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Interview mit Boris Becker "Ich wusste am Morgen, gegen Pete Sampras wird es mein letztes Match." |
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Zum dritten Mal nach 1995 und 1996
stand Boris Becker am 22. März 1998 in der Sat.1-Sendung "ran
persönlich" Reinhold Beckmann Rede und Antwort. In dem
einstündigen Gespräch äußert sich das deutsche
Tennis-Idol zu seinem Mercedes Junior Team, seiner Rolle als
Teamchef der Davis-Cup-Mannschaft sowie dem Tod von seinem Manager
und Freund Axel Mayer-Wölden. Hier einige wichtige
Auszüge!
Boris Becker: Pete Sampras war sicherlich in der Zeit zu stark, aber 6 Monate vorher habe ich ihn noch geschlagen. In dem Moment war es mir aber auch recht, dass ich nicht gewonnen habe. Das war ein perfekter Schnitt. Die Anspannung war sehr groß. Ich wusste es im Vorfeld. Ich wusste am Morgen, gegen Pete Sampras wird es mein letztes Match. Mein Trainer wusste es nicht, meine Betreuer wussten es nicht, meine Frau wusste es nicht. Insofern war der Druck enorm groß. Ich wusste eben, heute ist das letzte Mal. Ich wollte einfach nicht mehr. Das ist so ein Gefühl, das immer stärker wird. Auch in der Vorbereitung, da war ich eben auch so weit, dass ich mit Ach und Krach dann auch die Form geschafft habe. Ich hatte auch eine Verletzung im Oberschenkel und war dann eben auch soweit, dass ich gesagt habe, nein, die Mühen möchte ich nicht mehr auf mich nehmen. Ich möchte nicht mehr 45 Wochen im Jahr nur Tennisspieler sein, was eben die Basis ist, um zu sagen, man ist wirklich noch in der Lage, die Nummer 1 der Weltrangliste zu werden. Das wollte ich nicht mehr, ich habe das 14 Jahre gemacht. Insofern war ich in dem Moment, als ich gegen Pete Sampras verloren habe, wie ein Ballon, wo man mit der Nadel reinsticht und wo dann die Luft rausgeht. Ich war erleichtert, ich war froh, und die Welt war in Ordnung. Frage: Welche Rolle spielt das Mercedes Junior Team jetzt für Sie? Boris Becker: Das Mercedes Junior Team ist eine, aber nicht die einzige Möglichkeit, Talente zu greifen. Kiefer kommt ja auch daraus. Als Nachwuchsspieler kam er im Alter von 18 1/2 Jahren zu uns, in der Weltrangliste irgendwo 180. Wir hatten ein System entwickelt, 14 Monate später, schneller als wir geglaubt hatten, hat er sich eben zu einem Weltklasse-Spieler entwickelt. Ein Idealfall, davon können die anderen im Team und die anderen Nachwuchsspieler in Deutschland auch lernen. Es gab genügend Kritik zum Anfang. Er spielt jetzt für Deutschland im Davis-Cup, und das ist entscheidend. Frage: Wie ist Ihr Verhältnis zu Thommy Haas und Nikolas Kiefer in Miami? Was ich ihnen erklären möchte, ist, dass die Meßlatte nicht bei Becker liegt, sondern ihre Zielsetzung Sampras und Rios sein muss. Hoffentlich stoßen sie ihre Idole bald vom Sockel. Deswegen sind wir ja jetzt in Miami. Damit sie alle mal richtige Tennisspieler werden. Frage: Was ist mit Ihrer eigenen Davis-Cup-Teilnahme? Boris Becker: Göllner hat sich die Schulter ausgekugelt ... und im Moment sieht es so aus, dass Becker und Prinosil in Bremen spielen werden. Frage: Wie sehen Sie Ihre Zukunft und Ihre Rolle im Davis Cup Team? Boris Becker: Ich möchte nicht in der Vergangenheit herumwühlen, die war auch gut, keine Frage. Da wurden auch Fehler gemacht. Bei Amtsantritt, Anfang Oktober, war es so, dass der beste deutsche Spieler, ein Junior namens Nikolas Kiefer, Nummer 49 der Welt war. Bei den all den ATP-Weltmeisterschaften, Grand-Slam-Cups, Rothenbaum, die Möglichkeit, hier zu trainieren, die Hallen, die es in Deutschland gibt, ist es ein Unding, dass wir es nicht schaffen, regelmäßig Top-Twenty-Spieler zu produzieren. Das war eigentlich die Idee dabei. Und Kiefer und Haas sind jetzt auf dem besten Wege, dorthin zu kommen, auch die etwas Älteren schon, Göllner, Prinosil, die Mitzwanziger, die sind ja auch noch gute Spieler. Die legen hoffentlich jetzt auch den nötigen Ehrgeiz an den Tag. Tatsache ist, dass unsere Hauptaufgabe nicht Bremen ist, nicht das Resultat, sondern