Interview mit Detlev Buck
"Das Wichtigste für einen Regisseur ist Beharrlichkeit."
Frage: Hände weg von Mississippi ist gerade abgedreht. Sie sind der Regisseur des Films. Was mögen Sie an diesem Job?

Detlev Buck: Was mag man an diesem Job? Eigentlich, dass ich von einem Film eine Vorstellung habe und die dann umsetzen kann. Bei Hände weg von Mississippi war es nicht allein die Geschichte, dass man ein Pferd rettet. Die große Idee war, die Sommerferien, diese langen, langen, langen Ferien, mit all den schönen Dingen einzufangen.

Solche Sommer habe ich natürlich auch erlebt ? auf dem Land, wo ich groß geworden bin. Wir haben Schweinereiten gemacht, sind Erdbeeren klauen gewesen, mit Sahne ? all diese Dinge, die in dem Film zu sehen sind, haben wir auch erlebt. Solche Erinnerungen versucht man, in die Geschichte einzuarbeiten und mit umzusetzen.

Frage: Gab es Schwierigkeiten beim Dreh?

Detlev Buck: Man sagt eigentlich: Drehe nie mit Kindern oder Tieren. Tieren kann man sagen, was man will, die haben ihr eigenes Ding im Kopf. Man kann mit Tieren nicht so planen wie sonst. Selbst wenn sie nur abgespritzt werden müssen, rennen sie plötzlich weg.

Mit kleinen Kindern ist das ähnlich: Wer mal mit einem echten ?Star? drehen möchte, muss mit einem Dreijährigen drehen. Da treffen dann folgende Nachrichten ein: ?Er ist da, wir müssen uns aber beeilen und seine Szene zuerst drehen, sonst kriegt er schlechte Laune und macht nicht mehr mit.?

Nach dem ersten Take fragt er ?Wie war?s? und man kann ihn auch mit größtem Aufwand nicht zu einem zweiten Take bewegen. ? Er fragt: ?Warum muss ich das zwei Mal machen.? Dann muss er sich ausruhen und die Natur erkunden. Schließlich kommt er wieder und bedankt sich für den Trecker mit Frontlader, ist aber schon nicht mehr im Kostüm und auf Abreise.

Ein paar Tage später hat er einen weiteren Drehtag. Auf meine Frage: ?Wann kommt er denn?? lautet die Antwort: ?Er kommt nicht mehr. Er mag das Filmen nicht.? Das sind Stars! Echte Stars! Ich glaube nicht, dass Sie ein Interview von ihm kriegen.

Aber Zoë hat das ganz toll gemacht, sie ist ja die Hauptdarstellerin und das ist für ihre neun Jahre schon eine sehr große Verantwortung. Das war ihr vielleicht am Anfang nicht so bewusst, aber sie merkte das natürlich bald. Auch, dass Drehen sehr, sehr anstrengend ist, obwohl es am Set durchaus spielerisch zuging.

Frage: Wie arbeitet man beim Film mit einem Pferd?

Detlev Buck: Beim Pferdecasting fährt man zu den Pferden, die kommen ja nicht zu uns. Also haben wir uns mehrere Pferde angeguckt und uns dann für Baghira entschieden. Baghira ist sehr temperamentvoll, eine sechsjährige Stute, die für die Actionszenen ideal war. Aber für die Reitszenen war sie nicht so geeignet, weil sie dann nicht wußte, was sie machen soll. Soll sie Ärger machen oder soll sie brav sein.

So eine Unberechenbarkeit ist natürlich gefährlich. Also haben wir ein zweites Pferd dazu genommen, das war Hera, und mit ihr die Reitszenen gedreht. Das macht man aber eigentlich immer so: Man nimmt mehrere Pferde, die unterschiedliche Sachen können.

Man arbeitet aber auch aus Sicherheitsgründen mit mehreren Pferden, und um die Pferde nicht zu überfordern oder zu sehr zu stressen. Außerdem ist es ein Fallback, wenn sich ein Tier so aufregt, dass man den Dreh eigentlich abbrechen kann und sechzig Leute sagen: ?Heute hat das Pferd keine Lust und wir gehen nach Hause.? Da ist man froh, wenn man ein zweites hat und nimmt dann das.

Frage: Wie sind Sie zu diesem Film gekommen?

Detlev Buck: Über die Boje Buck Produktion. Flora, die Tochter von Wenka, der Dramaturgin, hat das Buch geliebt, Wenka hat das Buch besorgt, Claus (Boje) hat?s gelesen, man hat?s optioniert, dann wurde das Drehbuch von Maggie und Stefan geschrieben. Bis dahin war ich noch gar nicht dabei.

Dann hat Claus zu mir gemeint: ?Vielleicht hast du Lust, da mitzumachen? ? als Produktion suchen wir auch immer unterschiedliche Regisseure. Und dann ? im Winter ? habe ich gesagt: ?Oh Mann, ich hätte so Lust auf Sommer auf dem Land.? Und so haben wir?s gemacht.

Frage: Wie lange dreht man an einem Film?

Detlev Buck: Das kommt drauf an. Meistens so zwischen sechs und acht Wochen. Ganz große Produktionen können aber wesentlich länger dauern. Der Kameramann, mit dem ich Männerpension gedreht habe, hat jetzt ?Harry Potter? gemacht und war ein ganzes Jahr am Dreh. Für Hände weg von Mississippi haben wir acht Wochen gebraucht.

Frage: Was muss man als Regisseur eigentlich unbedingt können?

Detlev Buck: Der erste Lehrer, den ich hatte, hat zu mir gesagt: Eine Idee zu haben ist eine Sache, eine Idee zu Ende zu bringen, ist eine ganz andere. Ich glaube, das Wichtigste für einen Regisseur ist Beharrlichkeit. Dass er die Idee, die er von dem Film hat, beharrlich versucht umzusetzen. Auch wenn man mal einen Fehler macht. Dass man die dann eingesteht und trotzdem weiter macht.

Frage: Eine letzte Frage noch: Was ist Ihr Grundgefühl zu diesem Film?

Detlev Buck: Mein Grundgefühl? ?Ach, ist das schön, wo ist dieser Ort, da möchte ich auch leben.?

Detlev Buck. Foto: Delphi Filmverleih
Detlev Buck ist Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzent. Nach seinem Studium an der DFFB gründete er 1991 mit Claus Boje die Boje Buck Produktion, die beide seither gemeinsam betreiben.

Für seine Filme erhielt Detlev Buck zahlreiche Preise, darunter den Bayrischen Filmpreis für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm Karniggels sowie den Deutschen Filmpreis in Silber für den Besten Film für Wir können auch anders ... und Knallhart.

Als Schauspieler wurde Detlev Buck 2004 mit dem Deutschen Filmpreis in Gold als Bester Nebendarsteller (Rolle des ?Karl? in Herr Lehmann unter der Regie von Leander Haussmann) ausgezeichnet.

Filmplakat. Foto: Delphi Filmverleih
Detlev Buck. Foto: Delphi Filmverleih

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