Interview mit Matthias Paul
"Als Schauspieler kann ich ständig neue Sachen ausprobieren, ohne dass mein Lebenslauf einen schlechten Eindruck macht."
Frage: Was fasziniert Dich an Deiner Rolle?

Matthias Paul: Das Schöne an der Rolle ist, dass Konstantin ein Schnittpunkt für alle Intrigen und Leidenschaften ist. Als Chef von ?Star Line? habe ich zu allen Figuren Bezug und werde mit persönlichen und geschäftlichen Problemen konfrontiert. Diese vielen kleinen Baustellen und Kämpfe und der Wechsel zwischen Privatmann und Geschäftsführer machen die Rolle so interessant.

Jannek Petri, der meinen Bruder Mark Eppinger spielt, ist auf die gleiche Schauspielschule wie ich gegangen (Ernst-Busch-Schule in Berlin) und wir haben die gleiche Spielmethode gelernt, dadurch können wir sehr gut zusammenarbeiten ? abgesehen davon, dass wir uns privat auch wirklich gut verstehen. Früher habe ich oft den Verführer gespielt, deshalb bin ich froh, dass Jannek diesmal der Womanizer ist. Es ist eine schöne Abwechslung, mal der straighte Geschäftsmann zu sein.

Frage: Was hast Du mit Deiner Figur gemeinsam?

Matthias Paul: Ich habe auch einen ?kleinen? Bruder, der ungefähr das gleiche Alter wie mein Filmbruder Mark hat. Aber bei uns ist er mehr der bodenständige Typ, während ich der ?Leichtfuß? bin, also das genaue Gegenteil von Konstantin und Mark. Was ich mit Konstantin gemeinsam habe, ist bestimmt die Leidenschaft, mich für ein neues Projekt zu begeistern.

Aber ich könnte nie der knallharte Geschäftsmann sein, ich hätte zum Beispiel viel zu viel Mitleid, um einen Mitarbeiter zu feuern ? da wäre ich einfach zu gutherzig? und vielleicht auch zu feige. Aber wir haben noch etwas gemein: Ich bin gelernter Flugzeugmechaniker und wollte schon immer einen Pilotenschein machen. Mal eine MIG oder ähnliches zu fliegen, wäre ein echter Traum von mir.

Frage: Hattest Du als Kind einen Traumberuf?

Matthias Paul: Ich wollte gern Ritter oder Indianer werden. Dann fiel mir irgendwann auf, dass das ja kein richtiger Beruf ist. Und dann habe ich gemerkt: Doch, als Schauspieler könnte ich all das machen. Die Vorstellung, einen Beruf zu erlernen und 45 Jahre das Gleiche zu machen, war erschreckend für mich, und als Schauspieler kann ich ständig neue Sachen ausprobieren, ohne dass mein Lebenslauf einen schlechten Eindruck macht.

Frage: Dem Piloten Mark kann keine Frau widerstehen. Was meinst Du, warum stehen Frauen auf Piloten?

Matthias Paul: Zwei Sachen: zum einen die Uniform. Ob Matrosen, Soldaten oder halt Piloten, Uniformen lassen einen Mann sexy wirken. Zum anderen sind Piloten immer sehr selbstsichere, gelassene, sinnliche ? und meistens auch gut aussehende ? Typen.

Ich glaube, das liegt daran, dass sie ihre Leidenschaft ausleben können (fürs Fliegen) und niemandem etwas beweisen müssen. Über den Wolken können sie tun und lassen, was sie wollen, da macht ihnen keiner Vorschriften ? das gibt ihnen diese Ausstrahlung von Gelassenheit.

Frage: Wann hast Du Dein schauspielerisches Talent entdeckt?

Matthias Paul: Ich habe natürlich auch am Schultheater gespielt, aber ich war nie sicher, wirklich Talent zu haben. Daher habe ich auch einen ?anständigen? Beruf als 1. Kameraassistent gelernt. Aber nur hinter der Kamera zu stehen, war mir nicht genug, da hat noch etwas gefehlt. In vielen Schauspielerbiographien habe ich gelesen, dass Talent nur das Sahnehäubchen für einen Schauspieler sei und dass 95 Prozent harte Arbeit sind.

Also dachte ich mir, hart arbeiten kann ich, ich probier?s einfach mal und habe an der Ernst-Busch-Schule vorgesprochen. Aber ich habe nie wirklich daran geglaubt, die Schauspielprüfung dort zu bestehen und war total überrascht, als ich die Zusage bekam.

Frage: Du trittst bei Chanson-Abenden auf ? was erwartet den Zuschauer dort?

Matthias Paul: Wir treten mit Geschichten über die Liebe auf: Wir nehmen das Publikum mit auf eine Reise von der ersten hochfliegenden Begeisterung bis hin zur bitterbösen Enttäuschung ? alles gepackt in selbst geschriebene Lieder und Geschichten. Ich finde, durch starke Gefühle spürt man, dass man am Leben ist, und manche Sachen müssen einfach raus und in eine Form gepackt werden, um sie zu teilen.

Frage: Wann begann Deine Liebe zur Musik?

Matthias Paul: Ich habe als Kind Akkordeon gelernt ? eigentlich wollte ich das gar nicht, aber es war gerade kein anderes Instrument da ...

Wir hatten dann Auftritte, und ich habe gemerkt, dass dieses Rieseninstrument zwischen mir und dem Publikum steht. Aber ich war zu schüchtern, um als Sänger aufzutreten. Insofern hat mir die Schauspielschule geholfen, und ich trete heute gern mit meiner Band auf ? obwohl Lampenfieber natürlich immer noch dazu gehört.

Musik kann viel direkter als Theater sein, weil man in einem dreiminütigen Lied das Gleiche erzählen kann wie in einem zweistündigen Theaterstück. Und es gibt nichts Schöneres, wenn der Funke zum Publikum überspringt. Nach dem Gefühl kann man süchtig werden.

Frage: Du kochst gern, und Dein Lieblingsgericht sind selbst gemachte Nudeln mit Wildgulasch und Schokoladensauce ? das hört sich ziemlich exotisch an. Muss man sich auf Überraschungen einstellen, wenn man bei Dir zum Essen eingeladen ist?

Matthias Paul: Höchstens auf schöne Überraschungen. Ich mag es gern, Sachen selber zu machen, z.B. Brot oder Nudeln ? und im Moment ist der Favorit selbst gemachtes Eis. Schon bei dem Gedanken an frisches Sahne-Vanille-Erdbeer- oder Schokoladeneis läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Und als Überraschung gibt?s vielleicht für unsere Gäste ordentlich Chili im Schokoeis.

Frage: Mit 1,87 Meter bist Du sehr groß für einen Schauspieler. Hast Du schon mal Rollen nicht bekommen, weil du ?zu lang? warst?

Matthias Paul: Oh ja, ich habe oft Rollen nicht bekommen, weil die Hauptdarstellerin zwei Köpfe kleiner war. Dann heißt es, wir können sie ja nicht jedes Mal auf eine Kiste stellen oder dich in einen Graben? Und viele Rollen werden nur nach Äußerlichkeiten besetzt, obwohl man als Schauspieler ja in jede Figur schlüpfen kann.

Matthias Paul spielt die Hauptrolle des Konstantin Eppinger in der Telenovela Schmetterlinge im Bauch (ab 21. August 2006 Montags bis Freitags um 18.45 Uhr in Sat.1).

Das Interview führte Susanne Brandes.

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