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Interview mit Boris Aljinovic "Da ist mein Theater, da ist meine Schauspielschule, da bin ich groß geworden." |
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Frage:
Zunächst vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unser
Interview nehmen. Beginnen wir doch am Anfang Ihrer Karriere. Nach
einem Studium an der FU Berlin sollte Ihre berufliche Laufbahn
eigentlich als Comic Zeichner beginnen. Sie sind dann jedoch als
Schauspieler ans Theater gegangen. Was hat Sie bewogen ans Theater
zu gehen?
Boris Aljinovic: An der FU hat man mich nur zur Immatrikulation gesehen (lacht). Also, ich hab' während der Schule schon Theater gemacht, so'n bisschen so mit allen Freunden zusammen und dann haben wir auch immer gezeichnet und dann war es auch erst nach der Schule so, dass ich einen Job als Illustrator hatte und dann dachte ?jetzt musst du mal erst was studieren?, entweder Grafik oder Schauspiel und da war die Ernst Busch schneller.
Frage: Ihren ersten größeren Bühnenerfolg hatten Sie als Schauspieler in dem Stück ?Noch ist Polen nicht verloren? mit der Rolle des Adolf Hitler. Hatten Sie Skrupel diese Rolle anzunehmen und wie hat Ihr damaliges Umfeld reagiert. Boris Aljinovic: (lacht) Das ist der Stoff ?Sein oder nicht sein?, dass ist ja nicht die Rolle des Hitlers, sondern ist die Rolle des Bronski, der Schauspieler dieser Warschauer Truppe, der den Hitler eben mimen soll, und dann in die, also die kommen dann in so eine unglückliche Situation und da kann er halt mit seiner Figur sozusagen die Nazis besiegen. (Kurze Pause) Also ich hatte da gar keine Skrupel - im Gegenteil, ich hab sofort gedacht, das muss ich machen. Ich hatte vorher auch schon ein paar Produktionen, aber das war das Debüt am Renaissance-Theater. Frage: Sie gingen an die Hochschule ?Ernst Busch? und absolvierten dort ein Schauspielstudium an. Danach folgten verschiedene Theaterarrangements u. a. am Berliner Renaissance-Theater. 1994 betraten Sie das Medium Fernsehen und die Leinwand. Haben Sie eine neue schauspielerische Herausforderung gesucht oder war diese Entscheidung eine grundsätzliche Konsequenz für Ihre schauspielerische Karriere? Boris Aljinovic: (überlegt) Einfacher! Ich kannte ein paar Leute die das an der Filmhochschule studiert hatten, die wuselten am Theater 'rum und da gab es eben die ersten Kontakte. So haben wir dann die Filme gemacht. Das was mir dann tatsächlich die Türen geöffnet hat ?Drei Chinesen mit dem Kontrabass?(1999) das war so'n Abschlussfilm. Da wuselte ich dann so rein. Das hat sich so ergeben, ich hab nicht gesagt, so strategisch ? ?Ich will zum Fernsehen? und manchmal hab ich dann so, als die mit dem ?Tatort? kamen, hab ich so gedacht, ?Was ist denn das?- ich bin doch keen Kommissar? (lacht). Frage: Viele Schauspieler bewegen sich zwischen der Bühne, dem Fernsehen und der Leinwand. Wie wichtig ist es für Sie alle Facetten der Schauspielerei bieten zu können? Boris Aljinovic: Tja, wie wichtig ist das? Es ist erstmal ganz gut zur Nahrungsaufnahme (lacht), und ja so am Renaissance-Theater bin zunächst mal zu Hause, nach 12 Jahren, das ist toll, ein schönes Gefühl. Fernsehen, ist halt nur so'n Teil des Berufs, aber das macht auch Spaß. Hörbücher und Hörspiele kommen dazu. Also angefangen zu spielen hab ich im Kinderzimmer mit Hörspielen. Wir haben Hörspiele selber gemacht und gezeichnet, weil wir die Filme nicht machen