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Interview mit Anica Dobra "Leben bedeutet für mich Bewegung, Fortschritt, Zukunft, Weitersehen, Weitergucken und sich weiterentwickeln." |
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Frage: In
"Weekend mit Leiche" spielen Sie eine Vierfachrolle: Susi, Pia,
Susi als Pia und Pia als Susi. Gab es morgens beim Aufstehen
Identitätsprobleme?
Anica Dobra: Das nicht. Aber die ersten Drehtage waren für mich wirklich nur chaotisch, und ich musste mich sehr konzentrieren, um zu kapieren, was ich da jetzt mache und wen ich da jetzt spiele. Theoretisch kann man sich wirklich vieles ausdenken, aber wenn es dann soweit ist ...
Frage: Welche Figur steht Ihnen privat näher, Susi oder Pia? Anica Dobra: Weder noch. Aber Susi ist mir sympathischer. Sie ist die Naive, die Gutmütige, die Ambitionen hat, nach oben zu kommen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Zuerst ist sie eine stille Frau an der Seite ihres Freundes, ab Mitte des Films entwickelt sich dann ihr persönlicher und beruflicher Ehrgeiz. So gesehen ist sie mir viel näher, und ich spiele sie auch lieber. Aber: Ohne Pia ist Susi nicht Susi und umgekehrt. Frage: Das Drehbuch ist bei einer solchen Konstellation sehr wichtig. Was macht generell für Sie ein gutes Drehbuch aus? Anica Dobra: Vor Jahren hatte ich noch die Illusion es zu wissen. Aber mittlerweile glaube ich, dass Film so eine Magie hat, für die es eigentlich keine Regeln gibt. Klar, dramaturgisch muss alles stimmen, das ist selbstverständlich. Trotzdem entscheide ich häufig immer noch instinktiv. Oft kann ich aus dem Bauch heraus sagen, ob daraus etwas werden kann oder nicht. Frage: Zu Ihrer Person. Viele tun sich schwer damit, Sie zu charakterisieren. Anica Dobra: Die Schwierigkeit kommt auch daher, dass man meistens nur kurz mit Journalisten redet. Andererseits möchte ich mein professionelles Leben wirklich von dem trennen, was ich privat bin. Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: 'Ja, ich habe mich selbst in der Rolle gefunden, oder die Rolle hat sehr viel von mir.' Nein, ich bin schließlich Profi, und das ist mein Job. Ich sage vielmehr: 'Ich will alles spielen.' Insofern widerstrebt es mir, mich zu charakterisieren. Etwas kann ich aber sagen: Veränderung macht mir Spaß! Das heißt: Wenn ich heute so bin, muss ich in zehn Jahren nicht genauso sein. Leben bedeutet für mich Bewegung, Fortschritt, Zukunft, Weitersehen, Weitergucken und sich weiterentwickeln. Frage: In dem Film geht es um Verwechslungen. Sind Sie auch schon einmal mit jemandem verwechselt worden, sehen Sie jemandem ähnlich? Anica Dobra: Nein. Man hat mich immer gefragt: 'Sind Sie die neue BB oder Hanna Schygulla?' Da habe ich aus Trotz geantwortet: 'Nein, die neue Pippi Langstrumpf'. Wenn ich mit der verwechselt werde, das gefällt mir. Frage: Sie sind selbst als Teenager mit Ihren Eltern von Jugoslawien nach Deutschland gezogen - damals hatte Ihre Mutter berufliche Gründe. Können Sie Susis und Toms Wunsch verstehen, alles stehen und liegen zu lassen? Anica Dobra: Ich kann das verstehen, aber ich weiß nicht, ob ich selbst bereit dazu wäre, so etwas zu tun. Ich bin in anderen Dingen extrem. Frage: Susis und Toms Traumland ist Amerika. Was ist Ihr Traumland? Anica Dobra: Das Amiland wäre nichts für mich. Die Leute sind mir zu hysterisch und zu euphorisch. Ich mag Europa. Aber die Frage, wo ich mich wohlfühle, hat bei mir nur ganz wenig mit dem Ort zu tun, sondern mit den Menschen, die mich umkreisen. Insofern könnte ich überall gleich gut funktionieren, Hauptsache, ich habe meine Liebsten um mich herum. Und das ist dann meine Basis, mein Ausgangspunkt und meine Heimat. Frage: Pia ist Masochistin und baut Rollenspiele in ihr Sexleben ein. Sind solche Praktiken für Sie reizvoll oder eher