Interview mit Korn-Gitarrist James 'Munky' Shaffer
"Die Branche hat einen schweren Schlag durch das Downloaden bekommen."
Frage: Korn haben einen Grammy für den Song "Here to stay" bekommen. Wo hast Du den Preis hingestellt?

James 'Munky' Shaffer: Hinten in meinem Badezimmer. Wir haben schon einige Auszeichnungen erhalten: zum Beispiel den MTV Video Music Award, diesen Mondmenschen, dann einen Grammy für den Song "Here to stay" (Best Metal Performance). Das ist cool.

Es ist schön, Anerkennung zu erhalten, aber gleichzeitig bedeutet das uns als Band nicht viel. Wichtig ist, dass unsere Fans loyal sind und dass wir sie mit einbeziehen in die Dinge, die wir tun. Das ist viel wichtiger für uns.

Frage: "Untouchables" kam im letzten Sommer raus, danach seid ihr lange auf Tournee gewesen. Um so erstaunlicher ist es, dass ihr jetzt schon wieder eine Platte fertig habt.

James 'Munky' Shaffer: Wir haben schon vor dem Tourstart an neuen Songs gearbeitet. Wir haben die Songs von "Untouchables" geprobt, und im Verlauf des Sets - wir begannen mit alten Stücken und dann kamen die neueren - entstand eine Art Energie.

Diese neuen Ideen waren sehr gut, passten aber nicht zum Rest der Setliste. Also sind wir noch mal ins Studio gegangen und haben mehr Songs geschrieben, zu denen die Leute springen und headbangen können. Damit konnten wir die ultimative Konzert-Setliste zusammenstellen, bei der unsere Fans am Ende nach Luft schnappen werden.

Frage: Die neuen Stücke klingen geradliniger und härter, gerade so, als wären sie direkt für eure Live-Konzerte geschrieben worden. War das Absicht?

James 'Munky' Shaffer: Als wir mit den Aufnahmen begannen, hatten wir keine spezifische Richtung für die Songs. Wir haben große Eröffnungen mit viel Melodien geschrieben, dann wurden die Riffs härter. Das fühlte sich beim Spielen viel natürlicher an, und an diesem Punkt begannen die Songs, Gestalt anzunehmen. Die härteren Riffs gewannen jede Abstimmung in der Band.

Frage: Dieses Mal habt ihr das Album selber produziert. Macht es dieser Umstand nicht noch komplizierter, weil man keinen Abstand zur eigenen Arbeit hat?

James 'Munky' Shaffer: Wir wollten die Platte selber produzieren, und wußten, dass es Herausforderungen geben wird. Dazu gehört auch, keine sechste Person dabei zu haben, die uns hilft, wenn wir mal vom Weg ab kommen. Das war manchmal frustrierend, aber hauptsächlich hat es ´ne Menge Spaß gemacht.

Wir haben zusammen gejammt und hatten eine gute Zeit. Und wir wussten: wenn wir Spaß hatten, dann waren wir auf der richtigen Spur. Jonathan und das Pro- Tools- System waren unsere Produzenten. Jonathan hat uns angespornt. Er sagte: "Jungs, hört auf fernzusehen und Basketball zu spielen, damit wir schreiben können".

Er hat uns während des Schreibens und des Aufnahmeprozesses motiviert. Und wenn er merkte, dass wir uns in eine bestimmte Richtung bewegen oder einen neuen Sound ausprobierten, zu dem er nicht singen wollte oder konnte, stoppte er uns. Auf diese Art haben wir kaum Zeit verschwendet. Wir haben effektiv gearbeitet.

Bei der letzten Platte haben wir auf jede Note, jeden Beat, jeden einzelnen Ton geachtet. Dieses mal wollten wir den Moment festhalten. Es zum Leben zu bringen ohne ihm dabei das Leben auszusaugen.

Frage: Für "Untouchables" habt ihr gut 4 Million Dollar ausgegeben. Die Verkäufe lagen aber bei "nur" 1,5 Million verkaufter Exemplare. Hatten geschäftliche Belange wie diese Auswirkungen auf eure Arbeit? Musstet ihr Geld sparen und schneller fertig sein?

James 'Munky' Shaffer: Nein, so war das nicht. Wir wollten eine Platte machen, weil wir kreative Ideen hatten, die wir verarbeiten wollten. Wir wollten etwas schaffen, das beim Spielen aufregend ist und nicht zu sehr durchdacht.

Ich denke weiterhin, "Untouchables" ist eine großartige Platte, die uns die Chance gab, Melodien und andere Dinge zu entdecken, die wir vorher nicht benutzt haben. Wir haben durch diese Platte eine Menge gelernt, und vieles davon haben wir für das neue Album verwendet.

