Interview mit Andrea Kiewel
"Ich wusste immer, mein Zuhause ist das Sat.1-Frühstücksfernsehen."
Frage: Du gehörst ja seit einigen Wochen wieder zum SAT.1-Frühstücksteam. Was war das für ein Gefühl nach einem Jahr zurückzukommen?

Andrea Kiewel: Ein tolles. Ich hatte vorher schon Manschetten: Wie wird der erste Morgen? Wie werden mich die Kollegen aufnehmen? Was sagen die Zuschauer? Wie wird das Aufstehen sein? Es war so schön, als wäre ich nie weggewesen!

Die Kollegen haben sich gefreut, es herrschte schon immer eine herzliche Familienatmosphäre. Die Reaktion der Zuschauer war sehr freundlich und fröhlich, es tut gut, wenn man merkt, die haben dich nicht vergessen. Das Aufstehen fällt mir viel leichter jetzt.

Meine Familie ist in München geblieben, und ich habe wirklich die Zeit nach der Sendung für mich. Ich kann einkaufen, Sport treiben oder schlafen - ohne Druck, und ich kann abends um 21.00 Uhr ins Bett gehen. Früher war ich nur chronisch müde, das ist nun vorbei.

An meinem letzten Tag war die ganze Redaktion voller roter Rosen, überall, im Studio, auf den Gängen und im Büro. Es war furchtbar traurig, aber ich wusste irgendwie, ich komme wieder. Es gab ja eigentlich keinen Grund zu gehen, aber das Angebot von PRO7 war einfach toll.

Ich wusste immer, mein Zuhause ist das Sat.1-Frühstücksfernsehen.

Frage: Wie hat Helga reagiert?

Andrea Kiewel: Na ja, ich kam ja gleich mit einem dicken Hundekeks an, da hat sie sich natürlich gefreut, aber ich weiß nicht, ob sie mich wiedererkannt hat. Auf jeden Fall hat Helga mir die Angst vor Hunden genommen.

Weil sie immer da war und man mit ihr so schön 'rumkuscheln konnte, habe ich gemerkt, die beißen ja doch nicht alle. Das war der Grund dafür, mir selbst einen Hund anzuschaffen. Ja, und seit einiger Zeit haben wir einen Golden Retriever.

Frage: Wie bringst du München und Berlin unter einen Hut?

Andrea Kiewel: Wir sind vor einem Jahr komplett umgezogen. Ich wohne zur Zeit im Hotel, fliege sonntags nach Berlin und zische freitags nach der Sendung wieder ab. München bleibt Hauptwohnsitz, weil mein Sohn Max gerade dort ins Gymnasium eingeschult worden ist, und ich kann ihn nicht schon wieder umschulen. Das wäre dann innerhalb von vier Jahren der vierte Schulwechsel!

Wir fühlen uns dort sehr wohl, haben uns prima eingelebt. Natürlich habe ich Heimweh, wir telefonieren am Tag etwa 20mal, aber es klappt.

Frage: Wie ist es, als Berlinerin in der eigenen Stadt im Hotel zu wohnen?

Andrea Kiewel: Komisch. Wenn ich jetzt in Berlin bin, frage ich mich, wie ich hier so lange leben konnte. Wenn man einmal in Bayern ist, spürt man ein anderes Lebensgefühl, alles ist behüteter, auch gemütlicher. Aber es ist eine gute Synthese in Berlin zu arbeiten und in Bayern zu wohnen.

Frage: Die Zuschauer sind glücklich, dich in Sat.1 wiederzuhaben - das zeigen die vielen Faxe, die der Zuschauerservice bekommen hat. Allerdings kritisieren manche deine Frisur und dein Outfit. Wie nimmst du solch eine Kritik auf?

Andrea Kiewel: Egal ist mir das nicht, wenn Zuschauer sagen 'Frau Kiewel müsste sich mal frisieren oder etwas anderes anziehen', wobei ja Mode immer Geschmackssache ist. Ich halte mich schon sehr an die Sat.1-Garderobe. Wenn es um bestimmte Blusen geht, die mir, aber den Zuschauern nicht gefallen, gut, dann ziehe ich das nächste Mal einen Blazer drüber.

Tja und die Haare? Da habe ich lange mit mir gerungen, und erst als mein heißgeliebter Redaktionsleiter sagte: 'So jetzt musst du sie abschneiden lassen', bin ich gegangen. Jede Frau träumt ja davon, lange Haare zu haben - ich also auch - aber jetzt finde ich es okay. Nur - jetzt kommen genausoviele Faxe wie vorher.

Ich denke, wenn man sein Gesicht 'raushält, muss man auch damit leben, dass den Leuten deine Nase nicht gefällt. Es macht mir keine schlechte Laune, aber ich versuche dann doch am nächsten Morgen, ein bisschen mehr zu kämmen.

Frage: Bekommst du Fanpost?

Andrea Kiewel: Ja, auch ein Heiratsantrag war dabei. Und zwar von einem Inder, der in Frankfurt an der Oder lebte und geschrieben hat, dass wir beide zusammengehören. Aber das ist inzwischen auch schon drei Jahre her. Ich habe nicht geantwortet, weil ich ja vergeben bin.

Frage: An wen?

Andrea Kiewel: Ich habe seit sechs Jahren einen festen Freund, den ich heiß und innig liebe. Deshalb ist ein anderer Mann in meinem Leben gar kein Thema.

Frage: Wie wird man eigentlich damit fertig, wenn ein Format wie Deine PRO7-Sendung "Talk X" floppt?

Andrea Kiewel: Damals war es echt bitter, und ich hatte auch mehrere Wochen richtigen Kummer. Nach vier Wochen kam ja schon das Aus, dabei hatte ich gedacht, in den nächsten zwei, drei Jahren weißt du, wo du lebst und was passiert. Wir sind ja extra umgezogen, und dann war alles vorbei!

Heute bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob die Sendung funktioniert hätte. Wir hatten den Anspruch, eine Art Wissenschaftsfernsehen zu machen, heute glaube ich, das wollen die Leute nicht sehen. Und ich denke heute auch, dass Esoterik nicht funktioniert.

Ich war vier Wochen völlig von der Rolle und war dann mit meiner besten Freundin Kati eine Woche lang in New York - sie hat mich wieder aufgebaut. Sie hat mir auch klar gemacht, dass ich erstmal in Ruhe überlegen soll, wie es weitergeht. Das hat dann geholfen.

Als das Angebot von Sat.1 kam, sah ich wieder ein Licht am Ende des Tunnels. Ich habe von niemandem Häme zu spüren bekommen, alle waren solidarisch und nett.

Andrea Kiewel. Foto: Sat.1

Andrea Kiewel, 32, ist Moderatorin bei Deutschland heute morgen, dem Frühstücksfernsehen von Sat.1, Montag bis Freitag AB 5.30 Uhr.


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Quelle: Sat.1. Das Interview führte Anke Tollkühn. © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken