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Interview mit Martina Kerscher "Bis zur Pubertät können Babyprodukte durchaus verwendet werden." |
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Frage: Frau
Professor Dr. Kerscher, was ist eigentlich bei der Babyhaut
anders?
Martina Kerscher: Die Babyhaut ist in gewissem Sinne noch unreif. Sie ist dünner, nur etwa ein Drittel so dick wie Erwachsenenhaut. Außerdem produziert sie noch keine Talgdrüsenlipide, ist durchlässiger und kann den Säureschutzmantel noch nicht so gut stabil halten wie die reife Haut, über die wir ab der Pubertät verfügen.
Martina Kerscher: Ja, in vollem Maß. Babys und Kleinkinder sind hochempfindlich gegen Austrocknung der Haut, ebenso wie gegen physikalische, chemische und mikrobielle Noxen, das heißt gegen Reizung und Schädigung ebenso wie für Infektionen durch Bakterien, Pilze oder Viren. Beispielsweise neigen vor allem Kleinkinder zu Schwimm- oder Dellwarzen, die durch Viren verursacht werden und bevorzugt auf zu trockener oder bereits ekzematöser Haut entstehen. Frage: Wie lange dauert es, bis die Schutzmechanismen ausgereift sind? Martina Kerscher: Mit Ende der Kleinkindphase im 4. Lebensjahr ist schon ein großer Fortschritt zu verzeichnen. Die Empfindlichkeit wird geringer. Allerdings ist die Haut bis zur Pubertät noch sehr häufig zu trocken. Frage: Welche Konsequenzen hat die hohe Hautempfindlichkeit von Babys und Kleinkindern aus Ihrer Sicht als Dermatologin für die Hautpflege? Martina Kerscher: Es gilt allgemein, dass Hautpflegeprodukte für Babys und Kleinkinder besonders gut hautverträglich sein müssen, Pflegeprodukte intensiv pflegen und schützen sollten und Reinigungsprodukte weder reizen, noch austrocknen, noch die schwachen hauteigenen Schutzmechanismen beeinträchtigen dürfen. Frage: Was empfehlen Sie konkret? Martina Kerscher: Betrachten wir zunächst die Hautreinigung, dann gilt: Weniger ist mehr. Auf keinen Fall müssen und sollten Babys und Kleinkinder täglich gebadet werden. Das ist nicht nötig, weil sie kaum schmutzig werden - mit Ausnahme des Windelbereiches. Das Wasser sollte um 37 Grad warm sein, das Bad auf nicht mehr als 10 Minuten ausgedehnt werden. Beim Waschen und beim Baden sollten seifenfreie Produkte oder Ölbäder mit einem pH-Wert um 5,5 verwendet werden. Sie sollten milde Waschstoffe und rückfettende sowie Feuchtigkeit spendende Zusätze enthalten. Parfüm und Konservierungsstoffe sollten zurückhaltend eingesetzt und nach maximaler Hautverträglichkeit ausgewählt werden. Frage: Reicht es, die Haut mild zu reinigen? Martina Kerscher: Nein, Babys und Kleinkinder brauchen regelmäßige Hautpflege. Das gilt im besonderen Maß, wenn die Haut trocken ist oder zu Neurodermitis neigt. Auch die Pflegeprodukte sollten möglichst einen leicht sauren pH-Wert haben, um den noch störanfälligen Säureschutzmantel zu stabilisieren. Leichte Öl-in-Wasser-Emulsionen sind ideal, weil sie gut verteilbar sind, leicht einziehen und keinen Wärmestau verursachen, der vor allem unter der Kleidung und bei warmer Umgebung Reizerscheinungen an der Haut hervorrufen kann. Geeignete Pflegeprodukte müssen Feuchthaltesubstanzen und Lipide enthalten, die den Schutzeffekt der noch nicht voll funktionsfähigen Hautbarriere kompensieren. Auch bei der Pflege ist höchste Verträglichkeit und Vorsicht beim Einsatz von Parfüm und Konservierungsstoffen geboten. Stoffe, die Reizungen lindern, zum Beispiel Bisabolol und solche, durch die Hautzellen bei ihrer Neubildung unterstützt werden, zum Beispiel Panthenol, sind ebenfalls sinnvoll. Frage: Können auch ältere Kinder oder Erwachsene Babyprodukte benutzen? Martina Kerscher: Bis zur Pubertät können Babyprodukte durchaus zur Hautreinigung und Hautpflege verwendet werden, allerdings werden sie von älteren Kindern oft nicht mehr akzeptiert. Für Jugendliche eignen sie sich nicht mehr, weil die Mehrzahl der Jugendlichen unter unreiner, zu Akne neigender, seborrhoischer, das heißt fettiger Haut leidet. Erwachsene und vor allem ältere Menschen mit trockener Haut kommen jedoch auch mit Hautpflegeprodukten für Babys oft gut zurecht. Frage: Brauchen Babys und Kleinkinder mit Neurodermitis spezielle Pflegeprodukte? Martina Kerscher: Wenn Produkte die zuvor genannten Anforderungen erfüllen, können sie auch beim atopischen Ekzem im erscheinungsfreien Intervall bzw. auf nicht entzündeten Hautstellen eingesetzt werden. Um ganz sicher zu gehen, sollten Eltern die Pflegeprodukte zunächst an kleinen Hautstellen testen. Dabei sollten sie das Präparat über mehrere Tage auf der gleichen Hautstelle anwenden und sorgfältig beobachten, wie die Haut reagiert. Bei ersten Anzeichen einer Reizreaktion sollte der Versuch gleich abgebrochen werden. Passiert nichts, kann das Produkt auch großflächig angewendet werden. |
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