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Woody Allen stand in seiner bisherigen Karriere in zahllosen Filmen vor der Kamera, schrieb das Drehbuch, führte Regie oder füllte alle drei Funktionen gleichzeitig aus.
Es gibt nichts, was man schon immer über ihn wissen wollte und bisher nicht zu fragen wagte. Denn alles ist schon vielfach beantwortet worden - aus berufenem Munde in den autorisierten Büchern und Interviews oder ungefragt und aus trüben Informationsgewässern gefischt von der Boulevard-Presse. Sein im Laufe der Jahre zunehmender Widerwille gegen Publicity und Veröffentlichung von Privatem hat das Interesse der Medien und den Wissensdrang des Publikums nur noch mehr geschürt. Seine Lebensdaten sind allgemein bekannt: Am 1. Dezember 1935 in Brooklyn als Kind jüdischer Eltern geboren, gibt er im Alter von 17 Jahren seinen Namen Allen Stewart Konigsberg auf und nennt sich nur noch Woody Allen. Legendär ist Woody Allens Misserfolg in seinem ersten und letzten Semester als Student der 'New York University' 1953; dabei handelte es sich um einen Kurs in 'Motion Picture Production'. Ganz ohne akademische Bildung macht der kaum 20-jährige eine steile Karriere als Gagschreiber fürs Fernsehen. Sein Talent bringt ihm sogar eine 'Emmy'-Nominierung ein. In der Rückschau betrachtete Woody Allen seinen Wunsch, nur ja allen gefallen und erfolgreich sein zu wollen, aber mit Scham und Abscheu: Für ihn war das damals purer Opportunismus und "feeding the monster", ein Füttern des Monsters Unterhaltungsindustrie. Er begann seine Karriere als Komiker für Bühnen- und Fernsehshows: 1960 tritt Woody Allen zum ersten Mal als stand-up comedian in einem New Yorker Club auf, hat in den folgenden Jahren immer mehr Fernsehauftritte und veröffentlicht drei Bücher mit komischen Prosatexten. Dieser Popularität verdankte er 1965 sein erstes Filmengagement als Autor und Darsteller in Clive Donners Komödie Was gibt's Neues, Pussy?, und bereits ein Jahr später führt er (fast) selber Regie bei What's Up, Tiger Lily?, der frechen, ironischen Bearbeitung eines billigen japanischen Action-Films à la James Bond. Sein "richtiges" Debüt als seriöser Komödienregisseur gibt er 1969 mit Woody, der Unglücksrabe, mit dem er den Leinwandhelden des ersten Teils seiner Filmkarriere einführt: einen sympathischen, leicht vertrottelten, linkischen Großstadtbewohner, der meist ohne Erfolg der Anerkennung der Gesellschaft im allgemeinen und der Frauen im besonderen hinterherjagt. In seiner politischen Satire Bananas stellt Woody Allen 1971 dieses Image jedoch schon wieder spielerisch auf den Kopf, wenn er den einfachen New Yorker Werbetexter (den er selbst spielt) zum Diktator einer Bananenrepublik ausrufen lässt. Der Episodenfilm Was Sie schon immer über Sex wissen wollten ... ist sein persönlicher, ironischer Beitrag zur Sex- und Aufklärungswelle der frühen siebziger Jahre, in dem er unter anderem als Schauspieler eindrucksvoll vorführt, wie einsam und allein sich eine Samenzelle vor der Ejakulation fühlen kann. Der Film wurde 1972 zum Dauerbrenner in den Nachtvorstellungen der Kinos. Einen Wendepunkt in seiner Karriere markiert 1977 Woody Allens bis dahin größter künstlerischer Erfolg Der Stadtneurotiker. Annie Hall, so der Originaltitel und der Name der weiblichen Hauptfigur, ist vielleicht der einzige Film überhaupt, bei dem der deutsche Titel nicht nur treffend ist, sondern sogar sprichwörtlich wurde - nicht nur für den damals neuen, lebensnahen Woody Allen-Charakter, einen intelligenten, jüdischen, sich in Selbstzweifeln zernagenden, neurotischen Großstadtbewohner, sondern für einen überall auf der Welt anzutreffenden modernen Menschentypus und dessen Lebensweise. Als man Woody Allen im fernen, ungeliebten Hollywood (auch ein Thema des Films) persönlich zwei Oscars für die beste Regie und das beste Drehbuch überreichen wollte, zog dieser es vor, wie jeden Montag mit seinem 'New Orleans Funeral and Ragtime Orchestra' in 