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Interview mit Luc Besson "Wir begaben uns auf ein Abenteuer, das viereinhalb Jahre dauerte." |
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Frage: Sehen
Sie Arthur und die Minimoys als Tribut an die Welt der
Kindheit?
Luc Besson: Sicherlich. Ein Philosoph hat mal gesagt: ?Das Kind ist der Vater des Mannes.? Alles, was wir wissen, lernen wir von unseren Erfahrungen als Kind. Daher ist es meiner Meinung nach nur richtig, das Kind ins uns zu respektieren und zu huldigen. Es ist interessant zu bemerken, dass Kinder eine engere Bindung zur und mehr Respekt für die Natur haben als vermeintlich weiterentwickelte Erwachsene.
Luc Besson: Patrice Garcia und seine Frau Céline traten mit einem Vorschlag für eine Fernsehserie an mich heran. Sie hatten ein kurzes Drehbuch geschrieben, das auf einer Geschichte über kleine Elfen basierte. Das war das erste Mal, dass ich eine Zeichnung von Arthur, der damals noch nicht diesen Namen trug, und den Minimoys sah. Ich fand ihr Universum ziemlich faszinierend, fühlte mich aber von der Idee einer Serie nicht angesprochen, so dass ich vorschlug, es als Spielfilm zu versuchen. Das erschien ihnen zu ehrgeizig und sie erbaten sich Bedenkzeit, was höchst verständlich war. Schließlich bedeutete ein Spielfilm, dass aus dem kleinen, überschaubaren Projekt ein Unternehmen werden würde, an dem 350 bis 400 Menschen beteiligt wären. Da besteht natürlich das Risiko, dass der hochgeschätzte familiäre Touch, den es zu Beginn hatte, verloren geht. Letzten Endes entschieden sie sich aber, es auszuprobieren, und wir begaben uns auf ein Abenteuer, das viereinhalb Jahre dauerte. Frage: Was war der erste Schritt in Richtung einer Realisation dieses Abenteuers? Luc Besson: Nachdem wir uns entschieden hatten, einen Spielfilm zu drehen, rief ich Emmanuel Prévost an, einen Produzenten, den ich kannte und der beträchtliche Erfahrung mit Animationsfilmen hatte. Patrice Garcia kannte ihn ebenfalls und so sammelten wir gemeinsam Ideen, wie wir das Projekt weiter vorantreiben könnten. Die große Frage war, wie wir das technisch umsetzen können. Wir wollten nicht den kompletten Film in 3D drehen, sondern auch reale Elemente und Studiokulissen verwenden. So betrat der vierte Musketier die Bildfläche: Pierre Buffin. Ich hatte mit ihm schon bei einem Videoclip für Madonna zusammengearbeitet und bei den Spezialeffekten für einige meiner Filme. Seine technische Kompetenz ist weltweit anerkannt. Wir wollten mit dem Projekt in Europa bleiben, daher erschien uns Pierre als idealer Mitarbeiter. Also stieß er zu unserer kleinen Gruppe, in der jeder die Position und die Talente der anderen respektierte. Frage: Was wussten Sie selbst über Animation, bevor Sie mit diesem Film anfingen? Luc Besson: Absolut gar nichts. Ich war ein völliger Neuling, ging die Sache aber an wie jeden anderen Film auch: Ich wollte eine Geschichte erzählen und Charaktere zum Leben erwecken. Da gab es keinen Unterschied zu meinen vorangegangenen Filmen. Trotzdem war natürlich die Art und Weise, wie dieser Film entstehen sollte, eine komplett andere. Es gab nicht einen Regisseur, der hinter der Kamera sitzt, sondern 200 Menschen an ihren Computern. Technisch war das absolutes Neuland für mich. Dennoch ist es wahrhaftig der Film eines Regisseurs geworden, der eine neue Technik verwendet, und nicht der eines Technikers, der versucht einen Film zu inszenieren. Frage: Wie sind Sie an diese neue Technik herangegangen? Luc Besson: Ein Genie namens Pierre Buffin entwickelte ein System, das es ermöglicht, die Bewegungen eines Schauspielers zu filmen ohne auf die üblichen Markierungspunkte zurückgreifen zu müssen. Es stand mir komplett frei, die Schauspieler so zu inszenieren wie ich es wollte. Das ist vollkommen neu! Ich kann nicht im Detail erklären, wie er das gemacht hat, aber er hat es gemacht und ich war absolut ehrfürchtig. Das