Interview mit Anna Brüggemann
"Jana ist keine politische Figur. Sie ist relativ unabhängig von Moden und Trends."
Frage: In Kleinruppin forever spielst Du Deine bisher größte Rolle im Kino. Wie wurdest Du entdeckt?

Anna Brüggemann: Für die Rolle der Jana gab es in einem Theater in Kreuzberg ein riesiges Casting mit drei Runden. Entscheidend war wahrscheinlich auch mein Typ, das ist ja neben dem Können oft ausschlaggebend.

Frage: Du bist in München geboren. Wie hast Du Dich auf die Rolle des DDR-Mädchens Jana vorbereitet?

Anna Brüggemann: Ich bin zwar in München geboren, aber als ich drei war, sind wir mit meinen Eltern nach Südafrika gezogen und haben dort vier Jahre gelebt. Dann kam Stuttgart, mit 13 dann Regensburg, wo ich auch mein Abitur gemacht habe. Jetzt bin ich 23.

Aber zurück zur Frage: Jana ist keine politische Figur, ich habe sie mir als sehr natürliches Mädchen vorgestellt. Sie ist relativ unabhängig von Moden und Trends, aber hat sich auch mit dem Leben, das sie führt, arrangiert. Aber wahrscheinlich hätte ich Jana tatsächlich anders gespielt, wenn sie aus dem Westen käme, weniger direkt.

Sie schnappt sich Tim ja schon, geht mit ihm zum Baden, sie hat keinerlei Berührungsängste, auch in der FKK-Kultur der Clique fühlt sie sich absolut wohl.

Frage: Dennoch ist Jana nicht durchwegs die strahlende Heldin.

Anna Brüggemann: Das stimmt, sie muss sich ihrer Lebenslüge stellen: die versprochene Ehe mit ihrem Jugendfreund Rüdiger. Aber ich glaube, jeder hat schon solche Situationen erlebt, in die man nur geraten ist, weil man nicht ehrlich zu sich selbst war.

So ist es auch bei Jana - sie hat schon viel zu lange die Augen zugemacht. Die Voraussetzungen, unter denen sie einmal zugestimmt hat, sind längst nicht mehr gegeben. Auch als Tim geht, tritt wieder diese Eigenschaft zutage, dass sie sich damit abfindet, sie denkt sich, man kann eh nichts machen und mit Druck will sie ihn nicht zurückhalten.

Sie rechnet wage damit, dass er wieder zurückkommt, aber in dem Moment empfindet sie auch sehr stark die politischen Grenzen. Die verflucht sie dann auch.

Frage: Du sagtest vorhin, dass Jana sich Tim schnappt. Glaubst Du, dass dies auch ein Statement ist für das unverkrampfte Verhältnis der Ostdeutschen zur Sexualität?

Anna Brüggemann: Ich glaube schon, dass die Liebe im Osten, so wie sie im Film gezeigt wird, wesentlich fröhlicher und natürlicher wirkt als im Westen, der in dieser Hinsicht gekünstelt und verkrampft erscheint. Vielleicht ist es so, dass die Menschen sich diese innere Freiheit genommen haben, weil es keine politischen Freiheiten gab.

Frage: Kanntest Du vor der Wende Menschen aus der DDR?

Anna Brüggemann: In der Grundschule hatten wir drei Neue aus der DDR, das war in Südafrika. Wie die dahin gekommen sind, weiß ich nicht. An Mentalitätsunterschiede kann ich mich nicht erinnern, nur dass sie etwas anders gekleidet waren.

Die Wende fand ich interessant, ich kann mich erinnern, dass ich mich mit meinem besten Freund darüber unterhalten habe. Aber da waren wir erst 8. Eine Vorstellung hatte ich allerdings weder von dem Land noch von dem Regime, weite Felder und graue Häuser, das war alles, was ich im Kopf hatte.

Frage: Im Filmteam haben ja sehr viele Leute gearbeitet, die in der DDR aufgewachsen sind. Hat sich Dein Bild von damals inzwischen verändert?

Anna Brüggemann: Definitiv. Ich kann mich erinnern, wie die Kostümbildnerin Sachen zum Set mitgebracht hat, die sie selber getragen hat: Ja, so haben wir uns damals angezogen, hat sie gesagt. Da hab ich gemerkt: Mensch, die hatten ja auch die gleichen Sorgen wie wir, das waren ja auch ganz normale Mädels, die einfach jung waren und sich für Mode interessiert haben.

Mit der Maskenbildnerin Suse Bock, die auch aus der DDR kommt, habe ich immer noch sehr engen Kontakt, wir wurden am Set Freundinnen. Überhaupt war der Zusammenhalt bei diesem Film ganz toll, bei einigen Leuten aus der Besetzung oder Stab geht es mir so, dass ich gar nicht mehr weiß, woher ich sie kenne, wenn ich sie wiedertreffe. Ich finde, das macht Freundschaft aus.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Tobias Schenke, der ja auch aus der DDR stammt?

Anna Brüggemann: Super. Dass er so bekannt ist, hat keine Rolle für die Arbeit gespielt. Wir haben uns sehr gut verstanden. Das war gut für die Liebesszenen, die ja immer etwas schwierig sind, wenn man da nackt vor 15 Leuten herumhüpfen muss.

Anna Brüggemann. Foto: Senator Film

Anna Brüggemann spielt die weibliche Hauptrolle in der deutschen romantischen Liebeskomödie Kleinruppin forever.

Filmplakat

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Quelle: Senator Film © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken