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Interview mit Prof. Dr. Reinhard Berner "Es ist nicht möglich, Epidemien von vorneherein abzuwenden." |
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Frage: Welche
Ziele verfolgt Ihre Arbeitsgruppe?
Reinhard Berner: Unser Ziel ist es zunächst, die klinischen Verläufe von Meningokokken-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen mit ihren unterschiedlichen Krankheitsbildern bundesweit zu erfassen.
Frage: Wie sieht diese Zusammenarbeit in der Praxis aus? Reinhard Berner: Die Erfassung aller klinischen Patientendaten liegt bei uns in Freiburg. Tritt ein Meningokokken-Fall auf, erhalten wir eine Blutprobe von der behandelnden Klinik. Mit Einverständnis der Eltern oder des Patienten untersuchen wir diese darauf, ob der Patient eine Grundausstattung im Immunsystem aufweist, die die Empfänglichkeit für Meningokokken erhöht. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass manche Menschen leichter durch Meningokokken erkranken als andere. Zu dieser genetischen Untersuchung kommen dann noch die Forschungsergebnisse über Virulenzfaktoren des jeweiligen Bakteriums sowie die epidemiologischen Daten des NRZM. Durch die Berücksichtigung all dieser Punkte hoffen wir, ein Gesamtbild der Meningokokken-Erkrankungen zu erhalten. Die Vielzahl der Faktoren spiegelt auch das Logo des Meningokokken-Netzes wider - ein Puzzlespiel. Frage: Ist die Gefahr von Meningokokken der Bevölkerung überhaupt bewusst? Reinhard Berner: Die meisten Eltern wissen um die Gefahr einer eitrigen Hirnhautentzündung, aber oft nicht, dass diese durch Meningokokken verursacht werden kann. Frage: Die Ansteckungsgefahr bei Meningokokken-Infektionen ist sehr hoch. Lassen sich Epidemien erfolgreich verhindern? Reinhard Berner: Es ist nicht möglich, Epidemien von vorneherein abzuwenden. Bei einem Ausbruch sind Antibiotika-Prophylaxe und Impfungen wichtige Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden müssen. Die von der STIKO empfohlene MenC-Nachholimpfung bei allen Kindern bis 18 Jahre könnte etwa ein Drittel der Fälle verhindern. Die anderen zwei Drittel könnten nur durch die schnelle Entwicklung eines Impfstoffs gegen Meningokokken der Serogruppe B verhindert werden. Frage: Wie sieht es mit der Impfbereitschaft bei MenC aus? Reinhard Berner: Eltern sind häufig kritisch gegenüber Impfungen wie Masern, Mumps und Röteln. Einige meinen, dass diese klassischen Kinderkrankheiten das Immunsystem der Kinder stärken. Anders sieht die Situation bei MenC oder FSME aus. In der Praxis beobachte ich, dass auch bei kritischen Eltern eine hohe Bereitschaft besteht, ihre Kinder dagegen impfen zu lassen. Frage: Welche Rolle spielt die STIKO-Empfehlung zur MenC-Impfung? Reinhard Berner: Es wird durch die STIKO-Empfehlung einen Rückgang bei den MenC-Erkrankungen geben und mit Hilfe der durchgehenden Impfung der unter 2-Jährigen wird eine gewisse Herdenimmunität aufgebaut. Die STIKO empfiehlt das Nachholen der Impfung jenseits des 23. Lebensmonats für alle Kinder und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Sinnvoll könnte es zudem auch sein, in die Schulen zu gehen, um die Jugendlichen zu erreichen. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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