war das beste Material, das ich den Animatoren geben konnte. Ich wollte ihnen nicht jeden Tag im Nacken sitzen, denn sie sind zu gut in dem was sie tun. Indem ich die Schauspieler aus verschiedenen Kamerawinkeln aufnahm, konnte ich den Animatoren eine ganze Bandbreite von Bezugspunkten für die Gesichtsausdrücke, das Lächeln, das Verhalten usw. zur Verfügung stellen. Ich selbst bin kein großer Technologie-Fan ? ich habe noch nicht einmal einen Computer oder eine E-Mail-Adresse ? und meine Inspiration kommt hauptsächlich vom Leben um mich herum, vom wahren Leben. Obwohl sie mich fasziniert, versuche ich daher mich vor der virtuellen Welt zu schützen, und umgebe mich stattdessen lieber mit Mitarbeitern, die Technik lieben. Frage: Haben Sie nie in Erwägung gezogen, den gesamten Film in 3D zu drehen? Luc Besson: Was 3D-Filme angeht, ist Pixar das Maß der Dinge und Dreamworks nur einen Schritt dahinter. Statt in ihrem Gebiet zu wildern, fand ich es interessanter, etwas Neues zu schaffen, etwas, das noch niemand vorher gemacht hatte. Das ist bei diesem Film der Fall, der 3D-Charaktere in Action vor 3D-Kulissen zeigt, die auf tatsächlichen Modellen basieren. Wir haben ja die riesigen Pilze, die im Film zu sehen sind, tatsächlich gebaut! Das gibt diesem einzigartigen Film seine Qualität und den letzten Schliff. Das ist unsere Art, mit den großen Firmen zu konkurrieren, verglichen mit denen wir winzig klein erscheinen. Frage: Wie ist die Finanzierungsstruktur bei einem Big Budget-Film wie diesem? Luc Besson: 65 Millionen Euro sind natürlich eine Menge Geld, und die ersten beiden Jahre mussten wir den Film komplett selbst finanzieren. Es ist unmöglich potentielle Partner fünf Jahre vor Filmstart zu überzeugen, indem man ihnen eine Skizze zeigt und zusichert, dass der Film großartig werden wird. Bevor man ihnen nicht wirklich etwas zeigen kann, ist die Sache ziemlich schwierig. Nach zwei Jahren Arbeit und dank der ersten Bilder, die wir produziert hatten, konnte ich auf die meisten ausländischen Investoren, mit denen ich regelmäßig zusammenarbeite, vertrauen, was eine große Hilfe war. Außerdem war da Atari, die das Risiko eingingen und vor drei Jahren mit ins Boot kamen, als es noch sehr wenig Handfestes gab. Das war eine großartige Idee, denn ihr Animationsteam konnte mit unseren Jungs zusammenarbeiten und zwei Jahre lang Ideen austauschen. Und das sieht man der endgültigen Fassung des Computerspiels auch wirklich an. Frage: Hatten Sie eine Vorstellung von den Dimensionen des Projekts? Luc Besson: Zum Glück war ich mir dessen nicht bewusst, als ich mit diesem Abenteuer begann. Ich dachte, es würde sicher eine ganze Weile, aber nicht fünf komplette Jahre meines Lebens in Anspruch nehmen. Nach zwei Jahren hatte ich ein ziemliches Tief, als es nach all der Arbeit immer noch nicht wirklich etwas zum Vorzeigen gab. Das muss man sich einmal vorstellen: nicht eine Sekunde Film nach zwei Jahren! Pierre Buffin muss das gespürt haben, denn er zeigte mir die ersten paar Sekunden nur eine Woche später. Frage: Steckt viel von Ihnen in Arthurs Charakter? Luc Besson: Ja, zu 50 Prozent ist er wie ich. Die meisten Kinder machen in ihren Familien Erfahrungen von Trennung und Verlust und das ist immer ein Trauma. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, die mich tief betroffen haben, und das kann man in den gefühlsgeladensten Szenen des Films sehen. Ein bisschen von mir steckt auch in Selenia, ein bisschen in Beta und sogar in Max. Da ich selber mehrere Kinder habe, weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, Themen wie Moral und Respekt ? sowohl für andere als auch für sich selbst ? mit ihnen anzusprechen. Die Geschichte von Arthur aufzuschreiben und ihn Antworten auf all diese Fragen finden zu lassen, war für mich auch ein Weg mit meinen eigenen Kindern zu sprechen. Mir hören sie nicht zu, aber wenn es Arthur ist, der spricht, bedeutet