konnten Auf dem Wege hab' ich entdeckt wie toll Theater ist, weil die Leute einen gleich bezahlen, nämlich mit Applaus, und das ist schon toll. Und dann kamen plötzlich wieder so paar Filmstudenten an. Eigentlich ist meine Generation wahrscheinlich wohl schon multimedial aufgewachsen. Frage: Welche Theaterrolle wäre Ihr größter Wunsch? Boris Aljinovic: Das ist 'ne gute Frage. So richtig habe ich da keine. Ich überleg manchmal, ob ich die oder die Rolle fantastisch finde, aber dann weiß ich halt auch im Theater keine Produktion aus einem Stück, die ich faszinierend finde oder lässt daraus was ?Neues? machen oder aus eine Rolle kann etwas erwachsen, was man gar nicht kennt, von daher hab ich gar nicht so die Rolle, wo schon sage , das muss ich jetzt mal spielen so den Hamlet oder was weiß ich. Kenn ich nicht so als Idealprodukt. Frage: Im Kinofilm 7 Zwerge haben Sie die Rolle des griesgrämigen Zwergs Cloudy (Boris Aljinovic lacht) sehr überzeugend gespielt. Kontinuierlich grundlos schlechte Laune zu haben, ist sicherlich anstrengend. War es schwierig für Sie, diesen Charakter zu spielen, insbesondere wenn um Sie herum fast die gesamte deutsche Comedy pur agiert? Boris Aljinovic: Der Trick war ganz einfach der - A) ich hatte ?Witz-mach-Verbot" - nicht nur vor der Kamera, sondern da ging's ja auch 24 Stunden rund, die trainieren ja wie Akrobaten Witze erzählen. B) wenn ich es dann versucht hätte - so schnell und so viele Witze zu erzählen, dass kann ich nicht. Und von daher war so eine gewisse Grundlaune erreichbar. Ich mochte die alle sehr gerne, doch so am Ende des Tages dachte ich ?nun habe ich aber wirklich schlechte Laune?. Der Trick war eigentlich ganz einfach - einfach gar nicht mitmachen. Das war aber auch nicht so einfach, denn man möchte ja doch eigentlich am liebsten mit denen, in so einer Champangerstimmung für'n Comedy schwelgen (leicht melancholisch). Frage: Seit 2001 spielen Sie an der Seite von Dominic Raake in der Berliner Tatort-Reihe. Ist es was Besonderes für Sie, einen Tatort-Kommissar zu spielen. Boris Aljinovic: Hmmh, besonders ist es natürlich! Es ist der Primetime ? überhaupt. Dieser feste Sendeplatz und die Zuschauer, die das wirklich sehen. Man merkt das montags nach der Ausstrahlung oder hier auf der Tournee, wie es einem so entgegen schwappt - das ist ein tolles Produkt. Das ist auch toll, weil es eben 90 Minuten hat, man kann eine lange Geschichte damit erzählen. Also es ist wirklich super, Tatorte zu machen. Man scheitert dann ja auch gerne, aber trotzdem ist je eine bestimmte Qualität immer. Frage: Was bedeutet Ihnen die Rolle des Tatort-Kommissars? Boris Aljinovic: Da drinnen ist halt ein ganz bestimmet Rolle für mich - oder hat man mich für eine bestimmet Rolle gefunden -, das hängt eben sehr davon ab. Dominik war schon da, ist eben der Lonesome-Cowboy, und da braucht man einen richtigen Spießer daneben eigentlich, aber ich weiß nicht, ob ich so richtig spießig bin. Frage: Sind Sie spießig? Boris Aljinovic: Was ist denn spießig? Also die erste Definition unseres zynischen Altredakteurs, der jetzt pensioniert ist, war: "Spießig ist, wenn jemand Familie hat". Gut, ok dann bin ich spießig, ich hab keine Ahnung. Spießertum ist vielleicht definiert aus Ängsten heraus. Aber dann muss ich auf der anderen Seite sagen ?was ist denn spießiger? - sich denn nun irgendwie permanent in Cowboyklamotten zu spielen und den Großstadthelden zu mimen, ist das nicht