Interview mit Karoline Herfurth
"Ben Whishaw ist gegenüber seinen Partnern sehr freundlich und zugewandt."
Frage: Welchen Duft hat Ihre Rolle des Mirabellen-Mädchens?

Karoline Herfurth: Ich glaube, es hat wohl eher Grenouille beschäftigt, welchen Duft meine Rolle hat. Es ging daher für mich vielmehr darum, eine bestimmte Illusion zu erschaffen. Was meine Figur darstellt, ist sie Grenouilles Illusion, seine Projektionsfläche für all das, was er sich wünscht.

Paris im 18. Jahrhundert ist eine grausame und menschenunwürdige Stadt. Es gibt nichts Zärtliches, es geht einfach nur ums nackte Überleben. Es interessiert sich auch niemand für den anderen.

In der Begegnung zwischen Grenouille und dem Mirabellen-Mädchen aber treffen sich zwei verwandte Seelen, die beide ähnlich offen sind für Sinnlichkeit und Zärtlichkeit und ein Gespür für alles haben, was jenseits der Realität steht.

Dieser kurze Moment ist eigentlich eine sehr liebevolle Begegnung und vielleicht auch ein Sinnbild für die Liebe an sich.

Frage: Also ist Liebe das Grundthema der Geschichte?

Karoline Herfurth: Im Roman war für mich das Hauptthema Grenouilles Erkenntnis, dass er die menschliche Anerkennung mit künstlichem Duft erkaufen kann.

Im Drehbuch wiederum findet er in dem Mirabellen-Mädchen jemanden, der ihn richtig anschaut und ihn dadurch ?zulässt?. Man kann auch sagen: Dadurch, dass sie ihn erkannt hat, ist er geworden. Daher handelt das Drehbuch stärker von Liebe, als es der Roman tut.

Frage: War das schwer darzustellen?

Karoline Herfurth: Meine Rolle habe ich eigentlich dadurch gefunden, dass ich mich über die damalige Zeit informiert habe. Ich merkte dabei schnell, dass all das, was man in der Literatur findet, nicht auf die einfache Welt des Mirabellen-Mädchens oder Grenouilles zutrifft.

Die Welt eines Grenouille findet dort nicht statt. Daher habe ich quasi in Abgrenzung von dieser realen Welt meine Figur gefunden, habe sie in Verbindung mit dieser Sinnlichkeit erfahren, die Grenouille sucht.

Frage: Wie wichtig waren Kostüm und Maske?

Karoline Herfurth: Enorm wichtig. Sobald ich eine Probe in meiner eigenen Kleidung hatte, war es anders, als wenn ich mit authentischem Kleid und Haube sowie mit dem Make-up auftrat. Erst dann konnte ich in eine andere Welt eintauchen und alles andere vergessen.

Frage: Wie fühlten Sie sich, als Sie das Angebot bekamen, im Film mitzuwirken?

Karoline Herfurth: Als ich das Angebot bekam, war ich allein schon so froh, dass ich mir gar nicht erlaubte, auch an eine Zusage zu glauben. Ich war gerade mit meinem Freund in St. Petersburg, als dann noch die Zusage kam. Da habe ich vor Freude geschrien und bin durch die Gegend gehüpft. (lacht)

Letztlich bin ich daher froh, dass es aufgrund des Rechteerwerbs so lange gedauert hat, dieses Buch zu verfilmen, damit ich endlich alt genug werden konnte, um in diesem Film mitzuspielen.

Frage: Wie war die Arbeit mit Tom Tykwer?

Karoline Herfurth: Es war eine sehr schöne Zusammenarbeit. Im Vorgespräch haben wir gemerkt, dass wir sehr übereinstimmen. Und Tom Tykwer hat sofort gemerkt, was ich meinte. Wir haben uns also ohne viele Worte ergänzt, was zu einer sehr befriedigenden und konzentrierten Arbeit geführt hat.

Frage: Und wie war die Zusammenarbeit mit Ben Whishaw?

Karoline Herfurth: Ben Whishaw arbeitet sehr konzentriert und ist gegenüber seinen Partnern sehr freundlich und zugewandt. Aber er steckte unheimlich tief in seiner Rolle drin. Es war sehr faszinierend, ihn dabei zu beobachten, wie er sich als Grenouille bewegte und spielte.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Bernd Eichinger?

Karoline Herfurth: Er ist ein sehr liebevoller und an allen Belangen interessierter Produzent, bei dem ich mich sehr wohlgefühlt habe. Dabei hatte man bei ihm nicht die Befürchtung, dass da jemand im Hintergrund aufpasst.

Ich glaube, ihm liegt das Projekt wirklich sehr am Herzen, und er will daher auch, dass alles hundertprozentig stimmt. Das hat weniger mit Geld zu tun als damit, dass eben das Projekt als solches für ihn so wichtig ist. Das ist ein gutes Gefühl, weil einem dadurch der Rücken freigehalten wird.

Frage: Welche Dufterinnerung nehmen Sie vom Set mit?

Karoline Herfurth: Ich erinnere mich eher an die Metropole Barcelona, wobei mir der Geruch nach fauligem Wasser und Chlor in die Nase sticht. Beim Dreh selbst kommt mir Licht ins Gedächtnis, da meine Figur von einer Art Lichtschein umgeben ist.

Frage: Was bedeuten Gerüche ganz allgemein für Sie?

Karoline Herfurth: Meine beste Freundin sagt von mir, dass ich ein sehr geruchgesteuerter Mensch sei und Menschen sogar lediglich an deren Geruch erkennen könne.

Gerüche lassen einen an Gefühle in deren ganzer Komplexität erinnern. Aus diesem Grund könnte ich wohl auch nicht in Barcelona leben, da ich die Gerüche dieser Stadt nicht mag.


September 2006. Quelle: Constantin Film. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich.
Karoline Herfurth. Foto: Constantin Film
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Infokasten:

Karoline Herfurth spielt die Rolle des Mirabellen-Mädchens in der deutschen Kinoproduktion Das Parfum, die am 14. September 2006 in den deutschen Kinos startet.


Karoline Herfurth. Foto: Constantin Film
Karoline Herfurth, Ben Whishaw. Foto: Constantin Film
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Karoline Herfurth, Ben Whishaw. Foto: Constantin Film
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Filmplakat. Foto: Constantin Film
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Karoline Herfurth über die Dreharbeiten:
 
Karoline Herfurth über die Arbeit mit Ben Whishaw:
 

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