Wir haben ja auch den selben Sound-Ingenieur benutzt, weil der wirklich gut darin ist, bestimmte Töne zu finden und genug Raum für Gitarre und Bass zu schaffen, so dass sie sich nicht in die Quere kommen. All das hat uns eine Menge Klarheit für die neue Platte gegeben.

Frage: Was haltet ihr von Leuten, die Erfolg mit Verkaufszahlen messen? Kümmert ihr Euch um eure Verkäufe?

James 'Munky' Shaffer: Jeder, der mehr als eine Million Platten verkauft, ist erfolgreich. Das ist großartig, so was schaffen nicht viele Bands. Ganz besonders mit der Musik die wir machen. Ob eine Platte erfolgreich ist oder nicht, diese Entscheidung liegt bei uns, und zwar vor der Veröffentlichung der Platte.

Wir bringen kein Album raus, wenn wir uns nicht gut dabei fühlen. Mit diesem Album bin ich wirklich glücklich. Als kreative Mitglieder der Band fühlt es sich für uns erfolgreich an. Ich denke, wir waren erfolgreich damit, eine Platte zu machen, die wir zu diesem Zeitpunkt machen wollten.

Frage: Es gibt ein Stück auf der Platte mit dem Titel "You all want a single". Was hat es damit auf sich?

James 'Munky' Shaffer: Dieses Stück ist ein großes "Fuck you" an unser Management und unsere Plattenfirma. Nachdem wir die Ozzfest-Tour gespielt hatten, wollten wir zurück ins Studio, um mehr Songs zu schreiben. Denn es fühlte sich noch nicht nach einem ganzen Album an.

Und zum ersten Mal machten Management und Label Druck auf uns. Sie sagten, sie hätten gerne einen Song wie "Freak on a Leash" oder "Got the Life". Wir erklärten sie für verrückt. Der Refrain der Nummer ist: "You all want a Single? Say Fuck that".

Frage: Aber muss sich eine Band von der Größe wie Korn so was gefallen lassen? Gibt es wirklich Typen, die euch sagen wo es lang geht?

James 'Munky' Shaffer: Für uns ist klar: wir machen unsere eigenen Regeln. Das hält uns kreativ glücklich. Wir wollen immer neue Sachen ausprobieren, und normalerweise stehen Management und Label 100prozentig hinter uns. Mit dieser einen Single - wobei es keine Singleauskopplung wird - wird das wahrscheinlich so enden. Es wird eine große Nummer werden, und dann lachen die anderen zuletzt.

Frage: Jonathan sagte, einer der Gründe für die schlechten Verkaufszahlen von "Untouchables" war, dass das Album schon Monate vor der Veröffentlichung im Internet stand. Habt ihr aufgrund dieser Tatsache die Sicherheit um das Album Take A Look In The Mirror erhöht? Bislang ist noch nicht einmal das Cover veröffentlicht worden. Es gibt Gerüchte darüber, aber gesehen hat es noch niemand.

James 'Munky' Shaffer: Jedes Bandmitglied hat eine Kopie der gemasterten CD. Aber die sind nicht in einem Safe verschlossen. Ich habe meine zuhause zwischen meinen anderen CDs. Wir wollen einfach, dass die Leute neugierig sind. Es wäre ja sonst so, als ob man seine Weihnachtsgeschenke vor Weihnachten aufmacht.

Uns ist natürlich klar, dass die Platte im Netz landen wird und die Leute sich das Album brennen werden. Deswegen haben wir eine DVD dazu getan (was im Moment ja viele Bands machen), wir haben ein 20-seitiges Booklet mit vielen alten Fotos. Wir wollen Neugier auf diese Platte machen.

Das letzte Mal gab es keine, weil die Songs schon bekannt waren. Wir wollen die Überraschung auf das Booklet, das Cover und so weiter aufrecht halten. Auf der DVD wird eine Menge lustiges Zeug zu sehen geben.

Frage: Lass uns über Hip Hop und Metal reden. DJ Lethal (House of Pain / Limp Bizkit) sagte in der Los Angeles Times, daß einige Bands das Rap/ Metal- Genre regelrecht gemolken haben, und das es an der Zeit ist, vorwärts zu gehen und andere Dinge zu machen. Was denkst Du darüber?

James 'Munky' Shaffer: Vielleicht empfinden sie so. Vielleicht wollen sie weiter gehen, weil sie das Gefühl haben, alles gemacht zu haben. Es ist nur ein wenig merkwürdig, dass so ein Statement von einem DJ in einer Band kommt. Wir haben Nas als Gast auf dem Album. Hip Hop ist immer noch ein großer Einfluss für uns. Die Art wie Fieldy und David zusammenarbeiten: sie spielen Hip Hop Beats.

Head und ich spielen Metalriffs dazu und Jonathan schreit drüber. Wir sagen nicht: dieses Mal machen wir keinen Hip Hop, weil das einfach unmöglich ist, denn das ist Teil unserer individuellen Persönlichkeiten.

Wir wollen uns in jeder Richtung ausdrücken, auch wenn es mal mehr Hip Hop hier, ein wenig mehr Metal da oder einige Melodien dort sind. Es ist wirklich verrückt, dass ein DJ so was sagt. Was wird er in Zukunft machen? Wird er seinen Job verlieren? Ich meine, er ist ein toller Typ. DJ Lethal ist cool.

Frage: Wie seid ihr auf Nas gekommen?

James 'Munky' Shaffer: Er ist nicht jemand, der in jedem Feature auftaucht. Für uns hat er immer noch jede Menge Glaubwürdigkeit. Es ist nicht wie bei Snoop Dogg, der Cola-Werbung macht. Wir haben auch nicht versucht, 50 Cent zu bekommen.

Wir wollten keinen berühmten Rapper, wir wollten jemanden, der aus seinen Erfahrungen auf der Strasse erzählt. Er passt einfach zu dem Track. Unser Management hat ihn angerufen, und zum Glück hatte er Zeit. Er war in New York, wir in Los Angeles und das ganze ging per ISDN-Leitung. Es war trotzdem so, als ob er im Aufnahmeraum sein würde, das war wirklich cool.

Frage: "Did my Time" (aus dem Film "Tomb Raider II") war die erste Single vom neuen Album. Für das Video habt ihr Ausschnitte aus "Tomb Raider II" benutzt - habt ihr Angelina Jolie persönlich getroffen?

James 'Munky' Shaffer: Nein, nie. Sie war am Set in Montreal/Kanada, wir steckten in den Proben zur Ozzfest-Tournee in Los Angeles. Sie konnte nicht weg, wir auch nicht, und so ist das ganze mit Green Screen entstanden.

Frage: Warum war der Song nicht auf dem Soundtrack zu "Tomb Raider II"?

James 'Munky' Shaffer: Wir wollten die Rechte an dem Track behalten. Unser Label kam mit der Idee, und wir dachten es wäre gut, wenn wir den Fans zur Tournee neues Material präsentieren können. Sonst hätten wir ja das selbe wie bei den letzten Konzerten gespielt.

Der Deal war so: Die Filmmacher bekommen den Song für eine bestimmte Summe, aber wir wollen die Nummer auf unser Album packen. Das Label war einverstanden, und so lief es dann auch.

Frage: Wusstet ihr, daß das englische Kerrang!- Magazin "Untouchables" zu einem der schlechtesten Albumcover aller Zeiten gekürt hat?

  • Oktober 2002
  • Scorpions - Lovedrive (1979)
  • Black Sabbath - Born Again (1983)
  • Stryper - Soldiers Under Command (1985)
  • Immortal - Battles In The North (1995)
  • Morbid Angel - Covenant (1993)
  • Marilyn Manson - Mechanical Animals (1998)
  • Metallica - Metallica (1991)
  • Sepultura - Morbid Visions (1986)
  • Korn - Untouchables (2002)
  • Guns n' Roses - The Spaghetti Incident (1993)
  • James 'Munky' Shaffer: Nein. Ich bin froh, daß Du nicht Album gesagt hat. Das ist wirklich lustig. Die Herausgeber vom Kerrang haben das Recht auf eine eigene Meinung, und sie nutzten das ausgiebig. Das macht dieses Magazin so amüsant.

    Frage: Für MTV Icon-Metallica habt ihr "One" gecovert. Warum?

    James 'Munky' Shaffer: Wir haben Teile daraus immer schon während des Soundchecks gespielt. Metallica hatten immer schon einen großen Einfluss auf uns.

    "One" ist ein acht-Minuten-Stück, und wir mussten es auf vier Minuten kürzen. Also haben wir die Schlüsselelemente herausgenommen und den Song zusammengestrichen. Das war schwierig, weil jeder Teil des Songs wichtig ist. Außerdem ist er im 6/8-Takt, das war eine wirkliche Herausforderung.