auch voller Ängste? Und von daher sind wir sehr schnell drüber über diese Diskussion, weil sich eigentlich alle tollen Figuren aus Ängsten rekrutieren - oder zumindest den Panzer aus Ängsten rekrutieren, aus dem nicht ?Sondern? und aus den Sehnsüchten heraus. Ich kann das nicht sagen. Jemand, der hartnäckig spießig ist, muss in erster Linie wie Gott sein, und das kann aber ein Kommissar nicht wirklich sein, sonst verliert er die Sympathiepunkte. Frage: In vielen Tatort-Folgen geht es nicht nur um eine einfache Geschichte, sondern auch um soziale und Brennpunktprobleme. Als Schauspieler müssen Sie sich auch mit diesen Stoffen auseinandersetzen. Gab es in der Vergangenheit eine Rolle, in der ein Sachthema Sie persönlich berührt hat? Boris Aljinovic: Mmmh (überlegt). Ja es kommt darauf an, wie die Rolle strukturiert ist, was sie darf oder leisten muss. Also ?Todesbrücke?(2005) war z. B. so ein Film, wo es um den Zerfall einer Familie ging und halt eben eine ganz ähnlich gelagerte Figur, eben auch ein Vater, der gern allein erziehend (wie Stark) sein möchte, weil er mit seiner Frau nicht mehr klar kommt und die dann umbringt. Da gab es eben am Ende des Films eine große persönliche Beteiligung der Figur des Starks an dieser Sache und dann hab ich mich halt auch emotional damit auseinandergesetzt. Jetzt ?Lobbyismus?, ich muss sagen, dazu hab ich die Meinung, die ich als Zeitungsleser vielleicht hab und der Mehrheit halt eben so. Das ist so 'ne Gradwanderung. Es muss Kontakte zwischen Wirtschaft und Politik geben und es muss da klare Spielregeln geben für alle. Es gibt die Ethik des Abgeordneten oder des Politikers oder des Amtsträgers, und wenn der seine ethischen oder moralischen Vorgaben verletzt, dann kann das schwerwiegende Folgen haben für viel Leute. Das ist schon interessant, aber bei weitem nicht so emotional. Frage: Wurde Ihnen schon einmal eine Rolle angeboten vor der Sie Angst hatten? Boris Aljinovic: Ach öfter (Pause). Dass ist eigentlich ganz oft so, dass man eine Rolle kriegt, und dass ich auf 'ne Rolle mit Angst reagiere oder mit ?oh Gott, wie soll denn das jetzt gut gehen?. Das passiert schon, also, und dann muss ich halt anfangen zu arbeiten, das ist vielleicht ein langer Weg bis dahin (schmunzelt). Die Angst ist dann ganz gut, das ist, wie soll ich das vergleichen? Das ist vielleicht wie beim Bergsteigen, wo man sagt ?besser mal ein bisschen Angst haben - oder Respekt ist vielleicht das bessere Wort. Respekt haben, um die Strecke zu meistern und sie nicht zu unterschätzen. Frage: Gibt es Rollen, die sie eher ungern annehmen würden? Boris Aljinovic: Eine Rolle steht immer im Zusammenhang mit anderen Figuren oder einer Fabel. Wenn man dann sagt, ich weiß nicht, die Rolle, wenn sie sich mir nicht erschließt und dafür hab ich keinen Schlüssel, so auch, nach mehrfachem Überlegen und Lesen, dann würde ich sie ungern annehmen. Ein moralische Grenze zu sagen ?So was spiel ich jetzt nicht?, also im Sinne von ?weiß ich nicht?, dass kann ich so gar nicht ausschließen, weil ich dann sagen müsste, ja, jemand der jetzt das und das tut, würde ich nicht. Aber wenn man die Gründe dafür kennt oder wenn das zu einem lustigen Ergebnis führt oder ich das unterhaltsam finde, würde ich das sicherlich im ersten Moment wohlwollend prüfen, auch wenn mich die Figur wahrscheinlich abstößt - oder ich sag ?das bin doch gar nicht ich?. Vielleicht hat da jemand Ideen, die weit über das hinausgehen, was