amüsant? Anica Dobra: In der Hinsicht lasse ich andere Leute wirklich in Ruhe. Es ist einfach gut, dass wir so etwas im Film haben. Solche Szenen zu drehen, ist allerdings gar nicht so leicht. Sie müssen komisch sein, aber man soll sich nicht totlachen - und es darf nicht peinlich werden. Die Szenen müssen viel Seele haben, viel Wärme, auch viel Naivität. Ein wirklich guter Partner, der auch Witz hat, ist sehr wichtig, damit es funktioniert. Frage: Da kommt Ihnen sicher entgegen, dass Sie Oliver Korritke, mit dem Sie die Szenen drehten, schon kannten ... Anica Dobra: Ja, sicher. Und Uwe Ochsenknecht kenne ich auch. Das ist mein dritter Film mit Uwe Ochsenknecht und mein dritter Film mit Oliver Korritke. Außerdem hatte ich Glück mit Sven Severin, er ist ein wirklich guter Beobachter. Frage: Sie haben sich selbst einmal als "Macho-Frau" bezeichnet, Uwe Ochsenknecht wird gemeinhin als "Macho-Mann" gesehen. Wie ist es, wenn Sie beide aufeinanderprallen? Anica Dobra: Es stimmt, ich habe mich als 'Macho-Frau' bezeichnet, aber ich möchte das gern erklären. Ich wurde gefragt: Was sind Softies? Nicht die Taschentücher, sondern die Typen. Ich dachte, falls es diese Aufteilung überhaupt gibt, dann bin ich bestimmt eine 'Macho-Frau'. Das verfolgt mich jetzt die ganzen Jahre. Grundsätzlich finde ich: Schauspieler müssen Machos sein - sowohl Frauen als auch Männer. Die Arbeit ist so hart, da muss man einfach klar im Kopf sein. Es ist easy mit Uwe, wir sind auf der gleichen Welle und können sehr gut zusammenarbeiten. Frage: Sie haben Ihre Schauspielausbildung in Belgrad absolviert. Was haben Sie dort gelernt, was man in Deutschland nicht lernt? Anica Dobra: So kann man das nicht sagen. Das Schulsystem ist etwas anders. Es ist eine richtige Akademie: Das bedeutet, zwei Jahre ist man fast wie in einem Internat, also von früh morgens bis spät abends auf der Schule. Insofern würde ich sagen, ist die Grundausbildung wirklich sehr gut. Aber ich lerne immer, und ich arbeite wirklich gern in Deutschland, weil ich hier einfach sehr gut funktionieren kann. Ich weiß nicht warum, aber es tut mir gut. Frage: Wie oft sind Sie noch in Belgrad, und was tun Sie dann vor allem? Anica Dobra: Ich habe mich zwar vor zwei Jahren beurlauben lassen, aber ich bin immer noch fest an einem Theater engagiert - am 'Atelier 212' in Belgrad, einem sehr bekannten Theater. Frage: Sie vollziehen eine Art Wanderung zwischen zwei Welten: Hier der lukrativere deutschsprachige Markt, dort die Heimat, in der sie jetzt schon ein Star sind. Worin liegen die Hauptunterschiede? Anica Dobra: In der Arbeit gibt es keine Unterschiede - außer Geldmangel. In der Zwischenzeit hatten wir Krieg, es ist klar, dass man die Auswirkungen spürt, auch die ökonomischen. Es ist einfach kein Geld für die Kultur da - das war und ist der einzige Unterschied, auch vor dem Krieg. In Jugoslawien werden ebenso gute Filme gedreht. Die Probleme sind jetzt andere: Die Sprache - und, dass so wenig produziert wird. Denn die internationalen Festivals sind die einzige Chance groß 'rauszukommen. Aber ich brauche mein Theater, es zieht mich magisch an. Frage: Das heißt, Sie wollen auch weiterhin diese Wanderung beibehalten? Anica Dobra: Ja, denn sie hilft mir auch als Künstlerin: Die andere Mentalität, die andere Denkweise. Ich fühle mich privilegiert, sowohl in Deutschland als auch zu Hause arbeiten zu können, und das würde ich mir nicht so leicht nehmen lassen. Frage: Wie sieht es mit Zukunftsprojekten aus? Anica Dobra: In diesem Jahr sind zwei größere Projekte im Kino zu sehen: Im Herbst läuft Doris Dörries neuer Film Bin ich schön? an, uns seit August läuft Mark Rothemunds Kinofilm Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit. Von beiden erwarte ich sehr viel. |
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