Interview mit Oliver Welke
"Es ist ein Klischee, dass alle Comedians in ihrem Tun lebenslang die Demütigungen des Schulhofs kompensieren."
Frage: Beginnen wir mit gleich mit der sicher schwierigsten Frage: Können Sie in drei Sätzen sagen, warum sich das Publikum ?Neues vom WiXXer? unbedingt ansehen sollte?

Oliver Welke: Versuchen kann ich es auf jeden Fall. Also: Es gibt vielleicht mittlerweile zu viele Comedy-Serien im TV und möglicherweise auch zu viele lustige deutsche Filme im Kino ? aber dieser Film ist nebenbei auch noch ein verdammt guter Krimi! Man kann mit den Figuren mitleiden.

Und man kann miträtseln, wer wohl der WiXXer ist. Darauf kommt man nämlich ? im Gegensatz zum ersten Film ? garantiert nicht. Es sei denn man mogelt und lässt es sich von irgendjemand erzählen.

Frage: Einer, der garantiert auch nicht darauf kommt, ist der Gerichtsmediziner Dr. Brinkman, der von Ihnen gespielte Charakter. Es gibt viele berühmte Gerichtsmediziner ? wer war das Vorbild für ihn?

Oliver Welke: Ein konkretes Vorbild hat er nicht. Aber natürlich ist uns aufgefallen, dass inzwischen kaum ein deutscher oder internationaler Krimi ohne die Figur des Gerichtsmediziners auskommt. Und da wir eine internationale Top-Produktion sind, mochten wir selbst-verständlich nicht darauf verzichten.

Der Name ist ? klar ? eine Hommage an den großartigen Leiter der ?Schwarzwaldklinik?. Üblicherweise mischt sich dieser Berufsstand eher ungefragt in die Arbeit der ermittelnden Beamten ein. Brinkman ist da ganz anders ...

Der Mann interessiert sich für alles Andere, nur nicht für die Ermittlungen. Meines Wissens gibt es das in keinem anderen Krimi.

Frage: Was interessiert ihn wirklich?

Oliver Welke: Brinkman möchte in erster Linie seine Ruhe haben. Seine Frau ist verstorben und man weiß nicht so genau, ob er damit etwas zu tun hat. Jedenfalls ist er seitdem alleinerziehender Vater. Und in dieser Rolle wacht er dann auch tatsächlich ein bisschen auf.

So desinteressiert er an der Arbeit von Long und Longer ist, so aufopferungsvoll kümmert er sich um seinen Sohn. Er organisiert Kindergeburtstage in der Gerichtsmedizin und nimmt ihn sogar mit in zwielichtige Etablissements. Der Mann ist ein richtig toller Vater!

Frage: Warum hat der Autor Oliver Welke dem Dr. Brinkman nicht viel mehr Raum in der Geschichte gegeben?

Oliver Welke: Weil der Autor Welke ganz genau weiß, dass er im Gegensatz zu anderen Mitwirkenden alles andere als ein Schauspieler ist. Ich bin Moderator mit Comedy-Background und habe bei der Zusammenarbeit mit Olli Kalkofe für das Frühstücksradio auch sehr viele Figuren gesprochen ? aber ein gelernter Schauspieler bin ich nun mal nicht.

Ich hätte mir schlicht und einfach nicht zugetraut, einen größeren Part zu übernehmen. Gerade wenn man Autor ist, muss man darauf achten, dass der Film nicht an der eigenen Eitelkeit Schaden nimmt. Und stattdessen anderen die Gags schreiben.

Frage: Dann kommen wir mal zu den Anderen: Ist Oliver Kalkofe spätestens mit diesem Film der Fuchsberger des 21. Jahrhunderts?

Oliver Welke: Würde ich das behaupten, könnte mich Fuchsberger zu Recht verklagen. Aber: Wir sehen ihn natürlich schon in dieser Tradition. Denn es gibt für beide Hauptfiguren Vorbilder: Bei Long ist das Eddi Arent und bei Longer Fuchsberger. Selbst-verständlich sind noch ganz viele Filme nötig, bis Olli in diese Liga vorstößt ? aber im Hinterkopf haben wir das.

Frage: Was war bei der Arbeit an ?Neues vom WiXXer? einfacher als beim ersten Film? Und was war schwerer?

Oliver Welke: ?Der WiXXer? war unser erster abendfüllender Stoff und wir haben in vielerlei Hinsicht Lehrgeld bezahlt. Da ist es schon ein Privileg, wenn man die Chance hat, es noch einmal besser machen zu können.

Wir haben versucht ? bis hin zu den kleinen Rollen ? allen Figuren etwas mehr zu geben. Bei mir ist es der Sohn, bei Wolfgang Völz die Senilität der Figur ?Sir John? ... ? und das gilt natürlich umso mehr für die Hauptfiguren.

Even Longer hat als Figur im ersten Film schon funktioniert, war aber durchgehend negativ. Vom Leben gebeutelt, von allen genervt, fand er alles Scheiße. Wir dachten: Der braucht dringend eine sympathischere Komponente. Deshalb sind wir auf die Liebesgeschichte gekommen, mit der er eine wärmere und verletzlichere Seite zeigen kann.

Was ganz wichtig ist, denn auch in einer Komödie muss das Publikum mit den Figuren mitleiden können.

Frage: Was sonst haben Sie aus dem ersten Film gelernt?

Oliver Welke: Unter anderem, dass wir uns dramaturgisch durchaus noch steigern könnten. Die Geschichte des ersten Films hatte im Mittelteil einen Durchhänger. Da passierte einfach zu wenig, Leute haben viel zuviel miteinander geredet. Jetzt haben wir einen schöneren Rhythmus für den Wechsel zwischen dialogischen Szenen und Action gefunden.

Was wirklich toll ist: Beim zweiten Film haben wir gemerkt, wie überflüssig manche nächtelange Diskussion beim ersten war. Und haben gelernt, uns auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren.

Frage: Sie haben schon den ersten ?WiXXer? ausdrücklich als Hommage an die Wallace-Filme bezeichnet. Aber auch diesmal könnte der Zuschauer wieder den Eindruck gewinnen, die alten Filme würden ? pardon ? verarscht. Wo ist die Grenze zwischen schlichter Parodie und Hommage?

Oliver Welke: Um etwas parodieren zu können, muss man es zuallererst mal wirklich gut kennen. Schlechte Parodien erkennt man immer schon daran, dass die Macher sich mit dem Original nicht ausreichend beschäftigt haben. Bei uns dagegen kann man schon eher von einer Überqualifikation sprechen, weil wir die Filme bereits als Kinder oft gesehen haben. Ich schrecke selbst heute nicht vor der einen oder anderen Wiederholung auf Kabel 1 zurück.

Man braucht außerdem immer eine Haltung zum Original. Man muss es nicht unbedingt lieben ? aber ohne eine Haltung kommt Comedy nicht aus. Bei uns kann man ? und damit sind wir beim Stichwort Hommage ? sagen, dass wir diese Filme wirklich mögen.

Und dass wir extrem stolz darauf sind, Kollegen wie Joachim Fuchsberger und Wolfgang Völz dabei zu haben, die eben auch schon in den Originalen dabei waren. Das ermöglicht uns, auch den einen oder anderen Insider-Gag einzubauen, bei dem wir natürlich genau wissen: Er sagt dem Teenager im Publikum wahrscheinlich nichts. Aber wir wollen eben auch versuchen, die Fans und Kenner der alten Wallace-Filme zu bedienen.

Da hatten wir schon beim ersten Film Diskussionen mit den Produzenten, die befürchteten, wir würden zu viele Zuschauer ausschließen. Doch am Ende haben genau die Gags am besten funktioniert, die einen Bezug zur Wallace-Welt hatten. Deshalb hatten wir jetzt ausreichendes Selbstbewusstsein, dies noch weiter auszubauen.

Und wer sich wirklich gut auskennt, wird ganz schnell erkennen, dass ?Neues vom WiXXer? über eine Parodie weit hinaus geht und bis hin zu einzelnen Kameraeinstellungen voller liebevoller Zitate aus den alten Filmen steckt.

Frage: Was ist für Sie so speziell an der Wallace-Welt?

Oliver Welke: Das Spezielle daran ist zu sehen, wie sich das Adenauer-, das Erhard- und zuletzt das Kiesinger-Deutschland England vorgestellt hat. Als ein Land nämlich, das erstens Schwarzweiß ist und in dem es zweitens immer regnet. In dem ganz viele Butler rumrennen und Männer eine Melone auf dem Kopf tragen. Die Deutschen hatten immer das Klischee, dass Engländer wenigstens einen kleinen Spleen, vielleicht sogar eine große Macke haben. Auch das spiegelt sich in den Filmen wider.

Charakteristisch ist außerdem das feste Ensemble dieser Filme. Die hatten zwar immer mal einen anderen Namen, aber eigentlich war es stets der gleiche Cast. Es wäre schwer, so etwas heute zu machen. Aber es ist verlässlich: Wenn Eddi Arent kommt, weiß ich, es wird lustig. Ganz egal ob er der Fotograf ist oder der Butler.

Fuchsberger rettet am Ende immer Karin Dor und Klaus Kinski kann dem Inspector nie die entscheidende Information liefern. Weil er immer kurz vorher stirbt.

Frage: Das Drehbuch ist das Werk des Trios Kalkofe, Welke und Pastewka. Wie würden Sie die Stärken der einzelnen Autoren beschreiben? Und wie ergänzen sie sich?

Oliver Welke: Kalkofe und ich haben ja schon eine echte Autoren-Historie. Wir schreiben seit 16 Jahren zusammen. Bei uns hat es Tradition, dass er am Computer sitzt und protokolliert. Er hat schließlich eine richtige Sekretärinnen-Ausbildung, er ist gelernter Fremdsprachenkorrespondent. Das haben wir auch als Trio beibehalten. Er tippt also mit zehn Fingern, und wir laufen im Zimmer auf und ab und rufen uns irgendwelchen Quatsch zu.

Jeder von uns hat seine Schwächen und Stärken. Es ist nur schwierig, die so im Detail zu definieren. Ich würde sagen: Kalkofe ist stark bei den Dialogen. Ihm fällt immer sofort eine Pointe ein, mit der jemand einen Satz beantworten könnte.

Ich habe sehr viel Spaß am Plot und am Sortieren und Überwachen von Handlungssträngen. Und Bastian sieht das Ganze weit mehr als wir aus der Sicht des Schauspielers. Er fragt ganz oft: Glaubt man das der Figur? Bleibt sie in ihrem Kosmos? Daran würden wir natürlich keinen Gedanken verschwenden und es treibt uns manchmal zum Wahnsinn, aber am Ende hat er damit immer Recht.

Es ist etwas komplett anderes, ob man Sketche schreibt oder in einem Kinofilm Figuren wirklich lebendig werden lässt.

Außerdem haben wir gemerkt, dass es superpraktisch ist zu dritt zu sein, wenn es ans Kürzen geht. Es ist ja der Albtraum des Autors, sich von Sätzen, Szenen oder ganzen Figuren trennen zu müssen. Zu zweit bremst man sich dabei gegenseitig aus, zu dritt aber hat man immer eine Mehrheitsentscheidung.

Frage: Es liegt also doch nicht nur daran, dass es zwei weitere Autoren, braucht um Kalkofe daran zu hindern, sich als eine Mischung aus James Bond und Bruce Lee zu inszenieren ...

Oliver Welke: Es ist ein Klischee, dass alle Comedians in ihrem Tun lebenslang die Demütigungen des Schulhofs kompensieren. Andererseits ... ? wie an allen Klischees ist auch an diesem etwas dran. Natürlich schlummert in Kalkofe ein Actionheld, der raus will. Und Bastian und ich müssen alle Kräfte daran setzen, dies zu verhindern.

Frage: Zuletzt: Sie haben eingangs erklärt, was die Klasse dieses Films ausmacht. Bekanntermaßen ist er ja erst die zweite Folge einer angedachten Trilogie. Wie wollen Sie ihn je mit einem dritten Teil toppen?

Oliver Welke: Das wird ganz schwer! Vom dritten Teil ist bis jetzt noch nichts klar, außer dass er ?Triple WiXX? heißen soll. Das hat Kalkofe ja schon vor Jahren herausgeblasen. Selbst wenn uns ein besserer Titel einfiele, säßen wir also damit in der Falle.

Ansonsten wissen wir noch nichts und müssen uns zusammensetzen und überlegen: Wohin soll die Reise gehen mit Long und Longer? Und wer könnte jetzt noch halbwegs plausibel der WiXXer sein? Sicher ist: Wir hätten große Lust, dieses Universum weiterleben zu lassen. ?Trilogie? klingt doch schließlich auch toll!

Oliver Welke als Dr. Brinkmann. Foto: Constantin Film

Oliver Welke spielt in der deutschen Komödie Neues vom Wixxer den Dr. Brinkman, er ist außerdem Co-Autor des Films.

Von 1996 - 2006 präsentierte er auf Sat.1 "Ran", von 2003 - 2005 war er Mitglied des Teams von "7 Tage - 7 Köpfe" auf RTL. Seit 2006 präsentiert er "Arena Fußball-Bundesliga" bei Arena.

Filmplakat
Begrüßung von Oliver Welke:

ThemenChannel Interview-Magazin von Familie-im-Web

Quelle: Constantin Film © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken