Interview mit Amanda Plummer
"Ich bin fest der Meinung, dass Gebäude subtile Turbulenzen vermitteln."
Frage: 7 Days To Live unterscheidet sich sehr von Gruselfilmen wie Scream. War das ein Faktor, der Sie neugierig auf dieses Projekt gemacht hat?

Amanda Plummer: Das war sicher ein Faktor, aber es war nur ein kleines Stückchen vom Kuchen. Ich liebe Suspense-Filme, surrealen Horror, die Horrorfilme von Dario Argento, Mario Bava und natürlich die Hammer-Klassiker.

Oh, und mein Lieblingsgruselfilm ist "Bis das Blut gefriert" von Robert Wise - den schaue ich mir ungefähr alle drei Monate an. Also habe ich die besten Voraussetzungen für das Genre. Und als 7 Days To Live daherkam und ich mich mit Sebastian Niemann und Simon Happ traf, war ich ziemlich aufgeregt.

Ich liebe es, auf Tuchfühlung mit der Kamera zu gehen, und Filme wie 7 Days To Live leben davon, dass man stark mit der Kamera und den anderen Schauspielern kommuniziert.

Scream gehört zu jenen Filmen, bei denen man wegen der Schockeffekte aus dem Kinosessel springt. Allerdings: Wenn ich zu oft aus meinem Sessel springe, kann ich mich nicht mit der Psychologie der Figuren beschäftigen. Und die Angst hat keine Chance, in den Körper des Zuschauers zu kriechen.

Frage: Was fasziniert Sie denn so an Gruselfilmen?

Amanda Plummer: Sie berühren das Hirn ebenso wie das Herz. Sie regen die Vorstellungskraft des Zuschauers an und können Adrenalin in seine Adern pumpen. Es ist manchmal fast eine spirituelle Erfahrung, einen solchen Film zu sehen.

In "Ekel" von Roman Polanski beispielsweise kann man sich sehr gut mit dem Horror, der Freude und der Absurdität des Lebens identifizieren. Darüber hinaus entführen Gruselfilme die Zuschauer immer wieder in andere Bereiche der Existenz, die jenseits dessen liegen, was sie täglich beobachten.

Wenn ein Horrorfilm gut gemacht ist, dann ist er ein Stück Kunst. Und im besten Falle ist er gleichzeitig erschreckend und erleuchtend, weil er eine Bestätigung von Leben und Tod ist.

Frage: Haben Sie die Visionen und der Enthusiasmus des Regisseurs Sebastian Niemann und des Producers Simon Happ mitgerissen?

Amanda Plummer: Allerdings. Gott sei Dank sind sie noch so begeistert bei der Sache, in dieser Hinsicht ist es bei uns ein bißchen eng geworden. In den letzten 15 Jahren oder so hat der Enthusiasmus der Filmemacher meiner Meinung nach arg nachgelassen. Geld spielt für die meisten die Hauptrolle, und die Studios müssen immer ein Wörtchen mitreden.

Mittlerweile tut sich in den USA wieder etwas, aber ich bin immer wieder überrascht, mit welcher Inspiration und Kreativität europäische Filmemacher arbeiten.

Frage: Wie sind Sie denn überhaupt an das Projekt gekommen?

Amanda Plummer: Ich habe Sebastian und Simon in einem Café in London getroffen und habe sie auf Anhieb geliebt. Es war irgendwie ein Wink des Schicksals, dass wir zur gleichen Zeit in der Stadt waren. Es war ihr letzter Tag, und ich wollte noch zwei oder drei Tage bleiben ... für mich war das ein gutes Omen.

Sie waren von ihrem Projekt begeistert und wussten genau, was sie wollten. Und bei diesem ersten Treffen ist mir bereits klar geworden, dass die beiden sehr viel Wert auf Teamwork legen. Wir haben alle sehr intensiv an dem Film gearbeitet, und das war für mich eine tolle Erfahrung.

Frage: Die Ellen in 7 Days To Live ist längst nicht so bizarr wie viele andere Figuren, die Sie gespielt haben. Wie würden Sie sie beschreiben?