ich denken kann. Frage: Mittlerweile haben Sie in mehr als 15 Tatort-Folgen als Felix Stark ermittelt.An welche Folge erinnern Sie sich besonders gerne und verbinden ihre schönsten Erinnerungen? Boris Aljinovic: Ja da gibt es so zwei, drei. Einmal ?Todesbrücke?, hier fand ich die Aufgabe toll. Andererseits gab es ein paar, da hab ich mich sehr unwohl gefühlt, da erinnere ich mich auch dran. Frage: Welche beispielsweise? Boris Aljinovic: Das will ich jetzt gar nicht sagen, weil ? nee, das will ich nicht sagen, da hat das mit der Regie nicht so funktioniert, das muss man dann nicht breit treten. Das passiert halt eben, das ist auch normal. Dann gab es wieder welche, wo man ganz überrascht war, dass dann doch noch aus einem Buch etwas ganz toll geworden ist, wo man vorher nie gedacht hätte, da könnte jetzt noch etwas wachsen. Also zum Beispiel den Film, den wir gerade gedreht haben. Da war das Buch am Anfang so, dass sowohl Dominik als auch ich gesagt haben ?Oh Gott, das wird eigentlich nie was, aber mach' mal?. Dann kam der Regisseur und hat daran gebohrt, gesucht und geforscht und gefunden. Plötzlich kommt ein neues Buch auf den Tisch, das wo man sagt ?super? und?toll?. Solch einen Moment gibt es in der Arbeit immer wieder. Frage: Der Autor Boris Alijonovic (grinst). Neben der Schauspielerei, kennt man Sie als Sprecher aus zahlreichen Hörbüchern- und Hörspielen. 2006 sind Sie erstmalig als Autor mit einer eigenen, Neuinterpretation vom ?Karneval der Tiere? in Erscheinung getreten. Was hat Sie dazu inspiriert? Boris Aljinovic: Inspiriert gar nicht erst mal, sondern da gab es dieses kleine Orchester ?clair obscur? und da wurde ich gefragt, ob ich mit denen zusammen die Fassung von Loriot aufnehmen will. Und die hab ich sicherlich ein bisschen anders gemacht als der Loriot die damals vorgetragen hat. Mit vier Musikern kann man nämlich einiges zusammen auf der Bühne an Quatsch machen, also Saxophonisten. Und dann kamen die an und sagten, das hat uns so'n Spaß gemacht, wir wollten gern 'ne CD machen, weil wir das musikalisch drauf haben, aber wir können natürlich nicht den Loriot Text verwenden, der toll ist, kannst du da was schreiben? Fahrlässigerweise hab ich gesagt ?Ach klar!?, doch dass das so viel Arbeit war, hab ich dann festgestellt, es mussten Verse sein, das geht gar nicht ohne Verse. Welche Verse? Wie ist das? Das war richtig viele Arbeit um daraus eine runde Geschichte zu backen. Hat mir aber super Spaß gemacht und jetzt ist es im Repertoire, und ab und zu touren wir mal rum und führen das auf und das hat sich gelohnt. Frage: Werden Sie neben Theater, Film und Fernsehen auch weiterhin als Autor aktiv bleiben? Boris Aljinovic: Also nicht im eigenen Auftrag. Ich glaub auch nicht, dass ich mich hinsetzen und sagen würde ?Heute schreib' ich einen Roman?, ich glaub auch nicht dass ich mich hinsetzen und sagen würde ?Heute schreib' ich ein Drehbuch - und schon gar nicht, glaub' ich, für einen Tatort, abwegig. Aber, wer weiß, man korrespondiert ja die ganze Zeit mit Autoren oder Erzählern. Von daher hat man selber Erfahrung als Erzähler und ist da halt eben Partner sowieso. Oder wenn ich eine Roman laut lese, entschlüsselt sich das, wie der geschrieben wird, viel, viel mehr als wenn ich so einen Roman leise lese und dann sagt man, ?ist ja irre wie das konstruiert ist?. Also erst jetzt beim lauten Einüben entschlüsselt sich, 'Wow!' wie das ist, und die Konstruktionen