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Interview mit Olaf Rehan "Wohnungen sind immer arbeitsintensiver als Arbeitswelten." |
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Frage: Sie
haben die Deko zu Schmetterlinge im Bauch konzipiert
? wie ist es dazu gekommen?
Olaf Rehan: Produzent Christian Popp hat mich nach einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit bei Verliebt in Berlin auf Schmetterlinge im Bauch angesprochen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, und wir haben uns gemeinsam auf den Weg gemacht.
Olaf Rehan: Man kann sich meine Tätigkeit vorstellen wie die eines normalen Architekten, nur, dass ich überwiegend in Fernsehstudios plane und meine Bauten aus Holz, Gips und Farbe bestehen. In der normalen Architektur dauert es von einer guten Idee bis zum fertigen Gebäude oft Jahre, bei der Filmarchitektur nur wenige Wochen, ohne lange behördliche Genehmigungsverfahren. Das fand ich sehr reizvoll, insbesondere nach meiner Tätigkeit als Architekt für die Bundesbaudirektion. Durch einen Freund und Kollegen bin ich dann als sein Assistent zum Film geraten. Frage: Hatten Sie bei der Gestaltung komplett freie Hand oder gab es Vorgaben der Produzenten? Olaf Rehan: Zu Beginn meiner Arbeit für Formate wie Schmetterlinge im Bauch gibt es ein Konzept, das noch viel Gestaltungsspielraum zulässt. In Gesprächen mit dem Produzenten, vergleichbar mit dem Bauherrn, haben wir erste Entwürfe entwickelt. In dieser Phase habe ich weitgehend freie Hand. Während der gesamten Planungs- und Bauphase stimme ich mich mit dem Produzenten über die Entwürfe ab. Bei den extrem kurzen Zeiträumen für Planung, Bau und Einrichtung kann ich so vermeiden, dass der Produzent große Überraschungen in der fertigen Dekoration erlebt. Frage: Was ist das Besondere bei der Schmetterlinge im Bauch-Deko? Olaf Rehan: Bei Schmetterlinge im Bauch hatte ich die Gelegenheit, einen Innenhof zu bauen. Außenräume im Studio herzustellen ist immer besonders anspruchsvoll. In den Parkstudios existiert ein großes Becken, das die Voraussetzung für diese Art von Hof war. Ein Glücksfall, denn Becken in dieser Größe gibt es in Berlin sonst nicht. Für Schmetterlinge im Bauch hat der Betreiber ein weiteres Studio bauen lassen. Bei dem Neubau konnte ich Einfluss auf die Gestaltung nehmen und mir eine große Öffnung in der Studiowand wünschen. Nur so können wir jetzt aufs "Vorfeld" des Flughafens Tempelhof schauen. Frage: Sämtliche Deko-Fußböden sind handgemalt - ist das nicht unglaublich arbeitsintensiv, gerade bei Mustern wie Parkett? Olaf Rehan: Ja, die Bodenmalerei ist eine große Kunst der Theatermaler und tatsächlich sehr zeitintensiv. Bei Studioproduktionen wie Schmetterlinge im Bauch kann man mit gemalten Böden den Kameras größtmögliche Bewegungsfreiheit geben. Mit jeder Schwelle oder Kante am Boden würde ich den fotografischen Gestaltungsspielraum extrem einschränken. Frage: Es gibt zwei Sets, zum einen die Wohnwelt von Nils und Nelly sowie die "Star Line"-Arbeitswelt. Was war die größere Herausforderung bzw. arbeitsintensiver? Olaf Rehan: Wohnungen sind immer arbeitsintensiver als Arbeitswelten. Hier soll sich ein individueller Charakter in der gebauten und vor allem in der eingerichteten Dekoration wieder finden. Bei "Star Line" ist der Entwurf extrem komplex, mit Raumtiefen, Ausblicken etc. Frage: Wie groß ist die Studio-Deko insgesamt? Olaf Rehan: Zirka 1.000 Quadratmeter Dekorationen. Frage: Wie groß war das Team, das Sie zur Umsetzung zur Verfügung hatten, und wie viel Zeit hatten Sie dafür? Olaf Rehan: In Spitzenzeiten haben ca. 15 Mitarbeiter in meinem Büro gesessen und an dem Projekt gearbeitet. Von der ersten Idee bis zum ersten Drehtag verging ein knappes halbes Jahr. Frage: Woher bekommen Sie die neuen sowie antiken Möbelstücke? Olaf Rehan: Für eine lang laufende Serie lohnt sich der Requisitenleih nicht, denn das wäre oft teurer als der Neukauf. Also kaufen wir alles selbst. Wir besuchen Möbelmessen, halten Kontakt zu Herstellern und durchforsten auch Trödelläden und Flohmärkte bundesweit. Frage: Konnten die Schauspieler Einfluss auf die Deko nehmen, in der sie in den nächsten Wochen und Monaten "leben"? Olaf Rehan: Wir können oft nur mit Rollenprofilen arbeiten, denn die Besetzung der Rollen findet häufig sehr spät statt, dann ist schon alles fertig. Dennoch sollen sich die Schauspieler in "ihren" Wohnungen wohl fühlen. Auch spät versuchen wir, auf Schauspielerwünsche zu reagieren. Frage: Ist Ihr Job beendet, wenn die Dreharbeiten starten ? oder sind Sie "stand by", falls kurzfristige Änderungen gewünscht sind? Olaf Rehan: Im Vorbereitungsteam sitzen in der Regel Kollegen, die dann den laufenden Dreh betreuen, für Änderungen und Anpassungen ? falls nötig ? stehe ich immer zur Verfügung. Glücklicherweise gab es bei "Schmetterlinge im Bauch" fast keine Änderungen. Frage: Was passiert normalerweise mit einer Studiodeko nach Ende einer Produktion? Olaf Rehan: Die Requisiten werden verkauft oder in eine neue Produktion einbezogen, die Dekoration selbst wird abgebrochen und entsorgt. Frage: Wie viele Dekorationen haben Sie schon insgesamt für TV-Produktionen entworfen und umgesetzt? Olaf Rehan: Zirka 25. Frage: Und wie sieht eigentlich Ihre eigene Wohnung aus? Olaf Rehan: Viel Nils, wenig Nelly! August 2006. Quelle: Sat.1; das Interview führte Christiane Maske für Sat.1.. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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