Interview mit Ranga Yogeshwar
"Man kann nur die Begeisterung weitergeben, die man selbst in sich spürt."
Frage: Ich habe gehört, dass Sie manchmal nachts mit dem Teleskop draußen in der Kälte stehen und die Sterne beobachten. Worin liegt dabei für Sie der Reiz?

Ranga Yogeshwar: Die Sterne haben es mir schon in der Kindheit angetan. Ich lag dann im Garten meiner Eltern im Gras oder auf dem noch warmen Betonboden, habe nach oben gesehen und mir vorgestellt, durch den Himmel zu schweben. Damals waren die Sterne für mich nur Punkte am Firmament.

Aber je mehr man davon weiß, desto mehr zeigt sich die Faszination, zum Beispiel, dass es Galaxien gibt, die ihr Licht ausgesendet haben, lange, bevor es die Erde gab. Der Himmel ist ein großes Experiment, das wir nicht beeinflussen können.

Und die Faszination der Wissenschaft liegt darin, dass wir Menschen etwas aus ihm herauslesen können, zum Beispiel, dass das Licht der Sterne etwas über Beschaffenheit verrät.

Frage: Ist es dieses "Staunen, Entdecken, Verstehen", das Sie auch mit "W wie Wissen" den Zuschauen vermitteln wollen?

Ranga Yogeshwar: Ja! Die Sensationen offenbaren sich im Detail. Ein genauer Blick, das genau Hinschauen zeigt, wie grandios diese Welt ist.

Frage: Und deshalb wollen Sie die Zuschauer mit auf Entdeckungsreise nehmen?

Ranga Yogeshwar: Genau. Denn jedes Mal, wenn wir einen Zusammenhang im Universum oder einen Prozess in der Biologie verstehen, verstehen wir gleichzeitig ein Stück von uns selbst. Denn man darf nicht vergessen, wir alle sind Teile dieses grandiosen Schauspiels.

Frage: Sie selbst sind Physiker und arbeiten seit fast 20 Jahren im und für das Fernsehen. Wie passt das zusammen?

Ranga Yogeshwar: Bei vielen Sportsendungen ist es so, dass die Moderatoren eine aktive Sportlerkarriere als Basis haben. So ist es hier auch. Natürlich kann man nicht kompetent in allen Bereichen sein. Aber durch meinen Hintergrund als Wissenschaftler habe ich ein gewisses Faktenwissen und ein größeres Verständnis für die Prozesse.

Außerdem verstehe ich das Denken der Wissenschaftler. Das alles erleichtert die Einordnung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Gesamtzusammenhang.

Frage: Wie ist denn Ihr Verhältnis zu Ihren Wissenschafts-Kollegen?

Ranga Yogeshwar: Ich treffe auf vielen Veranstaltungen immer wieder mit ihnen zusammen. Und ich habe einen enormen Respekt vor den einzelnen Leistungen, vor Wissenschaftlern, die sich ihr halbes Leben nur einer Sache widmen.

Nehmen wir als Beispiel den diesjährigen Physik-Nobelpreisträger Theodor W. Hänsch. Der hat sein gesamtes Forscherleben im Bereich der Quantenoptik zugebracht, ein Gebiet, das Laien nur schwer zu vermitteln ist, die Wissenschaft aber einen Riesenschritt weiter gebracht hat.

Menschen wie er gehören für mich - im Gegensatz zu Popstars oder Fußballern - zu den wahren Stars, deren Arbeit man würdigen muss.

Frage: "W wie Wissen" ist ja eine Gemeinschaftsproduktion von fünf ARD-Anstalten. Worin liegt in Ihren Augen das große Plus einer solchen Kooperation?

Ranga Yogeshwar: Das große Plus ist die Zusammenarbeit mit Kollegen aus vielen Sendeanstalten, die alle langjährige Kompetenz als Wissenschaftsredakteure haben. Der Vorteil liegt darin, dass sie Profis auf ihrem Gebiet sind und die Wissenschaft in all ihren Verästelungen kennen.

Hier verfügt die ARD über ein unschätzbares Potential. Hinzu kommen die unterschiedlichen Stärken der Sender, die sie alle in eine gemeinsame Sendung einbringen.

Frage: Nicht nur der Sendeplatz, auch das Konzept von "W wie Wissen" ist neu. Wodurch unterscheidet sich die Sendung von anderen Wissens- bzw. Wissenschaftsmagazinen?

Ranga Yogeshwar: Das Besondere ist der Sendeplatz. Menschen, die am Sonntagnachmittag fernsehen, haben eine spezielle Erwartungshaltung an das Programm, bei dem der emotionale Zugang entscheidend ist. Sie wollen keine Wissenschaftsnachrichten im Telegrammstil oder eine Nachhilfestunde in Physik, sondern sind in der Stimmung für Geschichten und Entdeckungsreisen in die Wissenschaft.

Frage: Wie wird das konkret in der Sendung umgesetzt?

Ranga Yogeshwar: Das werden wir mit unseren Schwerpunktthemen tun, wenn wir zum Beispiel in die Tiefe der Ozeane, in den Weltraum oder den menschlichen Körper reisen. Oder mit der neuen Rubrik "Welt in Zahlen", mit der wir die Zuschauer mit interessanten und ungewöhnlichen Zusammenhängen konfrontieren.

Die Wissenschaft im Alltag ist ebenfalls ein fester Bestandteil der Sendung; denn die Erkenntnis von wissenschaftlichen Prozessen, die man "anfassen" kann, ist immer eine Bereicherung. Aber auch der Humor gehört dazu. Schließlich ist nichts schöner als das "Lächeln der Erkenntnis".

Frage: Und wie wollen Sie "W wie Wissen" ihre eigene Handschrift geben?

Ranga Yogeshwar: Indem ich Dinge aus einer anderen Perspektive beleuchte und versuche, meine eigene Faszination an der Wissenschaft und meinen Spaß am Forschen und Entdecken zu vermitteln. Mein Motto lautet: Man kann nur die Begeisterung weitergeben, die man selbst in sich spürt.

Frage: Spätestens seit Sie mit großem Erfolg "Quarks & Co" moderieren, gelten Sie als "Mr. Wissenschaft" des deutschen Fernsehens. Was bedeutet das für Sie persönlich?

Ranga Yogeshwar: Solche Titel bedeuten mir wenig. Wir Moderatoren sind heute bekannt - und morgen vergessen. Was mich antreibt, ist die Begeisterung und das Feuer in mir selbst zu entzünden, und wenn ich die Zuschauer von einer Sache begeistern kann.

Ranga Yogeshwar. Foto: WDR / Frank Ossenbrink

Staunen, entdecken, verstehen - das bietet W Wie Wissen ab 8. Januar 2006, immer sonntags um 17.03 Uhr im Ersten.

Moderator Ranga Yogeshwar nimmt die Zuschauer wöchentlich mit auf Entdeckungsreise: in die Tiefen der Ozeane, in die geheimnisvolle Welt des Körpers, in die entlegenen Winkel des Weltraums.

Im Interview spricht der Diplom-Physiker, Wissenschaftsredakteur ("Kopfball", "Quarks & Co", "Globus") und vierfache Familienvater über die Faszination der Wissenschaft, wahre Stars und das "Lächeln der Erkenntnis".


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Quelle: Petra Berthold, MedienAgentur Berthold © 1994 - 2011 Dirk Jasper • Diese Seite drucken: Seite drucken