Interview mit Anke Greifeneder
"Letztlich ist es immer eine Mischung aus Erlebtem und Phantasie!"
Frage: In "Heute, morgen und für immer" verliebt sich Protagonistin Clara auf Anhieb in Valentin. Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?

Anke Greifeneder: Ich glaube an Anziehung auf den ersten Blick. Ob Liebe daraus wird, zeigt dann meistens die Zeit. Genauso kenne ich aber auch die Liebe auf den zweiten Blick. Ein festes Schema, wann und wie man sich verliebt, gibt es also nicht.

Frage: Nicht nur Ihr neuer Roman, sondern auch Ihre vorherigen vier Bücher drehen sich allesamt um das meist komplizierte Thema Liebe. Lassen Sie sich von Geschichten aus Ihrem privaten Umfeld inspirieren?

Anke Greifeneder: Auf jeden Fall. Ich höre gerne zu, beobachte viel und bekomme so natürlich auch Inspirationen. Es ist leichter über Situationen zu schreiben, die man selbst erlebt oder mitbekommen hat. Natürlich gilt das aber nicht für alles. Letztlich ist es immer eine Mischung aus Erlebtem und Phantasie.

Wenn ich mich an Geschichten aus meinem Umfeld anlehne, frage ich aber vorher um Erlaubnis und lasse die Person vor Erscheinen meinen Text gegenlesen.

Frage: Sie sind Programmdirektorin für Turner Broadcasting und deshalb häufig auf dem roten Teppich zu sehen. Sind Sie schon einmal in eine ähnlich unangenehme Situation geraten wie Pianistin Clara, die mit neu gefärbten Augenbrauen à la Theo Waigel auf die Konzertbühne muss?

Anke Greifeneder: Man trifft mich öfter auf meinem Sofa oder mit Freunden beim Kochen an als auf dem roten Teppich. Aber ja, ich hatte schon solche Momente. Einmal trug ich ein Kleid, das zuhause vor dem Spiegel wirklich gut und vorteilhaft aussah. Als ich aber hinterher das Foto abgedruckt sah, habe ich mir sofort eine Diät verordnet.

Das andere Mal kam ich aus dem Wanderurlaub zurück und ließ mich von meinen zwei männlichen Begleitern überreden, direkt auf eine Veranstaltung mitzugehen, obwohl ich komplett unpassend angezogen war. Natürlich hatte ich nicht damit gerechnet abgelichtet zu werden, was dann aber geschah, weil ich neben einem Schauspielfreund stand.

Und so sah man mich auf dem Foto eben im Wanderlook, der als Krönung noch mein weißes Unterhemd durchblitzen ließ. Ich nehme solche Situationen nach der ersten Schrecksekunde aber mit Humor und lache einfach darüber. Man darf sich selber einfach nicht zu ernst nehmen.

Frage: Was wäre schlimmer für Sie: ein "kosmetischer Fauxpas" oder das gleiche Kleid, das Sie tragen, auch an einer anderen Frau zu sehen?

Anke Greifeneder: Das gleiche Kleid fände ich eher lustig. Da ich nicht stutenbissig bin, hätte ich damit kein Problem und würde der anderen Frau eher zum guten Geschmack gratulieren oder fragen, wie viel sie dafür bezahlt hat. Oder einfach mit ihr den ganzen Abend Arm in Arm zusammen verbringen, so als sei es geplant gewesen.

Mit 16 Jahren war Partnerlook mit der besten Freundin ja auch durchaus in ? zumindest in der Kleinstadt aus der ich stamme.

Apropos ?kosmetischer Fauxpas?: das mit den schwarzen Augenbrauen ist mir selber passiert. Und zwar genau wie in meinem Roman beschrieben. Ich bin ja blond und die Kosmetikerin hatte mir, bevor ich überhaupt protestieren konnte, zwei fette schwarze Balken ins Gesicht gezaubert. Wohlgemerkt ungefragt! Das fand ich natürlich nicht lustig.

Frage: Wie wichtig ist Ihnen Ihr Aussehen und Mode im Allgemeinen?

Anke Greifeneder: Wichtig in dem Sinne, dass ich mich wohlfühlen will. Ich mache zum Schutz meiner Umwelt bewusst auch nicht jeden Trend mit. Einen Minirock wird man mit meinen Beinen nicht erleben. Aber ich bin schon auf dem Laufenden, was angesagt ist und kaufe dann auch die Stücke, die mir davon gefallen.

