Interview mit Dirk Oehling
"Software kann pädagogisch hochwertvoll sein!"
Frage: Was ist für Sie ein "schlaues Computerspiel"?

Dirk Oehling: Für besonders geeignet halte ich Spiele, die zwei Ziele gleichrangig im Auge behalten: das zu vermittelnde Wissen und die Motivation des Spielenden. Das beste Lernspielkonzept wird keinen Erfolg bringen, wenn die Spieler das Spiel schon nach kürzester Zeit nicht mehr spielen wollen - und demnach auch nichts mehr lernen können.

Frage: Muss ein Kinder-Computerspiel immer pädagogischen Ansprüchen gerecht werden?

Dirk Oehling: Ich fände ich es natürlich optimal, wenn es nur noch Computerspiele gäbe, die einem spielpädagogischen Anspruch gerecht werden. Der ist allerdings anders als der Anspruch der Schule. Spiele, deren Inhalte keinerlei Zusammenhang mit Lehrplänen erkennen lassen, können spielpädagogisch gesehen hochwertvoll sein.

Frage: Gibt es Zertifikate für derartige Spiele, nach denen sich Eltern beim Kauf richten können?

Dirk Oehling: Noten und Kurzzitate aus gängigen PC-Zeitschriften sind nicht unbedingt aussagekräftig, wenn man die Bewertungskriterien nicht kennt. Verlässlicher sind Empfehlungen von Zeitschriften, die sich mit der Kindererziehung beschäftigen. Hier kommen dann auch pädagogische Meinungen ins Spiel.

Besonders empfehlen kann ich das Gütesiegel "Clever", das von der ZUM (Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet) vergeben wird. Hier werden alle Betroffenen (Schüler, Lehrer, Eltern, Fachleute) in die Tests der Software eingebunden, was nicht nur etwas über die Qualität, sondern auch über die Praxistauglichkeit aussagt.

Ein Blick ins Internet lohnt sich. Wer eine Fachkraft persönlich kennt, kann sich natürlich auch direkt von ihr beraten lassen.

Frage: Sollten Kinder Edutainmentspiele zeitlich begrenzt spielen, ähnlich wie bei anderen Games auch?

Dirk Oehling: Eine Begrenzung der Zeit macht schon alleine aus gesundheitlichen Gründen Sinn. Dem Körper des Kindes ist es egal, ob das Kind am PC lernt oder sich anderweitig beschäftigt. Kinder sollten sich vielseitig beschäftigen können - und da ist der PC eben nur eine unter vielen Möglichkeiten.

Frage: Wie können Eltern bei Kinder-Computerspielen einbezogen werden?

Dirk Oehling: Beim Spielen selbst können die Eltern gar nicht einbezogen werden - sie können sich nur selbst einbeziehen. Interesse an dem, was das Kind am PC macht, sollte man schon haben. Wenn das Kind ehrliches Interesse erkennt und keine reine Überwachung, so wird es auch gerne die Eltern mit einbeziehen.


Oktober 2008. Quelle: tEXTRAtour. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich.
Dirk Oehling. Foto: Werksfoto
Dirk Oehling
 

Dirk Oehling, geboren 1972 in Mettlach (Saarland), ist seit neun Jahren Diplom-Pädagoge. Ab 1999 war er ein Jahr lang als Erzieher in einem Heim in Tholey tätig, seitdem arbeitet er in einer Wohngruppe der Kinder- und Jugendhilfe.

Dirk Oehling absolvierte an der Akademie Remscheid eine vierjährige Fortbildung mit Qualifikation zum Spielpädagogen. Er ist Mitglied im Netzwerk Spielpädagogik. Mit dem Verein "Flinke Flöhe Merzig" engagiert sich Dirk Oehling ehrenamtlich im Bereich Kinder- und Jugendarbeit.

Wenn sie kindgerechte Inhalte haben und in ihrer Machart motivieren, können Spiele für die Förderung von Kindern sehr wertvoll sein. Dirk Oehling macht täglich entsprechende Erfahrungen mit Kinder-Software. Denn als Spielpädagoge setzt er diese Programme ein, verrät er im Interview.

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