Amanda Plummer: Sie ist eine Frau, die eigentlich alle Fenster schließen, sie mit schwarzen Vorhängen abdunkeln und eine Woche lang weinen möchte. Aber trotz ihrer Trauer will sie stark sein, um ihrem Mann Stärke zu geben. Und sie ist misstrauisch geworden. Sie misstraut der Liebe, sie misstraut sich selbst. Sie misstraut ihren Gefühlen, weil sie sie in eine falsche Richtung geführt haben.

Weil sie jetzt einen klaren Kopf behalten und so rational handeln will, ignoriert sie ihre Emotionen, und merkt irgendwann, dass sie ihren Verstand zu verlieren scheint.

Frage: War es für Sie schwierig, sich in Ellens Psyche hinein zu denken?

Amanda Plummer: Ja und nein. Natürlich ahnt man, wie sich jemand fühlen muss, der gerade einen geliebten Menschen verloren hat und jetzt mit allen Mitteln seine Familie retten will. Aber man kann die wahren Gefühle einer solchen Frau nie wirklich begreifen.

Als Schauspielerin habe ich versucht, mich mit den Gedanken zu befassen, die Ellen durch den Kopf gehen müssen. Aber wenn so etwas schreckliches passiert, gibt es, glaube ich, nur einen Gedanken: Warum? Warum? Ich versteh's nicht. Warum?

Frage: Was für einen Einfluss hat das Haus in 7 Days To Live auf die Menschen, die in ihm wohnen?

Amanda Plummer: Einen sehr starken Einfluss. Ich bin fest der Meinung, dass Gebäude subtile Turbulenzen vermitteln. Wenn man ein fremdes Haus betritt und ein beklemmendes Gefühl hat oder sich die Stimmung hebt.

Ein befreundetes Paar ist in ein Haus gezogen, in dem hin und wieder Gegenstände aus heiterem Himmel umgefallen sind. Nach ein paar Monaten haben sie eine Stimme gehört und eines Tages haben sie tatsächlich den schemenhaften Umriss eines Menschen in ihrem Haus gesehen. Sie haben geforscht und Ermittlungen angestellt und herausgefunden, dass vor Jahren ein Kind in diesem Haus ums Leben gekommen ist.

Eine Zeitlang haben sie mit diesen Erscheinungen, mit dem toten Kind gelebt, aber mittlerweile sind sie aus diesem Haus ausgezogen.

Frage: Man hat Sie noch nie in einem Hollywood-Blockbuster gesehen. Suchen Sie sich absichtlich nur die kleinen, ambitionierten Independent-Filme aus?

Amanda Plummer: Oh ja, ich habe einmal in einem großen Studiofilm mitgespielt, und das war eine ziemlich deprimierende Erfahrung. Alles geht nur ums Geschäft, und es gibt viel zuviele Köche, die den Brei verderben. Man versucht, alle Risiken zu eliminieren, aber ich bin der Ansicht, dass es geradezu lebensnotwendig ist, Risiken einzugehen.

Wenn der Regisseur die totale kreative Kontrolle über seinen Film hat, ist das natürlich eine andere Geschichte. "Der König der Fischer" zum Beispiel - dieser Film war brillant geschrieben, und Terry Gilliam war ein exzellenter Regisseur.

Ich suche immer nach der Kombination aus einer tollen Geschichte, einem tollen Regisseur und einem tollen Team - das der Regisseur natürlich zusammenstellt, wenn er wirklich toll ist!

Frage: Wie alt waren Sie, als Sie Ihren ersten Horrorfilm gesehen haben?

Amanda Plummer: Der erste, der einen nachhaltigen Eindruck auf mich hinterlassen hat, war definitiv "The Haunting". Damals musss ich so ungefähr dreizehn gewesen sein.

Das Mysteriöse, das dein Leben verändern kann, die Atmosphäre, die verschiedenen Level, auf denen der Film funktioniert - Musik, Story, Schnitt ... irgendwie ist dein ganzer Körper mit einbezogen. Das hat mich schon als Kind an solchen Filmen fasziniert.

Amanda Plummer. Foto: Senator Film

Amanda Plummer ist die Hauptdarstellerin in dem Horrorfilm 7 Days To Live.

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Quelle: Senator Film © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken