Interview mit Else Buschheuer

"Genau genommen ist das der geilste Job der Welt."

Die ProSieben-Wetterfee Else Buschheuer über ihren ersten Roman "Ruf! Mich! An!", ein entlarvend komischer, erfrischend bösartiger und schockierender Roman über das moderne Leben in einer deutschen Großstadt wie Berlin. Frage: Wieviel Else steckt in Paprika? Sieht Ihr Privatleben auch so destruktiv aus?

Else Buschheuer: Paprika und ich teilen die Vorliebe für Kino, Fernsehen, große Betten und anfallartiges Essen von Billigprodukten. Paprika hat ein super Selbstbewusstsein. Ich nicht. Ich bluffe nur. Manche Phobien teile ich mit Paprika. Ich wollte schon als Kind niemandem die Hand gegen. Ich verabscheue Massenansammlungen - ich nenne dies das "1.-Mai-Syndrom" - die machen mich heute noch ganz krank.

Es gibt in meinem Buch Ruf! Mich! An! eine Marathon-Szene, die ist mir wirklich passiert. Das war vor meiner Haustür. Da mussten mich wirklich Sanitäter raustragen.

Frage: Wen wollen Sie mit Ihrem Buch Ruf! Mich! An! erreichen? Wollen Sie überhaupt jemanden erreichen? Oder haben Sie sich "nur" Ihren Frust von der Leber bzw. Seele geschrieben?

Else Buschheuer: Das ist sogar ein Buch mit einer versteckten Botschaft, obwohl ich Botschaften sonst hasse. Sie lautet: Geht! Ins! Kino! Wer soll das Buch nun lesen? Na, in erster Linie alle Randgruppen, die ich beleidige. Bei bol.de hat sich ein ganz betroffener Broilere zu Wort gemeldet, der hat total die Hasskappe auf!

Frage: Sie sind doch selbst ein "Broiler". Laufen Sie nicht Gefahr, dass man Ihnen Nestbeschmutzung vorwirft?

Else Buschheuer: Meine Mutter wirft mir vor, ich wolle mich damit bei den Wessis einschleimen. Glaub ich aber nicht, jedenfalls nicht bewusst. Nachdem sie das Buch gelesen hatte, war sie zwei Tage schockiert und ist erleichtert, darauf bestanden zu haben, dass meine Helden niemals Eltern haben. Ich glaube, dass ich als assimilierter Ossi instinktiv versuche, westlicher zu sein als die Wessis. Ich hab da einen richtigen inneren Zensor. Ja kein Ost-Wort sagen! Wimpernspirale statt Mascara oder, tödlich, 2-Raum-Wohnung! Dann bist du sofort geoutet.

Frage: Ihr Buch im Handel zwischen Lind, Hauptmann oder Fried? Was empfiehlt die gelernte Bibliothekarin?

Else Buschheuer: Nicht in die Ostecke, nicht in die Frauenecke, auf keinen Fall in die Berlin-Ecke! Ich empfehle: Direkt neben der Kasse!

Frage: Was macht eigentlich eine "TV-Wetterfee" den ganzen Tag?

Else Buschheuer: Ich arbeite immer zehn Tage am Stück, dann habe ich drei oder vier Tage Pause und fahre nach Hause, nach Berlin. Wenn ich in München bin und Dienst habe, schlafe ich tierisch lange, frühstücke nie, trinke Kaffee, kaufe mir am Isartor eine Butterbrezn, fahre dann mit der S-Bahn nach Unterföhring, bin am frühen Mittag im Büro. Dann legt mit der Meteorologe einen fertigen Text vor. Den schreibe ich komplett um, was er mittlerweile auch verwinden kann. Danach erarbeite ich mit dem Grafiker, welche Webcam-Bilder von welchen Städten aus aller Welt wir nehmen. Wenn die Texte fertig sind, gehe ich eine Stunde in die Maske und suche mir zusammen mit meiner Stylistin die Klamotte des Tages aus.

Am späten Nachmittag ist die Aufzeichnung im Studio, erst N24, dann ProSieben. Dann hänge ich noch'n bisschen im Büro ab. Ich habe meist gegen 18 Uhr Feierabend, früh genug also fürs Kino. (überlegt)

Genau genommen ist das der geilste Job der Welt. Ich muss nicht plötzlich irgendwo hinfliegen. Ich habe immer rechtzeitig Feierabend, um ins Kino zu gehen oder zu schreiben. Ich finde, das Wetter ist - temporär - eine tote Insel. Noch besser wäre eine Wissensshow wie "Jeopardy" oder "Jeder gegen Jeden", wo man Fragen von kleinen Zetteln abliest und dabei schlau kuckt, alle Folgen an ein, zwei Tagen aufzeichnen kann und ins Kino gehen kann - das wär's! (verklärt blickend) Das wäre das Himmelreich! Möglichst viel Geld verdienen mit möglichst wenig Arbeit!

Frage: Sie leben in Berlin und München. Wir wollen natürlich wissen, wo man Sie in München treffen würde! Was sind Ihre "Ins" und "Outs" für München?

Else Buschheuer: In: Das "Lechthaler" neben dem "Vier Jahreszeiten". Da sitzen immer Boris und Babs und Strunz und Lothar Matthäus und Thomas Gottschalk. Das ist wahnsinnig inspirierend, die ganzen Schickis und atemberaubend schöne Groupies zu beobachten. Solche Recherchen lob' ich mir. Das Filmmuseum, wo zur Zeit eine geile Alfred Hitchcock-Retrospektive läuft, was wieder mal keinen Menschen interessieren wird. Und Butterbrezn, am liebsten fertig geschmiert von der Bäckerei-Kette "Müller".

Out: Kaputte Rolltreppen. Vor allem immer dann, wenn ich mit meinem 20-Kilo-Trolley aus Berlin komme. Der ist mit Büchern und Scripten und Schuhen und anderem Kram vollgestopft, den muss ich dann hochschleppen. Da schieben sich athletische Männer an mit vorbei, mit einem saloppen "Gestatten Sie mal?" Aber keine Sau hilft.

Frage: Was sagen Sie dazu, dass Ihre Lesung in Leipzig nicht so viel Beifall bekam?

Else Buschheuer: Auf meiner ersten Lesung in Leipzig habe ich zwei Dinge gelernt. Erstens: Man soll nicht länger als eine Stunde lesen, sonst hat keiner mehr was zu trinken.

Zweitens: Man soll nach Möglichkeit nicht über seinen eigenen Text lachen, auch wenn er lustig ist, sonst steht das am nächsten Tag in der Zeitung. Aber ich weiß jetzt auch, dass es mir großen Spaß macht, aus meinem Buch vorzutragen und freue mich schon auf alle neuen Termine.

Else Buschheuer. Foto: WDR
Else Buschheuer: Ruf! Mich! An!

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