wir müssen wieder eine Basis schaffen, eine Mannschaft, die auch eine realistische Chance hat, nicht nur die erste Runde zu gewinnen, sondern den Davis-Cup. Frage: welche möglichen Veränderungen im Modus des Davis-Cup sehen Sie? Boris Becker: Einerseits ist natürlich die Faszination groß, nach Brasilien zu fahren und da zu spielen. Das geht über 4 Wochenenden im Jahr, oder Südafrika. Ich wäre lieber nach Südafrika gefahren und hätte dort gespielt als damals in Brasilien. Aber das ist ganz problematisch, weil die Anforderungen an die Spieler heutzutage zeitlich so groß sind, dass diese Wochen, wo man die Woche danach nicht spielen kann, zeitlich kaum noch machbar sind. Die Top-Spieler Sampras und Chang spielen die ersten beiden Runden gar nicht mehr. Auch bei Australien mit Rafter, der macht auch die Anfangsrunde nicht. Es gibt ja die 16 Besten in der Worldgroup. Ich glaube über einen Zeitraum von 10 bis 12 Tagen, auch nicht immer an einem Ort, das kann auch jedes Jahr auf einem neuen Belag, dass auch die Spanier mal auf Sand spielen dürfen, die Amerikaner auf Hartplatz, wir vielleicht auf Rasen oder wo auch immer. Ich glaube, das würde mehr Sinn machen. Das könnte man besser vermarkten. Frage: Was denken Sie über Michael Stich im Bezug auf das Davis-Cup-Team? Boris Becker: Du suchst dir deine Mannschaft, zu der du 100 Prozent Vertrauen hast, es ist ein Geben und ein Nehmen. Das ist kein Geheimnis, dass wir kein großes Vertrauen zueinander haben. Ich glaube, dass ist auch in anderen Bereichen so. Man sucht sich seine Mannschaft zusammen, der man blind vertrauen kann. Und ich glaube, das funktioniert nicht zwischen Stich und Becker. Frage: Wie ist überhaupt Ihr Verhältnis zu Michael Stich? Wenn wir uns sehen, grüßen wir uns und tauschen nette Freundlichkeiten aus. Wir haben Respekt voreinander. Das steht außer Frage. Er war ein sehr erfolgreicher Tennisspieler, der viel für Deutschland getan hat. Man hat eben in den letzten drei, vier Jahren einige Brücken verbrannt, nicht nur mit mir, ich bin kein Einzelfall. Das ist schade, weil er eben vom Tennis sehr viel versteht, aber gut, wir sind beide erst 30 Jahre alt. Vielleicht setzen wir uns in 5 Jahren an den Tisch und trinken ein Bier zusammen und sagen, lass' die Vergangenheit Vergangenheit sein. Jetzt kommt die Zukuft. Im Moment ist das so der richtige Weg. Frage: Zitat von Michael Stich: 'Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ich der bessere Tennisspieler bin, dass ich mehr Möglichkeiten, mehr Talent habe, dass ich von der Warte her der Bessere bin, bloß dass Boris aus seinen Möglichkeiten viel mehr gemacht hat, weil er einfach diese Charaktereigenschaften hat, die er hat, die ihn ausgezeichnet haben, die ihm zu dem gemacht haben, was er ist.' Boris Becker: Talent ist Ballgefühl, Spielfertigkeit, Disziplin, Willensstärke, Konzentrationsfähigkeit, das alles ist Talent. Michael hat bestimmt von den fünf Komponenten zwei gehabt. Aber die anderen drei nicht. Ich habe keine fünf gehabt, Pete Sampras hat fünf, aber ich hab vielleicht drei oder vier gehabt - das macht das Spiel aus. Ich bin ja froh, dass Michael seine Möglichkeiten nicht ausgeschöpft hat. Er war ja schon so ein harter Konkurrent. Michael war ein Spieler, der morgens um 8 Uhr aufstehen konnte und um halb zehn das perfekte Tennismatch abliefern konnte, ohne große Vorbereitung, ohne Waldlauf vorher. Der hat einen Schläger in die Hand genommen und hat grandios gespielt. Er hat nie stundenlang trainiert. Kraftkammern waren tabu für ihn. Er hat aber so viele spielerische Fähigkeiten gehabt. Nur ab einem gewissen Alter, ab 25 Jahren, meldet sich der Körper, meldet sich der Geist und sagt, irgendetwas fehlt jetzt oder die Gegner lernen auch dein Spiel. Du musst Dich weiterentwickeln. Das war ein Problem für ihn. Er hat dann nicht mehr groß etwas gewonnen, aber als Gegner war ich immer froh. Ich habe immer gesagt, wenn Michael einen guten Tag erwischt, bin ich chancenlos. Und viele andere Spieler auch. Er hat mich 6:1, 6:1 am Rothenbaum geschlagen und ich hab gekämpft für die zwei Spiele. Frage: Wie geht es Ihnen nach dem Tod von Axel Mayer-Wölden? Boris Becker: Er war ein ganz enger Freund von Barbara und mir. Ich habe mich lange Zeit nicht erholen können. Habe da auch kein Tennis-Turnier gespielt und mich in der Öffentlichkeit nicht blicken lassen. Wenn man eine Person verliert, die man wirklich liebt, ist das sehr schlimm. Wir waren schockiert, doch das Leben geht eben weiter. Wir haben guten Kontakt mit seiner Frau und den Kindern. Und versuchen da das Verhältnis aufrecht zu erhalten, aber Axel ist jetzt über uns. Er war sehr realistisch, er war sehr offen gegenüber dem Tod, was ich bewundere, weil ich ein großer Angsthase bin. Er hat sich mit ihm auseinandergesetzt, als wäre es ein guter Freund gewesen von ihm. Zum Schluss war er froh, als es soweit war. Er hat alles perfekt vorbereitet gehabt, er hat dem Priester gesagt, wie er die Messe lesen soll. Er hat die privaten Sachen auch gut vorbereitet, wie er auch alle meine Sachen vorbereitet hat. Er hat mir viel mit auf den Weg gegeben. Er kam im richtigem Moment zu mir, in einer wichtigen Phase, die schwierige Trennung von Tiriac, persönlich war ich nicht so gut drauf, und Axel war immer da. Er wird auch das ganze Leben lang bei mir bleiben. Der Tod von Axel hat mir Angst gemacht. Weil man absolut hilflos ist, man kann ja dann gar nichts mehr machen. Er ist ein Mensch, den man liebt, und der geht dann einfach weg. Man kann ihn nicht halten. Da ist man hoffnungslos ausgeliefert. Ich habe vor dem Tod Angst. Das ist die größte Angst, die ich habe. Frage: Wie haben Sie Ihr Zusammentreffen mit Nelson Mandela empfunden? Boris Becker: Das war ein absoluter Highlight in meinem Leben. Das ist ein Mensch, der 27 Jahre im Gefängnis war für eine Lebensphilosopie. Das war sehr beeindruckend. Ich habe eine schwarze Frau. Da haben wir eine kleine Vergangenheit mit Rassismus und mit Gleichberechtigung. Und 27 Jahre, 15 davon in Einzelhaft. Wir waren einmal in seiner Einzelzelle, die ist nicht viel größer als der Tisch hier, und da hat er 15 Jahre gelebt. Er kommt raus, hat eine Aura, ein Lachen auf seinen Lippen, ist nicht bitter. Da war ich absolut sprachlos. Den Abend werde ich nie vergessen. Frage: Sie haben mit dem FC Bayern München gemeinsam trainiert. Spielen Sie jetzt Fußball? Boris Becker: Ich muß gestehen, ich hatte einen fürchterlichen Muskelkater. Ich habe immer Respekt vor Fußballern. Jetzt noch mehr, weil das wirklich Athleten sind. Das ist wirklich Sport. Wenn man selber auf dem Platz ist, ist der Platz unendlich groß und der Ball ist fürchterlich hart, und dann kommt der Gegenspieler. Das ist sehr schwer, Respekt vor den Fußballern. Aber es war ein Kindheitstraum, und ich dachte am Abend vorher, entweder Fußball oder Reiten. Matthäus hat mich abgeholt, ich war nervös, wollte mich ja nicht blamieren. Aber es wurde gespielt, sie haben mich nicht die ganze Zeit veräppelt. Es war wunderbar. Vor einigen Jahren war das wirklich eine Vorstellung von mir, einen Platz bei FC Bayern München einzunehmen, nicht im Verwaltungsrat, sondern als Spieler. Tennis zu beenden, wie Michael Jordan - Baseball, ja, das ist ein Traum von mir, ich versuche es ein oder zwei Jahre. Zum Glück hatte ich vernünftige Freunde um mich herum, die mich gewarnt hatten. Das war vor drei, vier Jahren. Mich reizte das so. Defensives Mittelfeld mit Training und so weiter. Ich bin aber froh nach dem gestrigen Training, dass ich diese Entscheidung nicht getroffen habe. Frage: Es wurde darüber diskutiert, dass Boris Becker in den Verwaltungsrat berufen werden soll! Boris Becker: Verwaltungsrat - mich ehrt das, dass Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß an mich denken. Ich gehe auch gerne zu den Spielen, kenne viele Spieler und den Präsdidenten. Im Moment ist es Tennis, was in 5 Jahren ist, weiß ich noch nicht. Ich bin offen, ich bin sportinteressiert, ich kenne mich aus. Aber genaues kann ich noch nicht sagen. |
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