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Interview mit Martina Gedeck "Mir hat gefallen, dass jemand auf dem Vulkan tanzt." |
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Frage:
Erzählen Sie etwas über Ihre Rolle. Was für eine
Frau ist Christa-Maria Sieland?
Martina Gedeck: Sie ist Schauspielerin und steckt fest in der Mühle drin, das ist ja auch das Thema des Films. Sie macht Zugeständnisse, lässt sich auf eine Affäre mit dem Minister ein, um überhaupt spielen zu können.
Erzählt wird ja aus der Sicht von Wiesler. Es geht um das, was Wiesler sich erträumt, was er in dieses Paar hineinprojiziert. Etwas, was in ihm beinahe abgestorben ist, hat sich in ihrer Person externalisiert und findet in der Beziehung zu ihrem Partner eine Form, die er schützen möchte. Tatsächlich ist ihre Beziehung zu Dreyman aber gar nicht so, wie er sich das denkt, sondern es ist eine sehr oberflächliche Beziehung ohne echtes Vertrauen und tragenden Grund. Sonst würde das nicht auf diese Weise enden und auseinander brechen. Sie misstrauen einander, tabuisieren Dinge, die thematisiert werden müssten zwischen sich nahe stehenden Menschen. Das führt dazu, dass sie auf diese Liebe nichts gibt. Sonst würde sie sich nicht umbringen. Frage: Sie sprechen von Selbstmord ? ist es nicht ein Unfall? Martina Gedeck: Es ist ein herbeigeführter Unfall, eine Affekthandlung. Christa-Maria steckt immer den Kopf in den Sand. Als sie dann mit ihrem Verrat konfrontiert wird, ist ihre Scham so groß, dass sie mit einer Kurzschlusshandlung reagiert. Frage: Hat die Rolle Sie gleich angesprochen? Was dachten Sie, als Sie das Drehbuch lasen? Martina Gedeck: Sehr gereizt hat mich, dass der Versuch unternommen wird, einen Film zu drehen, der sich ganz ernsthaft mit dieser Thematik beschäftigt. Diese absolute Einsamkeit, in der man sich befindet, wenn man sich nicht mehr mitteilen kann aus Angst davor, das Falsche zu sagen. Das ist ein Lebensgefühl, das die Menschen sehr prägt und verändert. Frage: Sie haben oft starke, kämpferische Frauen gespielt, die ?Martha? etwa oder auch Ihre Brigitte Reimann ... Martina Gedeck: Christa-Maria ist keine Heldin. Mir hat gefallen, dass jemand auf dem Vulkan tanzt. Sich fast glamourös innerhalb einer verlogenen Lebenssituation bewegt. Dem liegt eine gewisse Härte und Pragmatik zugrunde. Dieses Praktische, Kalte hat mich gereizt. Das Weinerliche, Opferhafte ist mir unangenehm. Wenn es sentimental und gefühlig wird, habe ich Bedenken. Frage: Gab es eine besonders schwierige Szene, an die Sie sich erinnern? Martina Gedeck: Am schwierigsten war für mich die Todesszene auf der Straße, sowohl emotional als auch wegen der Minustemperaturen draußen ? ich musste nackt im Bademantel auf der Straße liegen. Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrem Filmpartner Sebastian Koch? Martina Gedeck: Das war natürlich sehr schön, denn wir durften eine sehr spannungsvolle Beziehung darstellen, wo er der eher Naive ist. Wenn sich das Misstrauen langsam herauskristallisiert ... das hat viel Futter und ging leicht von der Hand. Meine Lieblingsszene ist die, wo er sie zur Rede stellen möchte. Und sie mit großer Klarheit antwortet und sich und ihre Lügen verteidigt: ?Du gehst doch genauso mit denen ins Bett.? Sie bekennt sich nicht schuldig, sondern sagt, jetzt lass uns mal Tacheles reden. Das ist ein sehr poetischer Text und eine große Herausforderung, das gut zu spielen. Frage: Wie haben Sie die Arbeit mit Florian Henckel von Donnersmarck empfunden? Martina Gedeck: Weil er das Drehbuch geschrieben hat, weiß er ganz genau, was ihn an der Geschichte interessiert. Er ist sehr stark vom Verstand bestimmt und man kann auf einer gleichberechtigten Ebene mit ihm über Inhalte sprechen. Das war sehr wichtig für uns alle: die dezidierte Durchdringung dieses sehr komplexen Stoffes im Vorfeld. Die Dreharbeiten verliefen äußerst freudvoll und intensiv. Er hat seine Schauspieler ungeheuer geliebt. Es ist etwas sehr Schönes, wenn man so auf Händen getragen wird. Aber er hat uns auch sehr viele, lange Arbeitsstunden abverlangt. Das ist ein liebenswerter Zug bei Anfängern: Sie können kein Ende finden und möchten am liebsten alles noch mal machen. Frage: Hat Sie persönlich etwas mit der DDR verbunden? Martina Gedeck: Ich habe nicht in der DDR gelebt, mich aber über die Arbeit an der Brigitte Reimann (in ?Hunger auf Leben?) intensiv mit dem Thema beschäftigt. Das hat mir jetzt geholfen. Es war in meiner Vorstellung also schon ?ganz normal?, dass es so was wie die Stasi gibt, dass man abgehört wird und trotzdem weiterlebt. Das hat mir Sicherheit gegeben, weil ich keinen moralischen Standpunkt einnehmen musste, sondern mich auf mein Spiel konzentrieren konnte. Wie bewegt sich diese Frau, wie spricht sie, womit ist sie wirklich beschäftigt? Sie hat ihre eigene Welt mit eigenen Sehnsüchten, die ganz unabhängig von diesem Schriftsteller ist. Die Schauspielerei ist ihr Lebenselixier. März 2006. Quelle: Buena Vista. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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