'Michael's Club' in Manhattan auf der Klarinette Dixieland zu spielen. Woody Allen ließ und lässt sich nicht vom Glitzer- und Glamour-Zirkus der Filmwelt vereinnahmen. Fast seit Jahrzehnten arbeitet er mit denselben Leuten zusammen und achtet immer darauf, dass seine Filmbudgets so gering bleiben, dass ihm auch nach kommerziellen Flops nicht die künstlerische Kontrolle aus der Hand genommen werden kann. Bei Woody Allen müssen Publikum und Kritik immer auf Überraschungen gefasst sein. So schockierte er beide Lager direkt nach dem unterhaltsamen Der Stadtneurotiker mit dem tiefschwarzen existentialistischen Seelendrama Innenleben (1978), Woody Allens ganz ernsthafter Hommage an sein Idol Ingmar Bergman, verwöhnte sie dann ein Jahr später mit der musikalischen, wunderbar melancholischen Liebeserklärung an seine Stadt, Manhattan, um sofort danach in Stardust Memories< in anspruchsvoller cineastischer Form gleichzeitig offen und verschlüsselt seine ganze Arbeit zur Disposition zu stellen. Auch dieser Film ist eine Hommage: ein individuelles Remake des Films 'Achteinhalb', in dem Federico Fellini 1962 seine eigene Schaffenskrise verfilmt hatte. Viele US-Kritiker nahmen Woody Allen seinen Narzismus sowie die Rigorosität und Aggressivität übel, mit der dieser hier seine Fans charakterisiert und als Protagonisten im Film auch behandelt. Obwohl Stardust Memories auch in Europa kein Kassenschlager wurde, gab es hier fast nur Beifall und Verständnis für dieses melancholische Selbstportrait des Filmregisseurs als Künstler. Bullets Over Broadway aus dem Jahr 1994 gehört mit Broadway Danny Rose (1984) und The Purple Rose of Cairo (1985) zu den Filmen, in denen Woody Allen auf ebenso bissige wie liebevolle Weise Milieus und Lebensräume beschreibt, die er selbst am Anfang seiner Karriere als Entertainer von innen studieren konnte: das ebenso farbige, lebendige wie gnadenlose und intrigante Geschäft mit der Unterhaltung. Woody Allen ist der Meister der Logik, so konsequent, dass, wenn er sich einmal in ein Thema verbissen hat, sich die Sätze und Gedanken unabhängig machen von dem, der da spricht und denkt. Die Logik, die er dabei entwickelt, ist Schwindel erregend, mit einem Hang zum Selbstmörderischen. "Wisst ihr, ich werde mich umbringen. Ja, genau, ich sollte nach Paris fliegen und vom Eiffelturm springen. Dann wär ich tot. Wisst ihr, wenn ich noch die Concorde kriege, könnte ich drei Stunden früher tot sein, das wäre perfekt. Oder wartet mal. Mit der Zeitverschiebung könnte ich noch sechs Stunden in New York am Leben sein, aber schon drei Stunden tot in Paris. Ich könnte noch was erledigen und schon tot sein." Inzwischen über 25 Filme als Drehbuchschreiber und Regisseur, eine Unzahl Erzählungen, Stücke, Kolumnen, eine kleine Karriere nebenbei als Jazzmusiker, denn die Musik hat immer eine große Rolle gespielt in seinem Leben, seinem Werk. Sie hat den Rhythmus vorgegeben in dem die intellektuellen Wortkaskaden zu sprudeln begannen, jenes leicht gehetzte Holterdipolter der Assoziationen und Gedanken. "Denken Sie nur", sagt sein Filmpartner Alan Alda, "an die Gershwin-Musik am Anfang von Manhattan, und wie kräftig man da schon in eine andere Welt transportiert wurde, bevor irgendeiner eine Zeile Dialog gesagt hatte ..." Nicht vom Wort geht der Cineast Woody Allen aus, sondern von der Musik, von der Choreographie der Körper, ihren Zuckungen und nervösen Ticks. Kein Wunder, dass er gern mit den selben Leuten zusammen arbeitet, bei Ausstattung, Choreographie, Kamera. In solcher Familienatmosphäre werden auch die schlimmsten Katastrophen filmreif gemeistert - und zur Darstellung gebracht. Eine große Bilanz oder gar ein Schlusswort wird über Woody Allen so schnell nicht geschrieben werden, dafür sind seine Kreativität und Produktivität viel zu groß. Insgesamt wurde Woody Allen bisher rund 20 Mal für den Oscar nominiert, dreimal gewann er ihn. Oscars
Filmografie
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