ihnen das viel mehr. Frage: Welchen Einfluss hatten Sie auf das Design der Charaktere? Luc Besson: Einfluss ist nicht das richtige Wort. Patrice Garcia und sein großartiges Team haben stapelweise Vorschläge gemacht, und wie der Kapitän eines Schiffes habe ich die Richtung entschieden und abschließende Entscheidungen getroffen, während ich immer wieder den wunderbaren Beitrag aller Beteiligten betonte. Frage: Trifft das auch auf Selenia zu, die offensichtlich besonderer Aufmerksamkeit bedurfte? Luc Besson: Ja, sie war ein Albtraum für die Design-Abteilung! Während die meisten Charaktere wie der König und Beta im zweiten Produktionsjahr fertig waren, wurde an Selenia vier Jahre lang permanent herumgebastelt. Es gab immer noch ein neues Detail, um das man sich kümmern musste ... Sie ist eben eine echte Prinzessin! Frage: Wie sind Sie an die Besetzung der Live-Action Szenen herangegangen? Luc Besson: Wir hatten immer im Hinterkopf, dass es eine Fortsetzung geben würde, denn Arthur und die Minimoys ist eine Trilogie. Wenn man also darüber nachdenkt, mit wem man arbeiten möchte, fasst man nicht nur das Talent der Betreffenden ins Auge, sondern auch ihre Persönlichkeit. Sie müssen zuverlässig sein. Außerdem müssen das natürlich auch Menschen sein, mit denen man gerne fast eine ganze Dekade verbringen möchte. Aus diesem Blickwinkel waren Freddie Highmore und Mia Farrow perfekt, denn sie haben das Talent und die Persönlichkeit. Frage: Freddie Highmore ist besonders beeindruckend für sein Alter. Wie haben Sie ihn ausgewählt? Luc Besson: Das Casting war ziemlich mühsam, weil ich zwischen Frankreich, Großbritannien und den USA hin und her flog. Es ist nicht ganz einfach, so einen jungen Hauptdarsteller zu besetzen; er muss die Unschuld eines Kindes haben und die Professionalität eines Schauspielers, denn wir verlangen ja von ihm permanent, dass er spielt, seine Dialoge beherrscht und die Markierungen trifft. Ich hatte Schwierigkeiten, mich zwischen drei englischen Jungen und zwei US-Amerikanern zu entscheiden. Dann schlug ein Casting Director, der eigentlich gar nicht an dem Projekt arbeitete, vor, mir einige Fotos von Freddie Highmore anzusehen. Charlie und die Schokoladenfabrik war gerade fertig, also schaute ich ihn mir an und wusste sofort Bescheid. Wenn ein Kind so viel besser ist als der Rest, dann sticht einem das sofort ins Auge und man denkt nicht zweimal nach. Ich schätze mich sehr glücklich, dass mir das bereits zum zweiten Mal passiert ist. Das erste Mal war es mit Natalie Portman, die schon im Alter von 11 Jahren umwerfend war. Und nun eben mit Freddie Highmore, der nur ein klein wenig älter, aber genauso beeindruckend ist. Frage: Mia Farrow ist eine ungewöhnliche Wahl ... Luc Besson: Man findet selten eine Schauspielerin, die wie sie erst junge romantische Heldinnen spielte, später Mütter und nun, in einer sehr natürlichen Fortentwicklung, Großmütter. Sie ist so offensichtlich süß und gutmütig. Sie liebt Kinder und das Vorlesen von Geschichten. Über sie musste ich nicht sehr lange nachdenken. Frage: Und schließlich sind da auch noch die hochkarätigen Sprecher ... Luc Besson: Bei Disney und Pixar wurde schon so ziemlich jede Kombination ausprobiert. Es ist schwer einen Hauptdarsteller zu finden, der seine Stimme noch nie einem Animationsfilm geliehen hat. Ich wusste von Anfang an, dass ich Snoop als Max haben wollte. Ich liebe einfach seine Ausstrahlung und seine Musik. Nachdem er eine Illustration der Figur sah, sagte er sofort zu, und das veranlasste mich, andere Künstler für die Stimmen der anderen Charaktere anzufragen. Madonna, die ich glücklicherweise schon seit einiger Zeit kenne, war so flink und effizient wie immer. Ich rief sie an, sie sagte zu, wir nahmen ihren Part auf. Und was David Bowie angeht: Er ist ein reines Genie. Es war ein Traum, mit ihm zu arbeiten. |
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