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Interview mit Rufus Beck "An Inspektor Ringo Rolle ist ein Schauspieler verloren gegangen." |
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Frage: Durch
Ihre Arbeit als Interpret der Harry Potter-Bücher sind Sie nun
endgültig in allen Zielgruppen beliebt. Was nehmen Sie von den
Hörbuch-Projekten in die Schauspielerei mit?
Das sind zwei grundverschiedene Disziplinen. Im Film kommt es auf die Sprachbehandlung im Allgemeinen nicht so an, da geht es um visuelle Präsenz, da können Blicke mehr sagen als Worte. Und für die Realisierung eines Films braucht man so ungeheuer viele Menschen.
Frage: Sie haben mit der Vertonung der Harry Potter-Romane bisher vier goldene Schallplatten geholt. Haben Sie nicht mal überlegt, sich auf Hörbücher zu spezialisieren? Nein. Das Lesen ist zwar ein willkommener Gegenpol zum Drehen. Sich aber von einer Sache abhängig zu machen, finde ich immer gefährlich. Wenn ich das eine tue, dann freue ich mich wieder auf das andere. Ich finde es schön, von so vielen verschiedenen Menschen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln gekannt zu werden. Gerade auf meine jungen Fans bin ich stolz. Außerdem hatte ich immer Angst, festgelegt zu werden. Frage: So, wie nach der Rolle als Waltraud in ?Der bewegte Mann"? Ja, da zucke ich jedes Mal zusammen. Obwohl ich mich auch freue, schließlich ist der Film schon acht Jahre alt und trotzdem springen die Leute immer noch so darauf an. Da merke ich, der hat wirklich etwas bewegt und fasziniert bin ich davon, dass die Story noch so präsent ist bis in Details hinein. Frage: Angebote, in Serien oder Reihen mitzuwirken, haben Sie bisher abgelehnt. Was hat Sie an Inspektor Rolle überzeugt? Es stimmt, in der Ecke habe ich mich bisher bedeckt gehalten. Wann bekommt man als Schauspieler schon einmal etwas auf den Leib geschrieben? Das ist wunderbar, von Anfang an bei dem Projekt einbezogen zu sein und es mitzuentwickeln. Ich hatte zum Beispiel schon lange die Idee, dass Ringo noch einen türkischen Kommissar an seiner Seite haben sollte. Produzent Mario Melzer brachte dann noch Karsten, den jüngeren Polizeibeamten, ins Spiel, so dass wir jetzt ein schlagkräftiges, aber auch sehr humorvolles Team haben: ein Wessi, ein Ossi, ein Türke ermitteln - das ist Berlin! Frage: Wie löst das Dreierteam die Fälle? Die Jungs sind ein echtes Team, obwohl sie zufällig zusammengekommen sind. Sie ermitteln unkonventionell, manchmal auch auf eigene Faust ohne Anordnung von oben und immer mit einem Schuss Humor. Die lieben ihre Arbeit und für das Privatleben bleibt da wenig Zeit. Meine Figur, der Ringo Rolle, hat ja schon zwei Ehen hinter sich, im Privaten hat es leider nicht so gut geklappt wie im Beruf, aber Ringo liebt seine ,Kids' und versucht so oft wie möglich mit ihnen Zeit zu verbringen. Ringo ist ein schräger Vogel, der verkleidet sich ganz gerne mal, schlüpft in eine andere Person, tritt zum Beispiel als Zuhälter auf, als Junkie oder als Versicherungsfritze. An Ringo ist, so gesehen, ein Schauspieler verloren gegangen. Unsere Chefin, Kriminaldirektorin von Stein, muss natürlich höllisch aufpassen, dass wir immer im legalen Rahmen ermitteln. Manchmal gehen halt die Pferde mit uns durch. Frage: Ringo hat, wie Sie, eine Kombination geisteswissenschaftlicher Fächer, darunter Philosophie, studiert und abgebrochen. Gibt es weitere Gemeinsamkeiten? Uns war anscheinend beiden klar, dass das Glück nicht in einer akademischen Universitätslaufbahn liegen kann. Wir wollten Selfmade-Leute sein. Wir interessieren uns beide für Menschen und ihre Lebensgeschichten, sind Idealisten, die an das Gute im Menschen glauben. Dann hören die Gemeinsamkeiten schon auf, denn Ringo ist Single mit zwei Kindern aus zwei verschiedenen Ehen, er ist ein Workaholic. Ich führe ein vergleichsweise bürgerliches Leben. Ich kenne meine Probentermine, weiß, wann ich wo drehe und wann ich meine Theaterauftritte habe, da ist viel vorgeplant. Ringo dagegen wird nachts rausgerufen und weiß nie, was auf ihn zukommt. Uns gemeinsam ist die Liebe zur Familie und zu den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet. Wenn die Klappe fällt, ist für mich nicht einfach Schluss, danke, nächster Film bitte. Mit Orkan (Aykut Kayacik) und Karsten (Thorsten Feller) bin ich im Film wie privat befreundet. Sie sind meine Mannschaft, meine Jungs! Denn Jungs sind wir trotzdem geblieben. Irgendwie trifft auf alle drei der Spruch von Erich Kästner zu: Nur wer erwachsen ist und Kind bleibt, ist ein Mensch. |
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