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Interview mit Corinna Harfouch "Das Schöne an Gerüchen ist, dass erinnern daran wie ein Tagebuch funktioniert." |
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Frage: Haben
Sie den Roman bereits vor den Dreharbeiten gelesen?
Corinna Harfouch: Ja, ich hatte ihn sogar sehr früh, kurz nach Erscheinen, gelesen.
Corinna Harfouch: Es handelt sich hier um eine Geschichte, die auf fast unbeschreibliche Weise unheimliche Spannung und ungewöhnliche Bilder erzeugt. Sie führt den Leser ganz nah an ein menschliches Kellergewölbe heran, und man identifiziert sich beim Lesen mit Grenouille und schaudert angesichts der eigenen potentiellen Möglichkeiten. Das Thema ist also die Darstellung der dunklen Seite in uns, die vom Autor verführerisch ausgebreitet wird und die der Leser folglich einsaugt. Frage: Was war in Ihren Augen die größte Herausforderung bei der filmischen Umsetzung des Stoffes? Corinna Harfouch: Nun ja, auf den ersten Blick war die größte Herausforderung sicherlich die Darstellung, dass jemand nach nichts riecht beziehungsweise dass er selbst alles riecht. Im Roman wird vieles durch den Geruch erzählt. Die noch größere Herausforderung aber ist meiner Ansicht nach, dass wir es mit einer Hauptfigur zu tun haben, von der wir überhaupt keine Handlungsmotivationen erklärt bekommen. Der Leser bleibt mit einem Schrecken und mit ambivalenten Gefühlen zurück. Dieser Grenouille ist einerseits fein und zart, niemals grob, ja ein Künstler, der gleichzeitig seine extrem asoziale Vision zwanghaft ausleben muss. Diese Figur für ein Massenpublikum umzusetzen, das stellte ich mir sehr schwierig vor. Frage: Was ist das Herausragende an Ihrer Filmfigur Madame Arnulfi? Corinna Harfouch: Madame Arnulfi ist eine für ihre Zeit sehr emanzipierte Frau und zugleich eine ?fröhliche Witwe?, wie es immer heißt. Ich stelle mir vor, dass sie die Enfleuragerie von ihrem Mann geerbt hat. Jetzt genießt sie ihren Wohlstand, aber zugleich auch ihren Handwerksberuf, nämlich Essenzen für Parfums herzustellen. Sie besitzt eigentlich viele Eigenschaften: sie ist streng, sehr gläubig und irgendwie ihrer Zeit voraus. Frage: Was war das Schwierigste für Sie bei den Dreharbeiten? Corinna Harfouch: Zum ersten Mal musste ich für eine Rolle Englisch sprechen. Das war für mich sehr seltsam, weil man dadurch auch ganz anders spielt. Der Zuschauer wird am Ende darüber urteilen, wie das Resultat aussieht. Frage: Wie wichtig sind Düfte für Sie? Corinna Harfouch: Ich will meinen Lieblingsduft jetzt nicht verraten. Aber allgemein lässt sich doch sagen, dass unsere gesamten unterschwelligen Gefühle, unsere Antipathien und Sympathien durch Düfte gesteuert werden. Gerüche, die uns unangenehm sind, können zudem für andere wiederum erfreulich sein. Frage: Wie haben die Dreharbeiten gerochen? Corinna Harfouch: In der Enfleuragerie roch es sehr intensiv, aber ich kann nicht genau sagen, ob ich diesen Duft auch für immer im Gedächtnis behalten werde. Das Schöne an Gerüchen ist ja, dass die Erinnerung daran wie ein Tagebuch funktioniert. Etwa bei Gerüchen aus der Kindheit, wenn die wieder auftauchen, dann taucht auch die ganze Palette vergangener Erinnerungen auf. Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Tom Tykwer? Corinna Harfouch: Sehr angenehm, denn Tom Tykwer ist absolut charmant und liebevoll und geht zugleich dynamisch zu Werke. Man kann sich auf ihn verlassen, und ich würde als Schauspielerin immer auf ihn hören, was nicht selbstverständlich ist. Frage: Und welchen Eindruck hatten Sie von Ben Whishaw? Corinna Harfouch: Wenn ich diesen Jungen in seiner Rolle beobachtete, dann wuchsen ambivalente Gefühle in mir. Eigentlich weckte er sofort meine Mutterinstinkte durch diese autistische Attitüde. Ben Whishaw blieb zudem auch in den Pausen immer in seiner Rolle, was bei so jungen Schauspielern eher ungewöhnlich ist. Er war ganz diszipliniert in seinem Spiel. Daher glaube ich, dass der Film unter anderem auch durch seine Präsenz erfolgreich wird. September 2006. Quelle: Constantin Film. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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