    Wir wollten nicht einfach "Enter Sandman" spielen und dann von der Bühne gehen. Wir wollten einen Song, den Metallica auch genommen hätten, und über dessen Auswahl sie sich freuen würden. Dieses Stück war ihr Durchbruch. Es hat viele Grenzen überschritten und Metal ein wenig mehr zum Mainstream gebracht.

    Es beginnt mit einer einzigen Gitarre und endet in Raserei- es schickt dich auf eine Reise. Es ging uns darum, Metallica Respekt zu erweisen und uns selber herausfordern, indem wir eins ihrer schwereren Stücke wählen.

    Frage: Es war zu erfahren, daß ein großer Teil der Melodien für die neuen Stücke in Jonathans Tourbus entstanden sind. Was die Frage impliziert: mit wie vielen Nightlinern seid ihr eigentlich unterwegs? Ihr fahrt doch nicht jeder im eigenen Bus?

    James 'Munky' Shaffer: Doch, jeder hat seinen eigenen. Weil wir alle so unterschiedlich sind. Jonathan zum Beispiel trinkt nicht mehr, trotzdem kommt er zu den Partys vorbei. Wir machen das, um auch noch die nächsten 10 Jahre weiter machen zu können.

    Alle in einem Bus - das ist genau so, als ob du mit den Leuten zusammen wohnst, mit denen du arbeitest. Ihre Familien sind immer mit dabei. Wir sind in der Band alle Brüder, aber wir brauchen eben manchmal eine Pause von einander.

    Frage: Ihr habt eure Tourbusse von dem Pornostar Jill Kelly sponsoren lassen. Ist es nicht etwas lächerlich, einerseits mit diesen Bussen durch die Gegend zu fahren, aber andererseits eine Radio-Version der Single "Right now" zu produzieren, bei der das "Fuck" rausgeschnitten wird?

    James 'Munky' Shaffer: Das ist der Bus von Jonathan. Jill Kelly und vier ihrer Mädchen sind auf den Bus geklebt, an der Seite steht die Internetadresse. Jonathan macht das, um seine hohen Bus-Rechnungen zu bezahlen. Immerhin kostet ein Nightliner 600 Dollar am Tag.

    Es geht nur darum, die Busse zu bezahlen. Und es ist ja nicht Coca Cola. Es ist immer noch Sex, Drugs und Rock'n Roll, also im selben Genre wie wir.

    Frage: Du hast ein Nebenprojekt mit Leuten von System of a Down namens "KCUF". Was hat es damit auf sich? (www.crazywhitesean.com/kcuf/)

    James 'Munky' Shaffer: Ich habe einen Freund in Amsterdam. Er heisst Crazy White Sean. Er versucht, ein Projekt zusammen zu stellen. Ich habe ihn und einige Musiker nach Los Angeles gebracht, wir sind ins Indigo Ranch Studio gegangen, haben einige Songs aufgenommen und hatten eine Menge Spaß.

    Die Bänder liegen bei mir zu Hause rum, er hat die fertigen Mixe. Es liegt an ihm, damit zu tun was er will.

    Frage: Diese Songs würden sicherlich eine Menge Eurer Fans interessieren. Warum bringt Ihr die nicht auf eurem eigenen Label raus (Elementree Records)?

    James 'Munky' Shaffer: Ich sage Dir was: die Plattenbranche hat einen so schweren Schlag durch das Internet-downloaden bekommen, das es im Moment für jeden neuen Künstler wirklich schwer ist, einen Deal zu bekommen.

    Frage: Ein letztes Wort zu Euren Tourplänen für die Zukunft? Werden wir euch bei den Sommer- Festivals sehen?

    James 'Munky' Shaffer: Ja, wie werden bei den Sommer-Festivals spielen. Vorher spielen wir in Süd-Ost Asien, da waren wir noch nie. Wir sind sehr aufgeregt, dort hin zu kommen: Hongkong, Manila, Korea, Bangkok. Danach werden wir wohl nach Japan und Australien gehen. Dort waren wir seit sechs Jahren nicht mehr, und die wollen uns endlich mal wieder sehen.

    James 'Munky' Shaffer. Foto: Sony BMG

    Korn veröffentlicht am 24. November 2003 in Deutschland ihr aktuelles Album Take A Look In The Mirror. Aus diesem Anlass gab Gitarrist James 'Munky' Shaffer am 15. Oktober 2003 in Berliner Hotel "Four Seasons" ein Interview.

    Die Fragen stellte Jakob Kranz.

    Korn. Foto: Sony BMG
    Korn: Take A Look In The Mirror

    Werbung: Korn bei Amazon.de bestellen:


    ThemenChannel Interview-Magazin von Familie-im-Web

    Quelle: Sony BMG © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken