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Interview mit Matthias Kalle "Ich glaube, die Vernunftehe ist eine Witzveranstaltung für frustrierte 50-jährige!" |
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Frage: Warum
haben Sie ein Buch über die Liebe geschrieben?
Matthias Kalle: Worüber sollte man sonst Bücher schreiben? An einer Stelle erzähle ich eine Anekdote über den Regisseur Billy Wilder. Der hatte immer einen Zettel und einen Stift auf seinem Nachttisch liegen, damit er, falls ihm im Schlaf eine Idee kam, diese sofort aufschreiben konnte.
Frage: Der Untertitel Ihres Buches lautet: »Wie wir die Liebe neu erfinden«. Wie denn eigentlich? Matthias Kalle: Ich bin kein Wissenschaftler, ich kann an dieses Thema nicht analytisch rangehen, nicht methodisch. Ich bin Reporter, ich habe Paare getroffen, einen Paartherapeuten, ich war auf vier Hochzeiten. Ich habe drei Frauen getroffen, die in meinem Leben einmal eine Rolle gespielt, die an meiner Beziehungsbiografie mitgeschrieben haben so wie ich an ihren Beziehungsbiografien. Von all diesen Treffen erzähle ich, es sind Geschichten, wenn man so will sind es Liebesgeschichten, die alle ihren Anspruch auf Einmaligkeit haben - die aber dann doch vielleicht eine Sache gemeinsam haben: die romantische Idee, den Rest des Lebens mit einem Menschen zu verbringen, zu heiraten, glücklich zu werden in einer Ehe. Frage: In den vergangenen Monaten las man oft vom »Lob der Vernunftehe«. Matthias Kalle: Ja, leider. Ich glaube, die Vernunftehe ist eine Witzveranstaltung für frustrierte 50-jährige, deren Lebensentwürfe alle gescheitert sind und die sich nun einreden, dass man ohne Liebe, ohne Leidenschaft und ohne der gemeinsamen Sehnsucht nach Glück alt werden kann. Dass man sich arrangiert. Frage: Ihr Buch trägt dagegen die Überschrift »Erstmal für immer« ... Matthias Kalle: Weil da alles drin steckt, weil ich in meinem Buch den Sinn dieser drei Wörter eigentlich nur erkläre. »Erstmal für immer« beschreibt eine Sehnsucht, danach, etwas zu finden, das bleibt, das Bestand hat, auf das man sich verlassen kann, was Trost spendet und einen nie enttäuscht, nie verlässt. Das findet man nicht mehr so leicht in eher individuellen Lebenskonzepten - weder in der Arbeit, noch in der großen Lebenslüge der Selbstbestimmung. Das findet man heute in der Liebe, in der Beziehung. Und die Hoffnung, die ich in all meinen Treffen mit Paaren gespürt habe, war, dass diese Beziehung einzigartig sein möge und ewig bleibt. Wobei 'ewig' bedeutet: so lange es gut geht. Juni 2011. Quelle: Knaur. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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