Interview mit Astrid Frohloff
"Die ersten Wochen im neuen Sendezentrum werden sehr aufregend werden."
Frage: Wie geht der Umzug über die Bühne?

Astrid Frohloff: Wir haben monatelang darauf hingearbeitet, möglichst reibungslos aus dem laufenden Betrieb von "18:30" bei n-tv in das neue Sat.1-Sendezentrum umzuziehen. Es ist unglaublich viel Arbeit, ein neues Studio und den Sendebetrieb mit völlig neuer Technik aufzubauen und gleichzeitig jeden Tag eine gute Sendung unter alten Bedingungen zu fahren.

Da geht's schon mal drunter und drüber. Die Hälfte der Kollegen sitzt schon im neuen Studio in der Jägerstraße, die andere sitzt noch auf gepackten Koffern in der Taubenstraße.

Frage: Pannen sind dann wohl nicht auszuschließen?

Astrid Frohloff: Die ersten zwei, drei Wochen im neuen Sendezentrum werden sicher sehr aufregend werden. Wir arbeiten mit einer hochmodernen Digital-Technik, die noch auf tägliche Sendeabläufe eingeschliffen werden muss.

Eigentlich sollte es aber pannenfrei gehen, denn wir proben bereits seit Tagen im neuen Studio. Sollte trotzdem mal was schief gehen, werden die Zuschauer das sicher nicht übel nehmen: Schließlich sind kleine Pannen doch menschlich.

Frage: Welche Vorteile bringt denn das neue Studio für Sie als Moderatorin?

Astrid Frohloff: Unser neues Nachrichten-Studio befindet sich jetzt gleich neben dem Redaktionsbüro. Ein Riesenvorteil, denn die Kommunikationswege werden damit kürzer, Abläufe transparenter und die Verständigung läuft reibungsloser.

Auch optisch wird unsere Sendung eine direktere, lichtere Ausstrahlung haben, mit frischen hellen Farben und einer modernen Dekoration. Für mich heißt das: Mehr Übersichtlichkeit im Studio, mehr Bewegungsfreiheit und neue optische Möglichkeiten.

Ich bin beispielsweise bei der Auswahl der Garderobe nicht mehr so eingeschränkt: Kleine Annehmlichkeiten, die aber wichtig sind, wenn ich mich auf die Moderation konzentriere.

Frage: Früher waren Sie für SAT.l als Korrespondentin im Nahen Osten aktiv. Seit Januar 1999 sind Sie Anchorwoman für die Hauptnachrichtensendung "18:30". Was hat sich für Sie geändert?

Astrid Frohloff: Das journalistische Arbeiten im Team. Als Auslandskorrespondentin war ich in der Regel auf mich selbst gestellt. Im Nahen Osten war ich Expertin auf einem Gebiet. Als Nachrichten-Anchor für "18:30" mache ich mich jeden Tag auf vielen Gebieten der ganzen Welt schlau: in Gesprächen mit unseren Reportern und Korrespondenten draußen vor Ort und den Redakteuren in der Sendezentrale. Eine Sache, die mir ungeheuer Spaß macht.

Frage: Wie bereiten Sie sich auf die Moderation vor?

Astrid Frohloff: Der Tag beginnt für mich mit der Redaktionskonferenz um 10.00 Uhr. Auf der Mittagskonferenz legen wir fest, wie die Themen umgesetzt werden sollen. Das ist besonders wichtig für mich, weil ich durch die Moderation diese Themen dann verbinde: 'Wie passt das zusammen, wie kann ich komplexe Zusammenhänge den Zuschauern verständlich machen?'

Ich versuche mir vorzustellen, mit welcher Erwartungshaltung der Zuschauer zu uns kommt. Was hat er vielleicht schon tagsüber erfahren? Welche emotionalen Vorstellungen hat er? Was berührt ihn, was nicht? Überlegungen, die die Themenauswahl und Themen-Präsentation beeinflussen.

Frage: Peter Kloeppel, Sabine Christiansen ... sind das Vorbilder für Sie?

Astrid Frohloff: Ich halte nicht viel von Vorbildern. Allerdings gibt es einen Moderator, vor dem ich großen Respekt hatte: Der verstorbene Hans-Joachim Friedrichs. Er hatte diese unnachahmliche Art, Informationen auf den Punkt zu bringen. Und er besaß eine Eigenschaft, die ich sehr schätze: Humor.

Frage: Haben sich Erwartungen gegenüber Nachrichtensendungen heute nicht gewandelt?

Astrid Frohloff: Ich glaube, Nachrichten werden heute anders gewertet als früher: Neben Politik und Wirtschaft gehören in eine Nachrichtensendung zunehmend auch Themen aus ganz anderen Bereichen: Wenn ich informiert sein will, muss ich heutzutage beispielsweise auch die Brioni-Geschichte des Kanzlers kennen.

Die Anforderungen, die wir in "18:30" stellen, heißen: Verständlich, vollständig und kompetent zu informieren. Wir wollen über das berichten, worüber die Menschen auf der Straße wirklich reden, und das in einer Form, die nachvollziehbar ist.

Frage: Sie haben schon einen anderen Umzug hinter sich: Von Jerusalem nach Berlin. Wie gefällt Ihnen die neue Hauptstadt?

Astrid Frohloff: Ich hatte mir Berlin grau und verregnet vorgestellt - weil ich die Stadt immer nur im Winter kennengelernt hatte. Aber in diesem Sommer habe ich mich in Berlin verliebt. Die Stadt ist viel grüner als ich dachte, und hat überraschenderweise ein Flair. Allein diese Straßencafes!

Beruflich bin ich glücklich, dass ich gerade jetzt hier in Berlin bin. In der interessantesten Stadt Deutschlands, die durch den Regierungsumzug wirklich einen ungeheuren Push gekriegt hat.

Frage: Fühlen Sie sich durch den Quotenzuwachs geschmeichelt, den "18:30" in diesem Jahr hat?

Astrid Frohloff: Es ist wunderbar, dass der Zuschauer honoriert, was wir auf die Beine stellen. Ich glaube, unsere Sendung hat sich seit Anfang des Jahres inhaltlich und konzeptionell verbessert. Sie läuft runder. Sie hat ein Gesicht, ein Profil bekommen. Und daran werden wir weiter feilen.

Astrid Frohloff. Foto: Sat.1

Ab dem 1. November 1999 geht die neue Sat.1 Nachrichtenzentrale - Herzstück des Sat.1 Medienzentrums in Berlin-Mitte - in den Live-Betrieb.

Für die Hauptnachrichtensendung 18:30 gibt es dann ein neues Studio im fliegenden Wechsel. Dazu ein Interview mit Astrid Frohloff, Anchorwoman von 18:30.


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Quelle: Sat.1 © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken