|
Interview mit Oliver Strauch "'Groovin' High' sollte offen sein für Entwicklungen." |
|
Frage: Wie
kommt die Band Groovin' High bestehend aus Steffen Weber,
Rainer Böhm, Arne Huber, August-Wilhelm Scheer und Oliver
Strauch zum Jazzgiganten Randy Brecker?
Oliver Strauch: Es war unser Wunsch, das Repertoire, das sich stilistisch in der Tradition von Hard-Bop und Modern befindet, mit einem Trompeter aufzunehmen. Natürlich stand Randy auf der Wunschliste ganz oben. Er kannte mich über meine Zusammenarbeit mit Lee Konitz. Steffen (Weber) lernte er kurz nach der Anfrage bei der HR-Big Band kennen.
Frage: Die CD besteht zur Hälfte aus Kompositionen von Rainer Böhm und Steffen Weber - ihres Zeichens auch Mitglieder der hochgelobten und preisdekorierten Band L14,16 - sowie aus Fremdkompositionen von Thelonious Monk, Charles Mingus, Rodgers/Hart sowie Cedar Walton. Nach welchen Kriterien habt ihr die Stücke ausgesucht? Oliver Strauch: Es gibt so etwas wie eine inhaltliche Ausrichtung, ohne die Produktion als "Konzeptalbum" zu bezeichnen. Monk und Mingus haben orchestral für Combos geschrieben, und unser Satz mit Bariton, Trompete und Tenorsax ist vom Klangbild dafür wie geschaffen. Das Bariton gibt dem Ganzen die richtigen "Subtones". Übrigens gehören die ausgewählten Monk-Tunes (außer ?Round Midnight") zu seinen weniger gespielten Kompositionen. "Fallin in love with love" war eine Idee von Randy und setzt sich durch seine Frische und Einfachheit nochmals von den anderen Stücken ab. Rainer und Steffens Kompositionen sind wichtig, weil es Stücke sind, die harmonisch an die Klassiker erinnern und doch ganz eigene Züge tragen. Frage: Wurden die Eigenkompositionen wie "Rostock wir kommen", "Lost in Fargau", "Hugo", "Tomorrow" und "Unjust a gigolo" speziell für diese Produktion geschrieben? Oliver Strauch: Teilweise wurden die Stücke bei L14,16 gespielt, "Unjust a gigolo" ist eine Premiere. Übrigens sind auch die Standards arrangiert - ein wichtiger Link zum Klangbild der Band. Frage: Groovin' High ist ein Sextett, getragen von Musikern, die in unterschiedlichen Formationen spielen, du als Leader am Schlagzeug. Mit August-Wilhelm Scheer habt ihr eine vielseitige Unternehmerpersönlichkeit am Baritonsaxophon. Wie ist die Entstehungsgeschichte dieser ungewöhnlichen Band und wie würdest du euer Interplay bescheiben? Oliver Strauch: Ich kenne August-Wilhelm seit zehn Jahren und war schon früher oft Gast in seinem "Jazz-Club", in den Räumlichkeiten der IDS Scheer AG in Saarbrücken, wo ständig guter Jazz präsentiert wird. Als er mich vor zwei Jahren darauf ansprach, ob ich Lust hätte, ein Projekt zu initiieren und eine Band mit ihm zusammenzustellen, machten wir mit ein, zwei Besetzungen Probephasen. Dann war der Stamm für Groovin' High schnell klar. Maßgeblich war die Tatsache, eine "Working Band" aufzuziehen mit ständigen Proben und der Aussicht auf eine eigene unverkennbare Musiksprache. Das Interplay ist dynamisch und hat sich über die Zeit so entwickelt, dass unser Zusammenspiel von Regeln und Spontanität geprägt ist. Das gegenseitige (Hin-)Hören ist der Hauptaspekt, um in Interaktion zu treten. Die Tatsache, dass August-Wilhelm als Wissenschaftler und Unternehmer noch zusätzlich Input in die Band gibt, halte ich für sehr wichtig. Er hat über seine sehr musikalische Art des Baritonspiels die Band und damit das Image von Jazzmusikern an wichtige Institutionen weiter kommuniziert. Frage: Du sprichst das Image von Jazzmusikern an. Wie ist es darum deiner Meinung nach in Deutschland bestellt? Und gibt es aus anderen Ländern anderes, besseres zu berichten? Oliver Strauch: Es ist die Frage, wie selbstbewusst man sich als Jazzmusiker präsentiert. Ein eindeutiges Personalprofil schafft eine positive Außenwirkung. Sicherlich haben Länder wie Frankreich, Italien und natürlich die Skandinavischen Länder mehr Rückenwind von der administrativen Seite. Der Marktwert von Musikern wird in diesen Ländern eher positiv beeinflusst, wenn der/die Künstler/in aus dem eigenen Land kommt. Durch meine Erfahrung mit der Pariser Szene führt das zu einer Focusierung auf die inländischen Szene, was ich prinzipiell begrüße. Ich finde, dass wir in Deutschland auch im Umgang mit unserer ganz eigenen Musiktradition punkten können, ohne gleich als chauvinistisch angesehen zu werden. Frage: Auf deiner Homepage betonst du die Bedeutung der Künste angefangen von Klassik, über Malerei bis hin zu Film als Teil deiner Identität. Inwieweit versuchst du diese Künste mit deinem Jazzverständnis zu verschränken und hat das ganz praktische Auswirkungen auf dein Spiel? Oliver Strauch: Die Vielfältigkeit der verschiedenen Kunst- und Lebensformen sind ganz entscheidend für mich. Über die spezifische Klangsprache einer Musik zum Beispiel (und dem Jazz im besonderen), vermittelt sich dem Hörer unbewusst die Einflüsse, die das Werk hervorgebracht hat. Wenn wir uns zum Beispiel im Jazz mit ganz konkreten Formen und Strukturen beschäftigen, also versuchen, die handwerklichen Grundlagen und die Parameter dieser Musik wie Swing, Timing, Phrasing zu transportieren, gibt es trotzdem eine persönliche Färbung, die den eigentlichen Kern dann ausmacht. Die Individualität wiederum kann befördert werden in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Medien. Also mit offenen Augen und Ohren durchs Leben gehen. Nicht immer ganz einfach und angenehm, aber sehr wichtig für mich. Frage: In dem us-amerikanischen Schlagzeuger Tony Williams (1945 - 1997) siehst du nicht nur dein musikalisches Vorbild, sondern bezeichnest ihn auch als deinen "großen Helden". Woher rührt die Faszination? Oliver Strauch: Vorbilder sind - gerade am Anfang einer Entwicklung - für Musiker wichtig. Tony Williams ist für mich ein ganz elementarer Mosaikstein. Die Energie und den Willen, das Set so zu spielen, faszinieren mich immer noch sehr. Ich denke aber, dass ich keine "Tony Licks" in meinem Spiel habe und weiß, wie ich klingen möchte. Es geht für mich immer weniger um "Drummer". Die Musik in ihrer ganzen Bandbreite wird immer wichtiger. Frage: Abschließende Ausblicke: Wie geht es mit der Band Groovin' High weiter, und welche weiteren Projekte sind bei dir in Planung? Oliver Strauch: Jetzt kommt zunächst die Tour und die CD-Präsentation. Groovin' High sollte als Marke offen sein für Entwicklungen. Wir denken auch darüber nach, stilistisch in ganz andere Bereiche zu gehen. Ich selber bin gerade im spannenden Prozess der "JFK-Show", einer Rede von John F. Kennedy als dreidimensionales Ereignis: Wort, Bild und Musik gleichberechtigt nebeneinander. Ich bin sicher, dass davon noch einiges zu hören sein wird. |
|
|