faszinieren einen und dem eifert man mal nach, aber zu sagen ?ich setze mich jetzt mal hin und will Autor werden?, dass ist schon mal ein anderer Beruf. Vielleicht passiert es mal mit dem Theater, also ein Theaterstück hätte ich mal Lust zu schreiben, aber dann fehlt immer wieder die Zeit dafür. Frage: 2007 wurden Sie mit dem Deutschen Hörbuchpreis als ?Sprecher des besten Kinder- / Jugendhörbuchs" ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es: "Der Sprecher stellt sich in den Dienst der Hauptfiguren, indem er die Kinder sprechen lässt, wie Kinder sprechen ? und nicht wie Erwachsene sich das vorstellen oder wünschen." Spielen Kinder in Ihrem Leben eine besondere Rolle? Boris Aljinovic: Na ja klar! Ich bin ja Vater (lacht laut). Ich liebe es auch zuhause vorzulesen, dabei haben wir uns auf dem Hochbett gekringelt vor Lachen. Ich hab' dann nur das mitgenommen, was sich zuhause dabei so ergeben hat. Das ist sozusagen das, worauf ich sehr stolz bin. Also von daher ich bin auch sehr froh, dass das was ich da ehrlich meinte, auch so lobend Anerkennung fand. Das hat mich sehr berührt. Frage: Blicken wir kurz zurück an den Anfang Ihrer beruflichen Karriere. Gab es zu dem Zeitpunkt Vorbilder oder gibt es noch heute noch? Boris Aljinovic: Ja, wechselnd, wechselnd. Frage: Was wäre Ihr großes Vorbild oder ist Ihr großes Vorbild? Boris Aljinovic: (überlegt) Kann ich gar nicht sagen. Also ich wäre gerne in meiner Vorstellung (überlegt) Harrison Ford, das ist glaub ich jedoch so unpraktisch und auch dann auf die Dauer als Vorstellung für mich so langweilig, das die zentrale Vorgabe oder die zentrale Begeisterung für jemanden nicht lange gibt. Damit will ich niemandem zu Nahe treten, denn es gibt ganz viel was man von Kollegen lernen kann, die man nie nachmachen können wird, weil die so eigen sind, aber man kann lernen. Es gibt Schauspieler die mich immer wieder begeistern. Aber selbst welche die fern von mir sind, machen mir großen Spaß. Frage: Sind Sie ein politischer Mensch? Boris Aljinovic: Hmmm, also ich hab mal was aufs Dach gekriegt beim RBB, weil ich mich mit einer leicht grünlich angefärbten Partei doch etwas befasst habe und das macht man wohl nicht, wenn man beim Fernsehen ist. Das hab ich dann auch verstanden, deshalb fällt die Beantwortung der Frage aus Höflichkeit meinem Arbeitgeber gegenüber aus. Frage: Sie leben mit der Schauspielerin Antje Westermann und Ihrem gemeinsamen Sohn in Berlin. Nach ?Ausflügen? nach Hamburg und München sind Sie wieder in Ihrer Geburtsstadt zurückgekehrt, leben und arbeiten hier. Was macht diese Stadt als Lebensmittelpunkt für Sie aus? Boris Aljinovic: Mensch! (begeistert) Da ist mein Theater, da ist meine Schauspielschule, da bin ich groß geworden. Da gibt's alles. Und wenn ich so herumfahre, finde ich hier, na ja, Hamburg ist noch ähnlich, München ist eben sehr, sehr weit weg, Köln geht so und dann ist schon Schluss mit Städten, die mich jetzt als Städter interessieren. Dann müsste man schon nach London fahren oder so. Frage: Wenn Sie nach einem schwierigen Drehtag oder jetzt von einer langen Theatertour Erholung benötigen. Worin finden Sie Ihren Ausgleich? Boris Aljinovic: Ich habe meine Segelfreunden versprochen nicht darüber zu reden (lacht). Frage: In dem Stück Alte Freunde stehen Freundschaft, Treue und Zusammenhalt im Vordergrund. Sie sollten die Grundfeste dieser Beziehungen bilden, driften aber in Chaos und Egoismus ab. Was bedeutet Ihnen persönlich Freundschaft und Treue? Boris Aljinovic: Das Stück ist interessant, das hat diesen Kern und am Ende des Stückes wird es gesagt, ?Kann man etwas ekstatisch leben ohne im Chaos zu versinken??, und eigentlich muss man das können. Freundschaft ist auch eine Form von Ekstase. Hinwendung, Zuneigung, und das können die nicht. Die haben Angst vor dem Chaos. Die machen so dicht, dass sie das nicht packen und im letzten Moment den Freund halt eben hängen lassen. Und im Umkehrschluss ist das schon eine ganz gute Definition für Freundschaft. Das ist(überlegt) - zusammen erfüllt sein, ich kann's auch nicht sagen. Gut ich hab wirklich noch Buddelkastenfreunde - das ist schwer zu toppen. Frage: Sie wollten früher Comic-Zeichner werden. Hinter vielen Comic Figuren verstecken sich oftmals Charakterzüge und Eigenschaften des Zeichners. In welcher Figur würden sie sich selber am liebsten sehen? Boris Aljinovic: Ich hab so einen Helden, hab aber nie die Zeit gehabt, für den Geschichten zu erfinden. Ich kann mich aber nicht mit einer Comicfigur identifizieren, dass konnte ich schon als Zeichner nie, also das ich sage wie wenn ich mir ?Gladiator? auf DVD angucke, dann möchte ich Gladiator sein. Aber so funktioniert das komischerweise bei Comics nicht. Bei Comics identifiziere ich mich vielmehr mit dem Zeichner. Da guck ich mir das an und sage ?mein Gott dieser Aljean, wie der diese Hand dahingekriegt hat oder der und der, da bin ich eher darüber begeistert. Also auch da fehlt mir diese eindeutige Zuordnung, wo ich selbst denke 'und morgen möchte ich zeichnen wie der'. Und dann nehme ich das wieder weg und sag mir, dieses Projekt zeichne ich das mal lieber so. Eigentlich müsste man diese ganzen Stile aus dem Ärmel schütteln können, das muss man doch anwenden können wo's schlumpfig sein soll, wo's möbiusartig in den Science fiction oder in den Westerncomic gehen muss, wo Schraffuren nötig sind und wo sie weg gelassen werden können. Das muss man doch entscheiden können von Fall zu Fall. Insofern ist Film toller (lacht), weil es schneller im Genre wechseln kann als der Comic. Es würde mich wahrscheinlich wahnsinnig machen, jahrelang Comics zu zeichnen und immer einen Strich durchhalten zu müssen. Frage: Was ist der Grund dafür, dass Sie damit aufgehört haben. Boris Aljinovic: Wahrscheinlich warum ich nie damit angefangen habe, Comiczeichner, das sind Leute, die haben das handwerklich gelernt, damit sie adaptieren können, was für den Stoff notwendig ist, das würde mich schon interessieren, aber das Ruder jetzt noch mal herumzureißen, aber vielleicht gibt's ja die Möglichkeit an solche Projekten mitzuarbeiten. Frage: Wie sieht die berufliche Planung für 2008 aus und was können wir vom Schauspieler Boris Aljinovic erwarten? Boris Aljinovic: Es gibt sicherlich ein Theaterstück, das wir am Renaissance-Theater machen wollen und dann gibt's da so ein paar Projekte, die sind noch nicht finanziert, also an denen wird rumgewerkelt. Ich würde unheimlich gern mit dem Film, den wir da vorhaben, nach Estland fahren, aber irgendwie hat sich noch keine Filmförderung gefunden, die sagt ?ja, könnt ihr machen?. Sonst gibt's halt zwei Tatorte und ein Theaterstück, das ist schon nicht wenig. Das würde mir reichen fürs Jahr, das ist nicht wenig zu tun. Frage: Vielen Dank für das Interview und einen aufschlussreichen Einblick über Boris Aljinovic. |
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