Selbstdistanz und Ironie und ich hoffe, dass sie liebenswert rüberkommt. Weil sie etwas von sich hergibt.

Frage: Gibt es Parallelen zwischen Franziska Herr und Veronica Ferres?

Veronica Ferres: Die Neugier auf Menschen und das Leben. Wie oft ich mir dabei schon die Finger verbrannt habe ... Aber das lasse ich mir nicht nehmen. Ich will Menschen gegenüber offen bleiben. Okay, man wird auch enttäuscht, aber ich will niemals zynisch werden. Und ich gebe keinem das Recht, mich hart zu machen. Das ist mir zu wertvoll. Das ist eine Lebensqualität und ein Lebensgefühl, das ich niemandem gestatte, mir zu nehmen.

Frage: Wie fühlt man sie nach so einer intensiven Arbeit bei Drehschluß?

Veronica Ferres: Das Loslassen der Figuren ist ein schmerzlicher Prozeß. Wie die Trennung von Menschen, mit denen monatelang von morgens bis abends gelebt hat. Es tut weh zu wissen, dass man nichts mehr verändern kann, dass alles gedreht ist. Ich träume oft nachts davon, das hätte ich so oder so machen sollen. Ich spiele oft in der Nacht alles neu. Ich drehe also eigentlich rund um die Uhr. dass ich während der Dreharbeiten zu "Das Superweib" ständig die Muster sehenurfte, hat mir viel Kraft gegeben. Überhaupt habe ich mich in diesem Team außerordentlich geborgen, aufgehoben und geliebt gefühlt.

Frage: Welches Verhältnis haben Sie zur Komik im Film?

Veronica Ferres: In der TV-Serie "Unser Lehrer Dr. Specht" habe ich einem Massenpublikum gezeigt, dass ich komisch sein kann. Das war für mich auch eine der Herausforderungen dabei. Denn Komik ist schwerer als Tragik. Da geht es um jeden Punkt, jedes Komma. Das sind Dialoge, die muss man ganz genau so lernen wie sie geschrieben sind. Sonst hat man keine Chance, dass es komisch wird. Und das ist eine Gratwanderung. Komik erfordert eine grazile Arbeit, es kommt auf den Augenaufschlag an, auf pointierteste Nuancierungen, das ist wahnsinnig schwer. Anfangen zu weinen, große Monologe halten, tragisch sein, das kann jeder Schauspieler. Aber komisch sein, ständig so einen Schalk im Nacken zu haben und sich immer auf diesem schmalen Grat zu befinden, das ist hohe Konzentration und harte Arbeit. Es ist ein ungeheurer Anreiz. Wenn ich gute Texte habe, bin ich im Film gerne komisch. Privat bin ich eher ein ernster Mensch. Ich mache mir über zu viele Dinge ständig Gedanken. Das ist mein Problem. Große Komiker sind als Persönlichkeit eher traurige Menschen. Du musst dich bei Komik in jeder Sekunde voll unter Kontrolle haben und gleichzeitig loslassen.

Frage: Warum haben Sie "Unser Lehrer Dr. Specht" nicht weitergemacht?

Veronica Ferres: Meine Figur Anita Kufalt war der komische rote Faden. Nach drei Staffeln habe ich mich aber dagegen entschieden. Ich möchte mich nicht festlegen lassen auf diese Rolle der komischen, verzweifelt Liebenden. Ich habe damit was gezeigt, was angekratzt. Und war dann neugierig auf etwas anderes.

Frage: Sie kommen vom Theater. Ist Bühnenerfahrung eine Hilfe bei der Filmarbeit?

Veronica Ferres: Ich denke ja. Ich habe mit 18 angefangen, bin nach München und habe Theaterwissenschaft studiert. Sehr bald habe ich dann Theaterrollen übernommen. Wobei die Produktion der "Geierwally" eine große Bedeutung für mich hatte. Ich bin dem Regisseur solange auf die Nerven gegangen, dass er irgendwann ein Vorsprechen mit mir gemacht hat - und dann habe ich dieses Stück 333 Mal ensuite gespielt. Über ein Jahr, jeden Tag - nur montags hatten wir frei. Da habe ich viel gelernt. Es ist ein Kraftakt, jeden Abend dreieinhalb Stunden auf der Bühne zu stehen. Versuchen, sich nicht zu wiederholen, sich nicht vor einem selbst zu langweilen, den anderen jeden Tag neu zuzuhören. Da habe ich viel gelernt, auch an Härte mir selbst gegenüber.

Frage: Nach dem Das Superweib haben Sie erst einmal eine kleine Pause eingelegt ...

Veronica Ferres: Von den Angeboten her hätte ich übergangslos weitermachen können, was mir auch geholfen hätte, nicht in so ein tiefes Loch zu fallen. Aber ich musste erst begreifen, was ich hier gemacht hatte. Ich musste Franziska erst wieder loswerden. Früher habe ich mich von einer Rolle in die nächste gestürzt und irgendwann kriegt man keine Luft mehr. Vor dem Das Superweib hatte ich Gabriel Baryllis "Honigmond" gemacht, auch eine Hauptrolle. Und für Sat.1 in einem 90-Minüter eine Behinderte gespielt, was mich von der Rolle sehr gereizt hat. Das sind in diesem Jahr "nur" drei Rollen. Aber jeder Drehtag braucht einen Tag Vorbereitung. Die Wochen, in denen du mit der Kostümbildnerin durch die Stadt rennst, die Proben, das Textlernen - auch das kostet Energie. Ich habe gelernt, meine Zeit genau einzuteilen, sonst schafft man es nicht. Man muss total entlastet sein, es darf nichts anderes als die Rolle geben. Man muss obsessiv sein, wenn m Schauspielerin ist, für mich der schönste Beruf der Welt!

Herzlichen Dank für das Gespräch, Veronica Ferres!

Dirk Jasper FilmLexikon
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