Interview mit Armin Rohde
"Uwe Ochsenknecht, der meinen Konterpart spielt, ist ein Geschenk!"
Frage: Was für ein Typ ist Hermann Walzer?

Armin Rohde: Wenn meine Figur an die Decke geht, dann macht er das ohne Anlass. Da sagt man nicht, aha, der hat sich vorher schon geärgert und jetzt noch ein bisschen mehr - nein, es gibt Leute, die sind so, wie sie sind, weil sie so sind. Da kommt kein Psychologe ran, kein Soziarbeiter, kein Arzt.

Es gibt ja dieses Weicheiergeschwätz, man kann jeden kurieren, man kann aus jedem einen guten Menschen machen. Bei vielen mag das ja richtig sein, aber ich glaube, es gibt einen Prozentsatz von Menschen, die kriegt man nicht geändert, nicht gebessert. Und so einen spiele ich hier.

Wenn Walzer aus dem Tritt gerät, dann zerfließt er nicht innerlich, nein, er kommt ins Rutschen wie ein großes schweres Auto ins Rutschen kommt. Und das ist dann ja auch nicht plötzlich aus Wattebällchen, es bleibt aus Stahlblech.

Wenn dieser Walzer die Orientierung verliert, dann rutscht er, aber er löst sich nicht auf. Und das zu spielen macht einen Riesenspaß. So einen Koloss zu spielen, der zwar ins Taumeln gerät, aber ein Panzer bleibt. Ein Panzer ist ein Panzer, ein Walzer ist ein Walzer.

Frage: Anlass für die Eskalation der Geschichte sind verdorbene Shrimps ...

Armin Rohde: Es hätte aber auch etwas ganz anderes sein können - ein Fädchen hätte auf dem Tisch liegen können oder irgendetwas wäre zu warm oder zu kalt oder zu langsam oder zu schnell gewesen, und dann wäre der Krach auch fällig gewesen.

Und Uwe Ochsenknecht, der meinen Konterpart spielt, ist ein Geschenk: So jemanden als Partner zu haben, an dem man sich richtig reiben kann, mit dem man aneinander geraten kann, und nicht jemanden, den man mit einer Hand wegwischt, ist großartig. Und mit Uwe geht's dann auch zur Sache.

Frage: Was geht denn da ab?

Armin Rohde: Es gibt anscheinend einen uralten Hass zwischen den beiden, denn der Walzer wollte dieses Lokal mal kaufen mit dem ganzen Grundstück drum herum, um irgendwann nicht nur die halbe Eifel, sondern die ganze Eifel zu besitzen. Wie die Leute halt so sind, gierig ohne Ende, können den Hals nicht voll bekommen. Und so einen spiele ich hier.

Wie so oft im Leben sind es meist nur Kleinigkeiten - Stichwort Maschendrahtzaun -, die die Leute dazu bringen, mit Spitzhacken, Kettensägen und Maschinengewehren übereinander herzufallen. So ist es. Und jeder drum herum versteht nicht, was da los ist. Auf einmal kracht's, Schädel splittern, Autos fliegen in die Luft, und man weiß nicht, wer mit wem und gegen wen und warum eigentlich und wie das alles angefangen hat - auf einmal ist es wild.

Frage: Wie wichtig sind Ihnen Werte wie Toleranz und Rücksichtnahme?

Armin Rohde: Das ist für mich das A und O, dass man sich gegenseitig mit Respekt, mit Aufmerksamkeit behandelt. Dass ich nicht versuche, jemandem vorsätzlich zu schaden, sondern im Gegenteil versuche, Unheil von den Leuten fernzuhalten.

Wenn ich merke, dass mir jemand vorsätzlich oder grob fahrlässig schaden will oder geschadet hat, der muss sich dann warm anziehen. Aber sobald ich meine Rache hatte, vergesse ich das auch wieder, ich trage das nicht über Jahre mit mir herum, der kriegt seine Watschn, und damit ist es dann gut. Ich versuche mein Reisegepäck leicht zu halten.

Frage: Familienfeiern wie etwa Weihnachten sind ja oft ein Anlass, schwelende Konflikte ausbrechen zu lassen. Woran liegt das?

Armin Rohde: Alle haben irrsinnig hohe Erwartungen an einen solchen Tag, dass da etwas ganz Tolles und Außergewöhnliches passiert. Die Leute haben ihren Alltag, der vielleicht manchmal nicht so spannend ist, es passieren Tag für Tag die gleichen Sachen, und von solchen Festen erwartet man sich dann ein Übermaß an familiärer Wärme, aber das kann ja nicht klappen.

Wenn man ein ganzes Jahr nicht miteinander geredet hat oder sich nur angefaucht hat oder den anderen ignoriert hat, dann kann man einfach nicht erwarten, dass es reicht, ein Kerzchen anzuzünden und ein Liedchen zu singen, und schon haben sich alle furchtbar lieb. Das geht nicht. Das ist eine Arbeit, die muss man das ganze Jahr über leisten.

Die Ungereimtheiten und die Ungeklärtheiten - all das, was unter den Teppich gekehrt wurde - haben die Angewohnheit, sich dann nicht in rot-grünes Seidenpapier zu kleiden, sondern die Sachen fangen dann an zu stinken.

Frage: Vorlage war ein Comic, der allerdings brutaler ist ...

Armin Rohde: Ja, das wollten wir hier nicht machen. Die physische Gewalt, die in diesem Film stattfindet, findet eher wie zufällig und aus Blödheit statt als dass jemand sagt, den erschieß ich jetzt. Wenn Dinge oder Personen zu Schaden kommen, dann passiert das wie im richtigen Leben. Das Meiste passiert aus Unachtsamkeit, aus Hilflosigkeit.

Und so ist es auch in diesem Film. Das ist zwar ein bisschen konzentrierter und gesteigerter, als es im Leben stattfindet, aber es ist so vorstellbar. Dinge im Leben passieren auf so eine absurde Art und Weise - einer spinnt ein bisschen rum, einer ist zu laut in einer Situation, und von da an ist es eine Katastrophe ohne Ende.

Armin Rohde. Foto: Sat.1

Armin Rohde ist einer der Hauptdarsteller in der deutsch-belgisch-österreichischen Tragikomödie Die Bluthochzeit.

Filmplakat

Armin Rohde über seine Rolle:

Armin Rohde über Gewalt und Blödheit:

Armin Rohde über Uwe Ochsenknecht:

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Quelle: Constantin Film © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken