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Interview mit Kirsten Rick "Ein Dorf, das ist kein Ego-Trip, sondern eine Gemeinschaft." |
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Frage: Ihr
neuer Roman Frischluftkur spielt, nach dem sehr
erfolgreichen "Schlüsselfertig", wieder in einem Dorf in der
norddeutschen Provinz. Warum sind Sie noch einmal dorthin
zurückgekehrt, anstatt sich einen neuen Schauplatz zu
suchen?
Kirsten Rick: Erst einmal: Ich selbst kehre jede Woche in ein Dorf zurück, weil meine Eltern dort wohnen und meine Kinder betreuen, während ich schreibe. Sie weigern sich bislang standhaft umzuziehen. Und ich mag die Überschaubarkeit des Ortes für die Geschichten, die ich erzählen will. Natürlich könnte man sie auch in der Großstadt ansiedeln - doch da wäre es konstruiert, wenn jeder jeden kennt. Im Dorf ist das vollkommen normal.
Kirsten Rick: Natürlich interessiert mich das Leben anderer Menschen (lacht). Bisher habe ich allerdings mit einer recht altmodischen Methode gearbeitet: dem Verhör. Die Technik habe ich in meinem Job bei der Zeitschrift Amica und als freie Journalistin perfektioniert. Das hat viel Spaß gemacht: Ich durfte fremden Menschen wie Mariah Carey, Lenny Kravitz oder Ricky Martin die unmöglichsten Fragen stellen - und die haben immer geantwortet. (Es klingelt an der Tür.) Das wird der Paketbote mit den bestellten Überwachungskameras sein (lacht). Frage: Wenn Sie Ihrem Roman Frischluftkur einen erklärenden Untertitel geben müssten - welcher wäre es: a) Eine Außenseiterballade mit Herz, b) Ein heiterer Frauenroman, c) Eine fast wahre Geschichte? Kirsten Rick: Ich nehme a). Antwort b) stimmt auch, glaube ich. c) ist eindeutig falsch. Frage: Und trotzdem hat ihr erster Roman bei einigen Bewohnern Ihres Heimatortes Ramelsloh für Aufregung gesorgt - eine Zeitung fragte sogar, ob Sie eine Nestbeschmutzerin sind. Hand aufs Herz: Waren die vermeintlichen Ähnlichkeiten Zufall oder Absicht? Kirsten Rick: Die Gegend ist traditionell recht arm an Skandalen, deshalb nimmt die Zeitung, was sie kriegen kann (lacht). Ähnlichkeiten mit einigen Gebäuden und Strukturen waren beabsichtigt, Ähnlichkeiten mit Personen gab es jedoch nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass einige Leute aus dem Dorf ihre Phantasie sehr angestrengt haben, um sich doch in dem Buch wieder zu finden. Das Spiel wird bei Frischluftkur in eine neue Runde gehen. Frage: Und dafür liefern Sie reichlich Ansatzpunkte, denn in Frischluftkur steht keine Einzelfigur im Mittelpunkt, sondern Sie lassen ein großes Ensemble auftreten - von der schüchternen Marlies über eine skrupellose Firmenchefin bis hin zum knurrigen Zitterkalle. Warum? Kirsten Rick: Weil erst alle zusammen ein richtiges Dorf ergeben. Ein Dorf, das ist kein Ego-Trip, sondern eine Gemeinschaft. Oder viele Ego-Trips auf einem Haufen. Frage: Wenn Sie einen Tag mit einer Ihrer Figuren verbringen dürften - welche wäre es? Und warum? Kirsten Rick: Auch, wenn die alle erfunden sind: Ich habe jetzt ungefähr ein Jahr mit ihnen verbracht. Das reicht langsam. Die sollen sich jetzt mal neue Freunde suchen. Ich werde sie aber weiterhin überwachen (lacht). Frage: Eine der Protagonistinnen aus Frischluftkur wird das Dorf verlassen und einen Bestseller schreiben ... da drängt sich die Frage auf: Trägt diese Figur vielleicht doch biografische Züge von Kirsten Rick? Kirsten Rick: Nein. Den autobiografischen Bestseller spare ich mir für später auf. |
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