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Interview mit Andrea Sawatzki "Diese Atmosphäre hat sehr aggressiv gemacht. Es war wie auf einem Pulverfass." |
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Frage: Sie
haben sich die Videos vom Originalexperiment angeschaut, wie sehen
Sie die in Beziehung zum Film?
Andrea Sawatzki: Es ist immer sehr leicht zu sagen, dass man in ähnlicher Situation seine Mitmenschen nicht quälen und seine Macht nicht zu sehr ausnutzen würde. Meiner Meinung nach kann man nie wirklich sicher sein, sich unter Kontrolle zu haben, wenn man die Gelegenheit bekommt, über andere Menschen zu herrschen.
Beim Originalexperiment haben sich die Leute etwa einen Monat später wieder getroffen. Da haben die Gefangenen gefragt: ?Wieso hast du mich so gequält?' Da sah man, dass die Wärter plötzlich wieder durchschnittliche Menschen waren. Das war richtig unheimlich, das war wirklich nur innerhalb des Rollenspiels, dass sie so ausgetickt sind. Bei der Gegenüberstellung waren sie plötzlich wieder ganz harmlos. Frage: Was hat Sie an diesem Projekt gereizt? Andrea Sawatzki: Ich war sofort völlig begeistert. Ein derartiges Thema kam im deutschen Film noch nicht vor, und ich bin sehr gespannt, wie die Leute darauf reagieren werden. Ich denke, dass es sehr viele DisKusssionen geben wird - je ambivalenter, desto besser. Frage: Die Situation am Drehort war ja schon sehr extrem. Wie haben Sie das empfunden? Andrea Sawatzki: Diese Atmosphäre hat einen sehr aggressiv gemacht. Es war wie auf einem Pulverfass, und man hatte oft das Gefühl, man müsse mal wieder an die frische Luft. Für den Film war das natürlich sehr gut: Die Spannung, die sich da aufgebaut hat, spürt man eben auch. Frage: Bei den Dreharbeiten haben viele das Projekt mit "Big Brother" verglichen. Andrea Sawatzki: Für mich ist "Big Brother" reiner Voyeurismus. Ich finde es erschreckend, dass da Menschen eingesperrt werden, und dass Leute vor dem Fernseher sitzen und sich das anschauen. Das ist doch grauenhaft, das ist doch völliger Verfall, anderen beim Pinkeln und beim Streiten zu zuschauen. Bei unserem Projekt geht es darum, etwas zu erforschen, etwas über den Menschen herauszufinden. Diesen Vorgang beschreibt der Film, gelinde gesagt, als äußerst fragwürdig und ist dabei in seiner Umsetzung weder voyeuristisch noch spekulativ. Frage: Wie haben Sie die Arbeitsweise von Oliver Hirschbiegel empfunden? Andrea Sawatzki: Wenn man bedenkt, wie viele Leute er ständig im Auge haben mussste, dann ist das schon sehr beeindruckend, wie er dabei die Ruhe behalten hat. Das hat sich auf das ganze Team ausgewirkt. Es gab eine unglaubliche Konzentration auf das Wesentliche. |
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