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Interview mit Antonio Banderas "Für mich bedeutet Kino, mich richtig in die Handlung hinein zu versetzen." |
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Frage:
Können Sie uns etwas über die Story erzählen?
Antonio Banderas: Es dreht sich um eine jüdische Archäologin, die in Jerusalem die vermeintlichen Überreste Jesu Christi findet. Der Vatikan und die israelischen Behörden bekommen Wind davon, und mit ihren drei Religionen und deren jeweiligen politischen Ziele, entwickelt sich die Handlung von hier an in drei unterschiedlichen Niveaus.
Der Regisseur nimmt uns auf eine Reise zum Ende des Millenniums mit, die mir wegen ihrer Anregungen zum Thema Religion, Politik und schließlich auch der Liebe allgemein ziemlich interessant erscheint. Frage: Welche Elemente machen die Handlung denn so besonders? Antonio Banderas: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Für mich waren die unterschiedlichen Reaktionen der verschiedenen Gruppen besonders interessant, und die Erfahrung hier aus erster Hand mitzubekommen, was man sonst nur durch Fernsehen, Zeitungen oder Bücher erfährt. Jerusalem ist die Stadt Gottes und geistiges Zentrum all der unterschiedlichen Religionen. Und wenn wir über Juden reden, dann ist das keine homogene Sekte; da haben wir auf der einen Seite die orthodoxen Juden, dann die etwas moderaten und schließlich eine Menge Juden, die sich gar nicht um die Religion scheren - oder die sie einfach in einer ganz anderen Art verstehen als die Orthodoxen. Dieses Muster wiederholt sich in allen Religionen. Unter den Arabern, zum Beispiel, klaffen ziemliche Abstände zwischen den extremistischen Palästinensern und denen um Yassir Arafat. Die christliche Welt reduziert sich auch nicht gerade auf eine einheitliche Gruppe: gerade in Jerusalem sieht man die Römisch-Katholischen, die Griechisch-Orthodoxen und viele andere Gruppierungen gleichzeitig. Ich glaube, das Unvorhersehbare dieses Films besteht aus der Machart, dass es uns überraschenderweise gelungen ist, all diese sozialen und politischen Themen, in einer einzigen, einer ziemlich klassischen Geschichte, zu porträtieren. Ich glaube, dieser Film wird uns über Ereignisse informieren, die wir so vorher noch nie im Kino gesehen haben. Frage: Wie unterscheidet sich dieser Charakter von den bisherigen Rollen? Antonio Banderas: Vom schauspielerischen Aspekt her hat diese Rolle mir eine andere Qualität der Arbeit erlaubt und die rein physische Interpretation verlassen, die meine Laufbahn in den Staaten definierte, mit den Charakteren aus Die Maske des Zorro und "Desperado". Evita war ganz anders, weil es ein Musical war. Diese Rolle hat mir erlaubt, mich in mir selbst zu suchen und sehr sparsam mit Gesten umzugehen. Charaktere von innen heraus nach außen zu bringen unterscheidet sich ziemlich von alledem, was ich vorher gemacht habe. Ein solcher Vorgang ist in Die Maske des Zorro nicht möglich, weil die Figur dort eher äußerlich, oberflächlich definiert ist. Ich konnte Dinge umsetzen, die ich schon lange mit mir herumtrage und ich hatte die Gelegenheit das Gelernte weiterzuentwickeln, was ich von Anthony Hopkins und anderen Schauspielern mitbekommen habe. Frage: Wie war das mit den anderen Crew-Kollegen? Antonio Banderas: Wir haben eine tolle Besetzung: wir haben sehr viel Glück gehabt. Ich glaube, das ist einer der ganz großen Erfolge von Jonas McCord. Er hat was erreicht, das im Kino eher nicht selbstverständlich ist: eine Besetzung voller guter und herausragender Schauspieler wie Derek Jacobi oder John Wood. Und Olivia Williams war eine der größten Überraschungen für mich, eine der besten Kolleginnen, die ich jemals hatte. Sie ist eine intellektuelle Frau, die es sehr gut verstanden hat, nicht allein ihre Rolle aufzubauen, sondern sie auch im Ganzen zu integrieren. Man kann toll mit ihr zusammenarbeiten, sie ist sehr zuvorkommend und sehr mit der Geschichte verwachsen. Kurz: sie ist eine Cambridge-Frau. Professionell an der Royal Shakespeare-Company groß geworden und ich glaube, sie hat eine große Zukunft im Kino. Es war eine Freude, mit ihr zu arbeiten. Nicht zu vergessen Derek Jacobi, den hab ich in "Ich, Claudius" gesehen, der BBC Produktion, und es war traumhaft mit einem solchen Schauspieler zu arbeiten. Er hat ziemlich viel Tiefgang mit einem unglaublichen Register. Ich würde gerne von ihm etwas lernen, das ich in meiner Zukunft einsetzen kann, besonders, wenn ich mal ans Theater zurückkehre, denn ich glaube, Derek Jacobi ist von ganzem Herzen Theater-Schauspieler. Frage: Schätzen Sie Ihren Werdegang bisher positiv ein? Gibt es ein Drehbuch, das Sie bevorzugen? Antonio Banderas: Alles in allem war mein Werdegang im Kino sehr positiv. Für mich bedeutet Kino, neben einer positiven Erfahrung, mich richtig in die Handlung hinein zu versetzen, auch wenn es manchmal weh tut. Aber lieber bin ich in einer kreativen Hölle als in einer unkreativen. Manchmal gab es Probleme, Streit, aber ich glaube, wir haben immer einen Weg gefunden, nach Lösungen dafür zu suchen und Situationen herbeizuführen, bei denen schließlich alle das Gefühl hatten, etwas Neues zu gestalten. Ich glaube, Jonas McCord hat eine Spitzenleistung gebracht, weil er während der ganzen Dreharbeiten für die Ideen einfach aller, egal ob Schauspieler oder Kamera-Leute, offen war. Außerdem hat er Unglaubliches geleistet, indem er fünf, sechs Sequenzen am Tag drehen musste, manchmal mit Umzügen verbunden, was eigentlich der Albtraum eines jeden Regisseurs ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass er auch das Buch geschrieben hat und ich meine, er hat eine gute Arbeit geliefert. Frage: Was haben Sie durch diesen Film gelernt? Antonio Banderas: Gut, es ist der fünfzigste oder sechsundfünfzigste, aber weißt du was? Ich weiß es immer noch nicht. Ich brauche ein bisschen Zeit, um das alles zu verdauen, und ich muss das Ergebnis erst mal sehen. Wenn ich das Ergebnis gesehen habe, dann kann ich dir möglicherweise sagen, was ich gut fand und was nicht. Außerdem kann ich mir über gar nichts sicher sein, denn wenn du einen Film drehst, verlierst du einfach die Objektivität, ganz besonders was sich selber betrifft. Frage: Was werden die Zuschauer mitnehmen? Antonio Banderas: Vermutlich wird von dem Film viel erwartet, weil es sich um ein höchst aktuelles Thema dreht und weil es sich um Tabus wie die Religion am Ende des Millenniums handelt. Ich meine, dass Filme wie dieser, bei denen es um Spiritismus geht, ein ziemliches Zuschauerinteresse wecken. |
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