Interview mit Alexej Petrenko
"Der Drehort war wie ein wunderbares Irrenhaus!"
Frage: Nikita Mikhalkov sagte, er hätte am liebsten den General Radlov selbst gespielt - war das eine Belastung für Sie?

Alexej Petrenko: Nein, eher hilfreich. Dadurch hatte er von dieser Rolle besonders präzise Vorstellungen, die er mir sehr früh vermitteln konnte. Vielleicht kennt er sich mit Befehlshabern deswegen so gut aus, weil er ein eigenes Filmstudio leitet - da ist zwangsläufig auch eine gewisse Nähe zur Diktatur.

Aber Mikhalkov ist vor allem auch ein Multitalent als Künstler. Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor in einer Person. Dadurch wird dieser Diktator zum geduldigen und toleranten Menschen, kein Schauspieler findet bessere Unterstützung als bei ihm. Ich verneige mich tief vor seiner bemerkenswerten Professionalität.

Frage: Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle in Der Barbier von Sibirien vorbereitet?

Alexej Petrenko: Neben den Vorbereitungsgesprächen mit dem Regisseur war das recht einfach. Zuerst übersetzte ich den englischen Text in kyrillische Buchstaben und lernte meine Rolle so beim Niederschreiben - ein bisschen wie in der Schule. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich ein Schüler war, der kaum was anderes gemacht hat, als Sachen aufzuschreiben.

Frage: Was war für Sie die größte Schwierigkeit bei den Dreharbeiten zu Der Barbier von Sibirien?

Alexej Petrenko: Der Umstand, dass ich mir täglich die Einmaligkeit dieser filmischen Unternehmung klar machte, die sich niemals wiederholen würde. Der Drehort war wie ein wunderbares Irrenhaus, in dem die wildesten Aktionen erlaubt und sogar unterstützt wurden!

Das beinhaltete Dinge wie Tauchen in einen zugefrorenen See bei minus 30 Grad Celsius oder das Spielen mit einem gebrochen Arm, als wäre nichts geschehen. Oder einen echten Bären im Arm halten, Glas bei den vielen Wodkas zerbeißen, oder singen, während man vortäuschen soll, dass man nicht singen kann, eine Liebeserklärung abgeben oder Kadetten bei der Inspektion zusammenbrüllen.

Wir durften alles ausprobieren! Mit Nikita zu drehen ist immer ein Heidenspaß. Wenn man etwas falsch macht, wird man nicht gescholten, sondern alle fangen an zu lachen. Und Nikita lacht am lautesten. Sie können sich vorstellen, wie schwer es uns allen fiel, voneinander Abschied zu nehmen.


Dezember 2000. Quelle: Arthaus. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich.
Alexej Petrenko. Foto: Arthaus
Alexej Petrenko
Großformatiges Foto

Alexej Petrenko spielt in dem Kino-Drama Der Barbier von Sibirien die Rolle des General Radlov.

Der Film startet am 21. Dezember 2000 in den deutschen Kinos.




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