|
Interview mit Barbara Salesch "Mit Kritik gehe ich differenziert um." |
|
Frage: Frau
Salesch, Sie sind vor einem halben Jahr angetreten, 'um das
Zivilrecht durch die TV-Sendung transparenter zu machen'. Glauben
Sie, dass Ihnen dieses Vorhaben gelungen ist?
Barbara Salesch: Letzte Woche habe ich zu meinem großen Erstaunen festgestellt, dass ich seit September letzten Jahres schon 150 Schiedsgerichtsverfahren durchgeführt habe. Wenn ich die verschiedensten Streitgründe Revue passieren lasse, dann denke ich schon, dass die vielen Zuschauer, die wir haben, ein bisschen von unserem Zivilrecht begriffen haben.
Barbara Salesch: Als ich mit meinem Schiedsgericht begonnen habe, hatte ich ja so gut wie keine Ahnung, wie Fernsehen funktioniert und produziert wird, aber ich wusste damals so wie heute, dass eine Verhandlung, die ich führe, eine Verhandlung ist. An die Scheinwerfer habe ich mich in der Zwischenzeit gewöhnt. dass es Kameras in meinem Gerichtssaal gibt, wusste ich, aber ich nehme sie überhaupt nicht wahr, wenn ich die Parteien vernehme. Der einzig wirkliche Unterschied ist vielleicht, dass ich in den Verfahren, die ich jetzt leite, besser geschminkt bin. Frage: Spüren Sie noch so etwas wie Lampenfieber? Barbara Salesch: Lampenfieber habe ich überhaupt nicht, aber ich bin äußerst stark konzentriert, bevor ich den Gerichtssaal betrete. Am Anfang hat das, glaube ich, zu roten Ohren geführt, wenn ich dann allerdings sitze und beginne zu verhandeln, ist es eigentlich so wie seit Jahren. Frage: Haben Sie Ihren Schritt, zwei Jahre Urteile vor der Kamera zu fällen, jemals bereut? Barbara Salesch: Keine Minute. Tatsächlich gefällt mir meine Arbeit als Richterin hier immer besser. Frage: Sie sind Deutschlands bekannteste Richterin. Haben Sie mit dieser Entwicklung gerechnet? Wie gehen Sie damit um? Barbara Salesch: Es gibt ja, wie Sie wissen, eine Wahrnehmung von außen und meine eigene. Für mich selbst und meine Art zu verhandeln hat sich, und das bestätigen auch Leute, die mich als Vorsitzende Richterin beim Landgericht in Hamburg beruflich erlebt haben, eigentlich nichts geändert. Dass die Medien über eine Verhandlung, die im Fernsehen gesendet wird, eher schreiben, als über eine normale Amtsgerichts-Verhandlung, ist klar. Was mich erstaunt, wenn ich in den Zeitungen freundliche oder weniger freundliche Kritiken lese, ist, dass viele Journalisten eigentlich immer noch nicht wissen, dass ich eine im Prinzip stinknormale Verhandlung führe, die bis zu zwei Stunden dauern kann. Was im Fernsehen dann gezeigt wird, ist eine gekürzte Fassung dieser Original-Verhandlung. Das überrascht übrigens auch Anwälte und Referendare, die dann aber sofort begreifen, dass wir normale Gerichtsarbeit leisten, wenn sie bei meinem Schiedsgericht sind und dann auch die Organisation meines Gerichts sehen, wenn ich ihnen meine Geschäftsstelle zeige und die Akten, die wir führen. Frage: Es gab auch Kritik - wie gehen Sie damit um? Barbara Salesch: Mit Kritik gehe ich differenziert um. Manchmal ärgere ich mich natürlich darüber, wenn jemand irgendeinen Quatsch schreibt, ohne sich vorher informiert zu haben oder einmal in einer Verhandlung gewesen zu sein. Frage: Schauen Sie sich Ihre Sendung an? Barbara Salesch: Ja, gerne, wenn ich Zeit habe. Frage: Wie entspannen Sie in Ihrer Freizeit? Barbara Salesch: Früher war immer die Bildhauerei/Plastik mein Ausgleich. Dinge frei gestalten, sägen, hämmern und schweißen oder stundenlang modellieren, gießen und schleifen, all das ist für mich seit vielen Jahren der beste Ausgleich gewesen. Mein Atelier in Hamburg ist jetzt leider verwaist, und in Köln habe ich noch keines. Also mache ich hier in Köln ein bisschen Walking und erkunde mit dem Fahrrad die Stadt und die Umgebung. Frage: Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie das erste Mal ein Autogramm unterschrieben haben? Barbara Salesch: Es war schon seltsam, es gehört nicht gerade zum Berufsalltag einer Richterin dazu. Ich habe erst einmal ausprobiert, wie und mit welchem Stift ich schreibe. Und dann habe ich mich natürlich gefreut. |
|
|



