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Interview mit Jessica Schwarz "Die Frauen hatten damals einen anderen Bezug zu Farben." |
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Frage: Haben
Sie den Roman ?Das Parfum? bereits vor dem Dreh
gelesen?
Jessica Schwarz: Ja, ich habe das Buch bereits im Alter von 14 Jahren gelesen und seitdem gehört es zu meinen Lieblingsbüchern. Ich finde es bemerkenswert, dass ein Autor es geschafft hat, seinen Lesern den Geruchssinn so nahezubringen.
Die Liebe, die Grenouille als Kind nicht gefunden hat, versucht er später mit seiner Liebe zu Düften zurückzuholen. Es geht also in diesem Stoff auf jeden Fall um Liebe. Frage: Was war daher die größte Herausforderung bei der Umsetzung? Jessica Schwarz: Ich finde es sehr mutig, dass sich Tom Tykwer an die lang erwartete Verfilmung dieses anspruchsvollen Stoffes herangewagt hat. Ich denke, weil man ?Das Parfum? auf Papier bringen konnte, musste es auch möglich sein, den Stoff auf Zelluloid zu bannen. Auch im Buch hat es funktioniert, dass man den Duft wahrnimmt. Man brauchte eigentlich nur den richtigen Darsteller für Grenouille, um zu zeigen, was Duft bedeutet. Frage: Beschreiben Sie Ihre Rolle der Prostituierten Natalie. Jessica Schwarz: Über Natalie gibt es eigentlich gar nicht viel zu erzählen. Sie ist das erste Mädchen, das Grenouille für die Gewinnung seines Parfums tötet. Ich würde sagen, dass Natalie als Prostituierte sicher nicht mit ihrer Situation zufrieden ist, aber sie versucht, das Beste daraus zu machen. Gegenüber Grenouille hegt sie von Anfang an großes Misstrauen, aber sie kann gegen seine dominante Art nur schwer ankommen. Frage: Wie war die Arbeit ganz allgemein an diesem historischen Projekt? Jessica Schwarz: Da ich noch nie bei einem historischen Film, der im 18. Jahrhundert spielt, mitgemacht habe, stellten die Dreharbeiten eine große Herausforderung für mich dar. Ich bekam zwar vier Tage lang ein so genanntes Dialogue Coaching, um in die englische Sprache hineinzukommen. Aber es ist definitiv nicht einfach, sich dann so urban und schmutzig zu geben, wie das bei Mädchen im 18. Jahrhundert der Fall war. Da mussten die Kostüme und das Make-up ihren Teil dazu beitragen. Frage: Und wie haben Sie dies erlebt? Jessica Schwarz: Ich hatte ein Original-Korsett aus dem 18. Jahrhundert an, und man fragt sich dann schon, wer damals darin gesteckt haben mag. Das gibt einem gleich ein wunderbares Gefühl. Großartig war auch die Maske. Die Frauen hatten damals einen anderen Bezug zu Farben. Das Motto lautete: je mehr, desto besser. Ich bekam also rote Wangen, schwarze Augen und einen auberginefarbenen Mund geschminkt und kam mir vor wie eine Malerpalette. Aber diese Art zu schminken war damals attraktiv, was heute unvorstellbar ist. Trotzdem habe ich mich sehr ?wild? gefühlt und konnte daher auch gut loslassen, was das Spielen letztlich vereinfacht hat. Frage: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Tom Tykwer empfunden? Jessica Schwarz: Ich fand es interessant, wie Tom Tykwer arbeitet, denn er geht so enthusiastisch zur Sache. In den 12 bis 14 Stunden meines Drehtages hat er es geschafft, etwas Magisches zu erarbeiten. Gerade weil ich nur diesen einen Tag hatte, musste ich ja alles geben. Das war auch deshalb nicht leicht, weil ich nackt vor einem ganzen Drehteam stand. Tom Tykwer lässt die Kamera in der Regel weiterlaufen und die Dialoge wiederholen, um jeweils eine andere Färbung hineinzubekommen. Das hat mich anfangs schon verwirrt, weil man sich ob der vielen Wiederholungen nie ganz klar war, wie zufrieden er war. Diese Gewissheit musste ich mir am Ende erst einmal konkret einholen. Und Tom Tykwer hat mir versichert, dass er sehr zufrieden mit meiner Leistung war. Frage: Und wie intensiv haben Sie mit Ihrem Kollegen Ben Whishaw gearbeitet? Jessica Schwarz: Die Zusammenarbeit mit Ben Whishaw war ebenfalls sehr angenehm. Ich glaube, er ist ein sehr zurückhaltender und sehr liebenswerter Mensch. Er hatte ja die Aufgabe, mich ?anzuspielen?. Und das hat er mit einer derartigen Präzision gemacht, dass ich mich fast schon schuldig gefühlt habe, weil ich zwar ebenfalls versucht habe, alles so akkurat wie möglich zu machen, aber Englisch eben doch nicht meine Muttersprache ist. Trotzdem hat er immer, wenn ich mich deswegen entschuldigte, gesagt: ?Ganz ruhig, ich verstehe das!? Er hat alles mit dieser wunderbaren Sanftheit aufgenommen und mir dadurch eine große Sicherheit vermittelt. Ben Whishaw schafft es, diesen Antihelden Grenouille durch seine Ausstrahlung auch als verletzbaren Charakter zu zeigen. Dadurch wird bei den Zuschauern so etwas wie Mitleid und vielleicht auch Sympathie geweckt. Diese Gefühle braucht es schließlich, um solch einen Menschen den ganzen Film über überhaupt begleiten zu wollen. Frage: Welche Gerüche waren für Sie am intensivsten während der Dreharbeiten? Jessica Schwarz: Sicherlich die auf dem Fischmarkt-Set mit den in der heißen Sonne schmorenden Fischen und den Unmengen an Pferdemist. Das war sehr intensiv und für Schauspieler und Komparsen, die den ganzen Tag im Matsch herumstaksten, auch sehr anstrengend. Leider habe ich die Lavendelfelder nicht erleben dürfen. Ein interessanter Duft strömte zudem aus meinem Kostüm, den ich jedes Mal in die Nase bekam, wenn ich mich ankleidete. Das war ein alter Duft, den ich sehr gerne mag. Frage: Was bedeuten Düfte ganz allgemein für Sie? Jessica Schwarz: Ich bin ein sehr sinnlicher Mensch. Sicherlich ist der Duftsinn dabei sehr wichtig, denn man sagt zu Recht, man kann jemanden riechen oder man kann ihn nicht riechen. Der menschliche Duft kann enorm darüber entscheiden, ob man mit jemandem zusammen sein kann. Also macht Duft auch Liebe aus. Letztlich sind aber alle Formen von Düften wichtig für mich, gerade auch die beim Essen. Ich liebe es, manchmal stundenlang an einem Kissen zu riechen oder auch nur den Geruch von Regen auf heißen Steinen. Es gibt tausende Düfte, für die ich sterben würde. Daher macht es für mich auch Sinn, darüber ein Buch und jetzt auch einen Film zu machen. September 2006. Quelle: Constantin Film. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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