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Der studierte Anglist, Psychologe und Philosoph Wes Craven gehört zu jener Handvoll wagemutiger Regisseure, die das Genre des modernen Horrorfilms entscheidend definiert haben.
Obwohl der in Cleveland geborene Wes Craven etliche wegweisende Beiträge zum modernen Horrorgenre abgeliefert hat, führte ihn sein Berufsweg zunächst in völlig andere Richtungen. Der streng baptistisch erzogene Wes Craven hatte nämlich ursprünglich nicht viel mit Film im Sinn. Und so arbeitete er nach seinem Studienabschluss als Sozialkunde-Dozent an der 'John Hopkins University' in Baltimore. Nachdem er durch einen mit Studenten realisierten Amateurfilm Blut geleckt hatte, ging er nach New York, besuchte eine Dokumentarfilm-Schule und hielt sich mit Taxifahren über Wasser. Die Begegnung mit seinem Freund und Kollegen Sean S. Cunningham (der später den Klassiker 'Freitag der 13.' inszenieren sollte) kann als Geburtsstunde des modernen Slasherfilms angesehen werden. Wes Craven und Sean S. Cunningham wurden "partners in crime", produzierten den pseudo-dokumentarischen Pornofilm Together und finanzierten so gemeinsam Das letzte Haus links. Es dauerte allerdings fünf weitere Jahre bis Wes Craven einen weiteren Meilenstein des Genres ablieferte: Hügel der blutigen Augen geriet zu einem zynischen, schonungslosen Meisterwerk, das - ähnlich wie Tobe Hoopers Film 'Texas Chainsaw Massacre' - an der heiligen Institution der US-Familie kratzte. Schon in seiner zweiten Regie-Arbeit sind Wes Cravens stets wieder kehrenden Motive und sein visueller Stil deutlich zu erkennen, besonders wiederum die allgegenwärtige, unterschwellig herrschende Aggressivität, die sich in drastischen und blutigen Gewalt-Eruptionen entädt. Im Jahr 1984 schließlich revolutionierte Wes Cravens Klassiker Nighmare - Mörderische Träume das Genre und bescherte ihm gleichzeitig einen der populärsten Horror-Helden aller Zeiten: Wes Cravens Bösewicht Freddy Krueger wurde zu Ikone der Popkultur in den achtziger Jahren. Darüber hinaus wurde das gruselige Leinwand-Spiel zwischen Traum und Realität zu einem solchen kommerziellen Erfolg, dass es nicht weniger als sechs Fortsetzungen nach sich zog. Wes Craven selbst setzte 1994 zum zehnjährigen Jubiläum seiner Kopfgeburt mit Freddy's New Nighmare einen Schlussstrich unter die Serie. Neben seiner Arbeit fürs Kino inszenierte Wes Craven immer wieder TV-Filme und TV-Serien, unter anderem etliche Episoden der legendären Twilight Zone (Regie der Episoden Shatterday, A Little Peace And Quiet, Wordplay, Chameleon, Dealer's Choice, Her Pilgrim Soul, The Road Less Travelled, außerdem war er Darsteller in der Episode Children's Zoo), dann inszenierte er noch den neo-gothischen Grusler Tödlicher Segen und Teile der Freddy-Krueger-Serie Nightmare Cafe. In all den Jahren seines Filmschaffens haben sich weder Wes Cravens Themen noch seine Vorliebe für kleine Independent-Produktionen verändert. Unter ihre Oberfläche sind seine Filme immer noch zynische Bestandsaufnahmen ihrer Zeit und ihrer Gesellschaft, brechen gesellschaftliche Tabus und stellen die US-Werte wie die heile Familie oder den idyllischen Vorstadt-Frieden nachdrücklich in Fragen. In Scream - Schrei! erweist Wes Craven seinem Lieblings-Genre eine ebenso horrible wie elegante Reverenz und spielt auf virtuose und originelle Weise mit den Genre-Regeln, die er selbst aufgestellt hat. Dies macht Scream - Schrei! nicht nur zu einem schrecklich schönen Fest für Genre-Kenner, sondern vor allem zu einem ambtionierten, Nerven zerreißenden Kino-Lehrstück über das Grauen. Filmografie
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