Interview mit Anna Bertheau
"Simona ist ein bisschen naiv. Nicht blöd, das ist etwas anderes."
Frage: Die Klasse von '99 erzählt von der Zeit nach der Schule. Was ist das besondere daran?

Anna Bertheau: Ich glaube, es ist eine Zeit der Desorientierung. Wenn man 13 Jahre einem geregelten Schulalltag nachgegangen ist, ist das der Sprung ins kalte Wasser. Für mich selbst war es anders, weil ich die Schule nach der elften Klasse abgebrochen habe und auch vorher schon nebenbei gedreht hatte.

Aber wenn ich jetzt alte Klassenkameraden treffen merke ich schon, dass die alle sehr in der Luft hängen. Da bin ich froh, dass ich meine Ecke gefunden habe und weiß, was ich machen möchte.

Frage: Wie sehen die ehemaligen Klassenkameraden dich?

Anna Bertheau: Ich weiß es nicht wirklich, die wenigsten Menschen sind ja ehrlich. Meine wenigen guten Freunde finden mein Leben ganz normal, die kennen mich. Aber man wird schon mal komisch angeguckt bei Schulfesten und weiß, dass hinter dem Rücken auch geredet wird.

Aber das ist okay: Einige denken vielleicht, ich sei privilegiert. Dabei mache ich einen Job wie andere auch.

Frage: Wo finden die größten Veränderungen statt in den Jahren nach dem Abi?

Anna Bertheau: In den Beziehungen untereinander ganz sicher. Die Werte ändern sich. Und die Vorstellungen von der Zukunft.

Frage: Wie würdest du deine Rolle - Simona - beschreiben?

Anna Bertheau: Simona ist ein bisschen naiv. Nicht blöd, das ist etwas anderes. Sie lebt in dieser Kleinstadtwelt und schaut auch nicht weit darüber hinaus. Sie lebt ganz stark im Jetzt, und deshalb geht sie auch das Risiko ein, die Freundschaft zwischen Felix und Sören kaputtzumachen und ihre Beziehung mit Sören dazu. Sie ist sehr typisch für die Anfang Zwanzigjährigen, glaube ich.

Frage: Was ist für Simona wirklich wichtig im Leben?

Anna Bertheau: Wie gesagt: Sie lebt sehr im Jetzt. Will ihre Ausbildung beenden, vielleicht heiraten ... - für Simona bedeutet Glück, in der Kleinstadt zu bleiben, ein schönes Haus und irgendwann Kinder zu haben.

Frage: Simona kifft sehr viel, wie fast alle im Film. Wie wichtig sind Drogen für die Generation der Anfang Zwanzigjährigen?

Anna Bertheau: Sie sind schon wichtig. In der Kleinstadt im Film geht's natürlich überwiegend ums Kiffen und mal eine Pille am Wochenende. Das ist anders als in der Großstadt. In diesem Freundeskreis spielen Drogen eine dominierende Rolle und ich glaube, das ist in vielen Cliquen so. Gerade in der Kleinstadt, weil das Leben dort sonst wenig Abwechslung bietet.

Frage: Wie stehst Du selbst zum Thema Drogen?

Anna Bertheau: Kiffen ist etwas, worüber jeder selbst entscheiden sollte. Das Problem ist nur, das viele Leute sich falsch einschätzen. Meinen, cooler damit umgehen zu können, als sie es in Wirklichkeit tun.

Frage: Was magst du besonders an Die Klasse von '99?

Anna Bertheau: Mir gefällt, dass die Charaktere wirklich ganz nah an der Realität sind. Man liest das Buch und hat das Gefühl, diese Personen zu kennen. Ich habe auch noch nie ein Drehbuch gelesen, bei dem die Sprache so stimmig war. Jugendgeschichten im Kino sind schwierig.

Entweder sind es ganz schreckliche Komödien - oder sie sind ungeheuer dramatisch und so dann auch wieder nicht wahr. Die Klasse von '99 stimmt einfach. Es berührt einen, weil das Leben wirklich so ist.

Anna Bertheau. Foto: Constantin Film

Anna Bertheau spielt in Die Klasse von '99 die Rolle der Simona, die große Liebe von Felix und Freundin von Sören.

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