Aber ich gehöre nicht zu den Frauen, die sich nicht ungeschminkt zum Müllwegbringen vor die Tür trauen und habe auch kein Problem damit, mich abends oder im Urlaub auch mal in Jogginghose und mit Uggs zu zeigen.

Generell achte ich also auf mein Aussehen, aber eben im gesunden Maße. Eitelkeit ist ja auch oft humorlos. Viele Fashionistas wirken auch eher als ob sie zum Lachen in den Keller gehen. Vielleicht haben die aber auch einfach zu lange nichts gegessen.

Frage: Clara ist um die 30 Jahre jung. Was macht die Zeit zwischen 30 und 40 Jahren bei uns Frauen so besonders?

Anke Greifeneder: Das ist eine Zeit in der viele Weichen gestellt werden: Sowohl im Beruf als auch beim Thema Kinder/Familie. In der Zeit tickt die biologische Uhr am lautesten und zwingt uns Frauen dazu, sich Gedanken zum eigenen Lebensentwurf mit oder ohne Kinder machen zu müssen.

Außerdem werden wir Frauen in dieser Zeit selbstbewusster. Nicht nur, weil wir uns besser kennen und mittlerweile genau wissen, was wir wollen, sondern weil wir auch finanziell unabhängiger sind.

Frage: Wie finden Sie bei Ihrem sehr zeitintensiven Job die Zeit Romane zu schreiben?

Anke Greifeneder: Schreiben ist für mich Entspannung. Das Eintauchen in eine andere Welt, in einen Schreibfluss zu geraten, Figuren zu erschaffen, die einen fesseln, zum Lachen und Mitfiebern bringen, ist eine schöne Beschäftigung. Außerdem fallen bei meinen Romanen zeitintensive Recherchen weg.

Meistens schreibe ich also am Wochenende, im Urlaub oder abends. Keine Angst, ich geh aber auch noch vor die Tür und sitze nicht stundenlang vor dem Laptop.

Frage: Ihr Erzählton ist wunderbar locker-leicht. Fällt Ihnen das Schreiben denn ebenso leicht?

Anke Greifeneder: Meistens ja. Natürlich gibt es auch Tage, da hat das Schreiben zuerst mit Disziplin zu tun. Natürlich kann ich nicht immer darauf warten, dass mich die Muse küsst, aber meistens geht es mir doch eher leicht von der Hand. Schreiben macht mir einfach viel Freude.

Frage: Nun zur letzten Frage: Sat1 hat Ihren Roman "Flaschendrehen" u. a. mit Janin Reinhardt in der Hauptrolle verfilmt. Haben Sie den Film schon gesehen und hat er Ihnen gefallen?

Anke Greifeneder: Ich durfte ihn vorab schauen und finde ihn sehr gelungen. Natürlich funktioniert ein Film anders als ein Buch und einige Szenen mussten dementsprechend verändert werden, aber er ist sehr lustig geworden und hat nicht nur komische Momente sondern auch sehr romantische.

Kai Schuhmann, der auch Medi aus Doctor's Diary spielt, ist einfach zum Dahinschmelzen. Aber auch Gretchen (Janin Reinhardt) und Sarah (Josephine Schmidt) funktionieren super als Freundinnen. Und Roman Knizka als Clemens ist eine absolut grandiose Besetzung.


Datum. Quelle: Lübbe Verlag. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich.
Anke Greifeneder. Foto: Lübbe Verlag
Anke Greifeneder. Foto: Lübbe Verlag
 

Infokasten:

Anke Greifeneder hat eigentlich Jura in Konstanz studiert, doch da sie dort weder Gerechtigkeit noch einen Ehemann fand, verabschiedete sie sich von der Juristerei und tauchte in die Medienwelt ab.

Nach Stationen bei MTV in London und als Channel-Managerin für Comedy Central, ist sie heute Programmdirektorin für Cartoon Network, Boomerang und Turner Classic Movies.

Nebenbei schreibt sie erfolgreich Bücher. In ihrem neuen Roman ?Heute, morgen und für immer? muss sich Pianistin Clara zwischen den Brüdern Valentin und Jasper entscheiden.

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